4. Sonntag der Osterzeit, 12. Mai 2019

Liebe Gemeinden,

unser Kardinal hat unlängst einen Artikel zu der uns alle umtreibenden Frage einer Erneuerung der Kirche geschrieben.  Ich möchte Ihnen diesen Text abschnittsweise an vier Sonntagen zur Kenntnis bringen.

Teil 1 und 2 lesen Sie hier.

Ihr Pastor Dregger

 

Wer die Berichterstattung in den Medien verfolgt, kann leicht den Eindruck gewinnen, nicht der Glaube sei das Thema der Kirche, sondern die Sexualität. Irgendwie scheint sich immer alles darum zu drehen, direkt oder indirekt, sei es, wenn vom Zölibat die Rede ist, von Wiederverheirateten und unverheiratet Zusammenlebenden, von Homosexualität und Sex vor der Ehe. Die Kirche sollte vorsichtig sein, dieses Zerrbild nicht dadurch zu bestätigen, dass sie selbst nur noch diese Debatten führen. Und dort, wo sie über Sexualität redet, sollte sie sich auf das Wesentliche, das heißt das Gute und Hoffnungsvolle besinnen: Nicht Verbote stehen im Zentrum ihrer Moral, sondern eine Verheißung, ein Glücksversprechen. Die menschliche Sexualität ist Teil des göttlichen Heilsplanes, und sie ist, gewissenhaft und verantwortungsvoll gelebt, eine Quelle der Freude und des erneuerten Lebens. Die so oft geschmähte, angeblich dringend reformbedürftige kirchliche Morallehre hält ein Versprechen aufrecht, das in der Spaß-und Unterhaltungskultur unter die Räder zu kommen droht: Es gibt sie, die eine große Liebe! Es gibt sie als unverbrüchliche Zusage Gottes an uns Menschen, aber sie ist auch möglich und erfahrbar in der Wirklichkeit unseres Lebens, als beständige Ehe, als priesterliche Hingabe – und beide Male ist Gott Dreh- und Angelpunkt, Trost und Kraftquelle. Und es ist ja auch nicht so, als gäbe es diese Menschen gar nicht, die Eheleute, die zusammen durch dick und dünn gehen und sich ein Leben lang treu sind, die Priester und Ordensleute, die ihre Berufung leben, in guten und in schlechten Tagen. Das sollte im Lärm der Forderungen, dass sich doch jetzt dringend etwas ändern müsste und alles überholt sei, nicht ganz vergessen werden.

Und schließlich: Diejenigen, die jetzt inner- und außerhalb der Kirche so energisch auf Veränderungen gerade bei diesen Themen drängen, also auf eine Lockerung des Zölibats, eine Neubewertung der Homosexualität, auf Weiheämter für Frauen und eine generelle Akzeptanz außerehelicher Sexualität, sind bislang die Antwort schuldig geblieben, warum denn die evangelischen Christen in Deutschland, die all dies haben, was jetzt gefordert ist, kein Stück besser dastehen, nicht beim Nachwuchs in pastoralen Berufen, nicht in der Glaubenspraxis oder bei den Austrittszahlen. Ist diese Beobachtung nicht ein Hinweis darauf, dass die wahren Probleme woanders liegen, dass das gesamte Christentum mit einer Krise des Glaubens und Verstehens zu kämpfen hat und weniger mit einer neuen Lebenswirklichkeit, die nun endlich bejaht werden muss. (Fortsetzung folgt)

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