2. Adventssonntag, 8. Dezember 2019

Am 08. Dezember feiert die Kirche das „Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria“ (Da es in diesem Jahr auf den 2. Adventssonntag fällt, wird es auf Montag den 09.12. verlegt). Was bedeutet dieses große marianische Fest?

Wir alle machen die Erfahrung, dass es in unserem Leben Gutes und Schlechtes gibt und dass wir uns für das Gute häufig überwinden müssen. Lüge, Egoismus, Stolz, Bequemlichkeit liegen uns von Kindesbeinen an oft viel näher. Für die Wahrheit, die Liebe, die Großzügigkeit müssen wir uns immer wieder neu entscheiden. Die Abwendung der ersten Menschen von Gott (Ursünde), dargestellt im Buch Genesis im Bild von Adam und Eva, der Frucht und der Schlange, hat Folgen, die die gesamte Menschheit bis heute betreffen. In unserem Leben gibt es seitdem das Gute und das Böse, für das jeder einzelne Verantwortung trägt. Die Erfahrung wie Paulus sie beschreibt, ist wohl keinem fremd: „Ich tue nicht das Gute, das ich will, sondern das Böse, das ich nicht will. Ich stoße also auf das Gesetz, dass in mir das Böse vorhanden ist, obwohl ich das Gute tun will.“ (Röm 7,19+21) Dies bezeichnet die Theologie mit dem Begriff der Erbsünde: der Verlust der Freundschaft mit Gott und der lebensspendenden Gnade und die daraus resultierende Anwesenheit von Leiden und Tod, sowie die Begierlichkeit als ungeordnete Neigung zum Bösen und eine Schwächung des menschlichen Willens zum Guten. Da Gott nicht will, dass die Menschen verloren gehen, sandte er seinen Sohn Jesus Christus als Erlöser in die Welt, um die Erbsünde und alle weiteren Sünden zu überwinden.

Jesus Christus wurde von Maria geboren, die für diese einmalige Aufgabe vom ersten Augenblick ihres Daseins im Schoß ihrer Mutter Anna von der Erbsünde befreit war. Maria hat diese Freiheit und Reinheit ihr Leben lang bewahrt. Sie kannte in ihrem Herzen nicht die Verstrickung in das Böse. In ihrem ganzen Leben gab es keine Lüge, keinen Egoismus, keinen Hass und keine Lieblosigkeit. Daher bezeichnen die Kirchenväter Maria auch als die neue Eva. Das, was Eva in ihrer Abwendung von Gott verloren hat, hat Maria durch eine besondere Gnade Gottes bewahrt. Deswegen konnte der Engel Gabriel, noch vor der Empfängnis Jesu, zu ihr sagen: Du bist voll der Gnade – du bist voll des göttlichen Lebens, denn die Sünde, die das göttliche Leben im Menschen zerstört, hat keinen Zugang zu deinem Herzen. Wenn wir am Montag das Hochfest der ohne Erbsünde empfangenen Jungfrau und Gottesmutter Maria feiern, dann feiern wir damit den Beginn unserer Erlösung.

Ihr Pfarrer Thomas Müller

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