13. Sonntag im Jahreskreis, 30. Juni 2019

Nachtrag zum Zwischenruf von P. Martin Werlen OSB im letzten Sonntagsbrief

 

Frauen als Apostel(in) und Diakon(in)

Im Römerbrief lässt Paulus in einer Grußadresse auch Phöbe grüßen: „Ich empfehle euch unsere Schwester Phöbe, die auch Dienerin der Gemeinde von Kenchreä: (Röm 16,1). Im griechischen Text steht an dieser Stelle für eine Frau der maskuline Begriff „Diakonos“ (im Griechischen ein Verbaladjektiv, das es nur in der männlichen Form gab), der im Neuen Testament an anderer Stelle – auf einen Mann bezogen – mit Diakon wiedergegeben wird.

Anders noch als der „Diakonin“ Phöbe ist es der „Apostolin“ Junia ergangen. Paulus lässt das Ehepaar Andronikus und Junia grüßen: „sie ragen heraus unter den Aposteln und haben sich schon vor mir zu Christus bekannt.“ (Röm 16,3) Junia musste sich in den Übersetzungen seit dem 13. Jhdt eine Geschlechtsumwandlung gefallen lassen und wurde zu einem „Junias“. In der revidierten Einheitsübersetzung darf sie jetzt wieder Frau sein: Junia!

 

In einer Zusammenfassung eines Beitrags von Prof. Dr. Michael Theobald – Vorsitzender des Katholischen Bibelwerks e.V. – erschienen in „Bibel und Kirche“ 2 /2019 heißt es: „Mit dem Konzept der Apostolizität wird noch auf dem 2. Vatikanischen Konzil die rein männliche Amtsnachfolge begründet. Im Neuen Testament wird der Apostelbegriff jedoch sehr weit verwendet: Er wird Männern und Frauen zugedacht; das Verbaladjektiv apostolos gibt es im Griechischen nicht in der weiblichen Form und ist daher inklusiv zu verstehen. Weiterhin geben die Schriften Zeugnis von der Beteiligung von Frauen bei Leitung und Aufbau der Kirche …“ Der neutestamentliche Sprachgebrauch, auch für Frauen die grammatikalisch maskulinen Personenbezeichnungen wie Diakon, Apostel, Mitarbeiter, Jünger und Brüder zu verwenden, bewirkt die Unsichtbarkeit von Frauen und ihren Leistungen in der frühen Kirche. Im genannten Beitrag von Prof. Dr. Theobald schreibt er, dass nichts dagegen spricht, dass Frauen mit ihrer je eigenen Lebenserfahrung zum Priesteramt ordiniert werden, dafür aber alles. „Tatsächlich hat die  pastorale Not hierzulande in den letzten Jahrzehnten schon erfinderisch gemacht. Die Ansätze sind aufzugreifen und weiter zu entwickeln.“ 

Herzliche Sonntagsgrüße
Josef Nüttgens, Pfr. i. R.


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