5. Sonntag der Osterzeit, 19. Mai 2019

Liebe Gemeinden,

unser Kardinal hat unlängst einen Artikel zu der uns alle umtreibenden Frage einer Erneuerung der Kirche geschrieben.  Ich möchte Ihnen diesen Text abschnittsweise an vier Sonntagen zur Kenntnis bringen.

Teil 1, 2 und 3 lesen Sie hier.

Ihr Pastor Dregger

 

Das weitreichende Unverständnis gegenüber zentralen Aspekten des katholischen Glaubens, namentlich der Sakramentenlehre, des Priestertums, aber auch gegenüber Offenbarung und christlicher Glaubens- und Lebenspraxis, sollte uns Katholiken und Katholikinnen in erster Linie wachrütteln und deutlich werden lassen, dass wir etwas falsch machen. Wir reden zu viel von der Kirche und zu wenig von Christus; wir schauen zu oft auf uns selbst und zu wenig auf ihn. Das Christentum war von Anfang an eine alternative Kultur, es stand mitten in dieser Welt und in einem bestimmten geschichtlichen Augenblick, es war keine Denkschule und keine Philosophie, sondern von Beginn an Begegnung mit einer lebendigen Person, ein Glaube aus Fleisch und Blut sozusagen, der konkret erfahrbar ist.

Nie hat sich dieser Glaube einfach mit der Welt gemein gemacht; in seinem Anderssein hat er immer auf eine andere, jenseitige Welt verwiesen.

Das Wort „Entweltlichung“, das Papst Benedikt XVI. der Kirche ins Stammbuch geschrieben hat, ist allzu schnell beiseite geschoben worden; es sollte noch einmal gründlicher bedacht werden. Es meint, so glaube ich, keinen Rückzug von der Welt, aber eine Rückbesinnung auf den einzigartigen Charakter der christlichen Heilsbotschaft. Nur wenn die Kirche über die sichtbare Welt hinausweist und Zeugnis gibt für die Erlösung des Menschen durch Gottes Sohn, nur dann wird sie weiterhin Menschen gewinnen und zum Heil führen.

Zugespitzt lautet die Alternative, vor der wir stehen: Entweltlichung der Kirche oder Entchristianisierung der Welt – jedenfalls des Weltteils, in dem wir als Deutsche leben, denn es gibt andernorts Trends, die mit unseren kaum vergleichbar sind.

Ich möchte nicht missverstanden werden. Ich rede hier nicht einem unreflektierten Traditionalismus das Wort, einer Sehnsucht nach dem angeblich viel besseren Gestern, ich will auch keine Wagenburg, in der sich eine kleine fromme Herde verschanzt. Im Gegenteil, ich will Wachstum und Aufbruch, ich will Glauben im Hier und Heute, aber das alles wird nur Menschen berühren und begeistern, wenn wir alle unserer Sendung treu sind. Der Weg der Kirche kann nur in die Zukunft führen und nicht in die Vergangenheit, aber diese Zukunft wird sie nur mitgestalten, wenn sie sich neu auf Christus besinnt, wenn sie zu ihm zurückkehrt, wo sie ihn aus den Augen verloren hat.

Wozu Kirche? Die Antwort muss nicht erfunden, sondern wieder aufgefunden, von neuem gesucht werden. Erfunden haben wir Menschen, wenn wir ehrlich sind, in dieser Hinsicht gar nichts, nicht die Welt und nicht uns selbst, nicht die Kirche und nicht den Glauben. Alles ist uns anvertraut. Es ist uns geschenkt worden – ganz unverdient. Nur in diesem Geist und dieser Demut kann die Kirche sich erneuern. Sie muss sich leiten lassen nicht vom Blick auf sich selbst oder auf die Welt, sondern allein von dem Blick auf den Erlöser, vom Blick auf Christus.

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