26. Sonntag im Jahreskreis, 25. September 2016


Zum Evangelium (Lk 16, 19-31)

 Das Gleichnis vom reichen Mann und dem armen Lazarus läuft Gefahr, zu schnell in der Weise einer schwarz-weiß malenden Gerichtstheologie ausgelegt zu werden („so wie du hier auf Erden, so einmal dort im Himmel“). Um dem vorzubeugen, stellen sich Fragen, die in die Mitte der Parabel führen. Welche ethischen Maßstäbe nimmt Lukas in den Blick, um das Verhältnis von Arm und Reich zu bewerten, und welche Konsequenzen ergeben sich daraus – auch für uns heute?

Lukas schreibt sein Evangelium in einer Zeit, in der die ersten Christen die Erwartung einer unmittelbaren Wiederkunft Christi aufgeben und darum das gemeindliche Leben nicht nur als eine „kurzfristige Angelegenheit des Übergangs“ empfinden. Gesellschaftliche Konflikte lassen die Gemeinde nicht mehr unberührt. Die Suche nach einer neuen Verhältnisbestimmung von Armut und Reichtum, von sozialer Not und Verantwortung spielen eine wichtige Rolle für die junge Gemeinde: wie muss auf diesem Hintergrund Nachfolge Jesu aussehen? Dabei ist besonders Lukas von der Vorstellung christlichen Gemeindelebens geprägt, die darin besteht, dass „sie alles gemeinsam haben“. Armut hat dabei keinen Wert an sich (auch wenn es bei Lukas in den Seligpreisungen heißt: „selig die Armen“). Ebenso nicht der Besitz. Allerdings ist Lukas davon überzeugt, dass der Reichtum Gefahr läuft, für das Handeln Gottes in dieser Welt blind zu werden. Das Versagen des reichen Mannes besteht darin, die Armut und das Elend des Lazarus nicht als Herausforderung, geschweige denn als Ansprache durch Gott zu empfinden.

 

Lukas ist überzeugt: Gottes Heilshandeln zielt von Anfang an, begonnen mit Mose und den Propheten, auf eine ausgleichende Gerechtigkeit. Auferstehung ist dann gleichsam die besiegelnde Unterschrift Gottes unter seine immer schon geltende „Option für die Armen“.

Herzliche Sonntagsgrüße
Josef Nüttgens, Pfr. i. R.

Lied des Monats September

GL 275 „Selig, wem Christus auf dem Weg begegnet.“