6. Sonntag im Jahreskreis, 17. Februar 2019

Die Seligpreisungen – Naive Utopie oder Lebensordnung im Reich Gottes?

In der schönsten Gegend von ganz Israel, am nördlichen Ende des Sees von Galiläa, auf einem wie ein natürliches Amphitheater geformten Berghang, lokalisiert die Tradition die Bergpredigt oder die Feldrede, wie sie beim Evangelisten Lukas heißt. Jesus spricht zu den Menschen, die Sehnsucht hatten, seine Worte zu hören, da sie spürten, hier spricht einer mit göttlicher Vollmacht und zugleich göttlich großer Liebe.

Die Seligpreisungen, das Herzstück der Bergpredigt, sind göttlich groß und keiner wird behaupten können, sie schon ganz ins Leben umgesetzt zu haben. Sie führen uns zum Zentrum der christlichen Botschaft, zu dem, worum es Jesus in seinem Kommen wirklich ging. Der Sohn Gottes ist nicht Mensch geworden, um dem menschlichen Wissen ein höheres Wissen hinzuzufügen. Er ist auch nicht Mensch geworden, um neue moralische Regeln oder eine neue Werteordnung aufzurichten. Nein! Jesus wurde Mensch, um uns die Liebe des göttlichen Vaters zu bringen, ein Lebensstrom aus dem Herzen Gottes für die dürstende Welt, und uns von Gott her in die neue Lebensordnung des Reiches Gottes hineinzuführen. Durch seinen Tod und seine Auferstehung schenkt Jesus Christus uns ein neues Dasein, das die Welt nicht geben kann, ein Dasein, das nach anderen Gesetzen funktioniert, nach göttlichen.

 

In Christus kommt es zu einer Umwertung der Werte. Jesus fordert einen Bewusstseinswandel, von der Verhaftung und Verklammerung an die Welt hin zur Liebe, die im Reich Gottes gilt. Um an diesem Reich der Wahrheit und Liebe Anteil zu haben, muss der Mensch sich öffnen. Er muss seine krampfhafte Fixierung auf die materiellen und natürlichen Dinge der Welt loslassen, um dem Eigentlichen entgegen zu gehen. Es gilt den tief im Herzen des Menschen verankerten falschen Anspruch – die Welt sei das Eigentliche und Einzige und sie genügt sich selbst – zu überwinden. Der Mensch muss zugeben, dass dieses Dasein nicht gut ist, sondern von der Sünde befleckt und der Gemeinschaft mit Gott nicht würdig. Er muss sich Tag für Tag von der Gnade Gottes beschenken und verwandeln lassen.

Jeder Tag endet bei mir mit dem Gebet der Komplet, an deren Beginn das Schuldbekenntnis steht. In Reue darf ich mein Versagen vor Gott bringen und Vergebung empfangen. Die Komplet endet mit einem marianischen Hymnus. Maria, die kleine Magd, an der Gott Großes getan hat, gibt Hoffnung, dass er auch an mir Großes tun wird, wenn ich es zulasse und mich nicht verschließe. In diesem Vertrauen schlafe ich ein und beginne am Morgen den neuen Tag, weil Gott in uns das Wollen und das Vollbringen bewirkt, noch über unseren guten Willen hinaus.

Ihr Pfarrer Thomas Müller

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Gottelslob

Lieder des Monats Februar

GL  Nr. 134, 135 und 136