28. Sonntag im Jahreskreis, 14. Oktober 2018


Hoffnung statt Zukunftsangst

In den letzten Wochen habe ich an dieser Stelle von der missionarischen Vision des PGRs für unsere Pfarreiengemeinschaft berichtet. Ich bin erstaunt und erfreut, wie viele positive Rückmeldungen ich auf diese Artikel erhalten habe. Eine Vision ist ein Bild der Zukunft, das Leidenschaft in uns erzeugt und Hoffnung weckt! Genau das ist es, was viele Menschen in unserer Gesellschaft bewusst oder unbewusst suchen. Einen Sinn im Leben, für den es sich lohnt zu leben, für den es sich lohnt, Opfer zu bringen und mit ganzem Herzen einzusetzen. Eine Hoffnung, die mich trägt und die auch im Angesicht des Todes nicht zerbricht.

Wir erleben zur Zeit in unserer Gesellschaft absolut widersprüchliche Tendenzen. Auf der einen Seite leben wir in einer Gesellschaft, der es materiell in allen Bereichen noch nie so gut ging, mit Freiheiten, die es noch nie gab, mit verfügbarem Wissen wie nie zuvor. Seit 70 Jahren kein Krieg, zurückgehende Kriminalitätsrate, hervorragende Gesundheitsversorgung, sichere Autos, gefüllte Regale im Supermarkt wie im Internet. Zugleich erleben wir, wie Ängste in unterschiedlichsten Formen deutlich zunehmen. Experten sprechen von einer dramatischen Zunahme von Angststörungen und anderen psychischen Krankheiten in unserem Land. Ängste machen Menschen zum einen aggressiv, was sich in Formen des Hasses entlädt und zum anderen depressiv, was vielen die Kraft zum Leben raubt. Sachlich gesehen gibt es dafür nicht wirklich Gründe, denn es geht uns gut. Wie passt das zusammen?

 

Jesus sagt: „Der Mensch lebt nicht nur von Brot, sondern von jedem Wort, das aus Gottes Mund kommt. (Mt 4,4)“

Mit der Zunahme des Wohlstands in unserem Land ist eine große Abnahme des Glaubens und der Glaubenspraxis verbunden. Die große Mehrheit der Menschen in unserem Land lebt so, als gäbe es keinen Gott und damit auch keine Hoffnung, die im Angesicht des Todes nicht zerbricht. Jede Angst ist im letzten die Angst etwas oder sich selbst zu verlieren. Ohne Gott verliere ich alles und das todsicher!

Wir haben als Pfarreiengemeinschaft nicht eine missionarische Vision zum Selbsterhalt der Kirche, gleichsam um die Reihen der Kirchenbänke wieder zu füllen, sondern es geht um das Heil der Menschen. Einem anderen Menschen zu helfen, den Glauben zu finden und in die Freundschaft mit Christus einzutreten, ist der größte Liebesdienst, den ich ihm erweisen kann. Ich helfe ihm, seelisch nicht zu verhungern und dadurch psychisch krank zu werden. Die beste Medizin gegen die Angst ist die Hoffnung. Eine Hoffnung, die wirklich trägt. Oder wie es der Beter im Psalm 62 ausdrückt: „Bei Gott allein kommt meine Seele zur Ruhe; denn von ihm kommt meine Hoffnung.“

Ihr Kaplan Thomas Müller

Glauben in der Gemeinschaft

… Eine Welle von Kirchenaustritten scheint zu drohen. Das wäre eine schnelle Reaktion, die lediglich dem Impuls der Wut geschuldet ist. Doch eine Antwort ist das nicht und erst recht keine Lösung. Christlicher Glaube ereignet und vollzieht sich stets in der Gemeinschaft. Die Kommunion, in der nach katholischem Verständnis die größte Nähe zu Jesus erlebt wird, ist ein Gemeinschaftsmahl. Die Enttäuschung über das Verhalten selbst jener, denen die Sakramente anvertraut wurden, kann nicht die Gemeinschaft infrage stellen. Eine Abkehr bewirkt nichts. Sie schwächt die Gemeinschaft. Wer etwas zum Guten ändern will, muss den Willen und die Kraft aufbringen, sie zu stärken.

Lothar Schröder

Kommentar in der Rheinischen Post vom 29.9.18 zu den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche

Gottesdienste heute

Gottesdienste der nächsten 4 Wochen in unserer Pfarreiengemeinschaft finden Sie hier.