1. Adventssonntag, 27. November 2016


Frohes und gesegnetes neues Jahr!

Keine Sorge! Sie haben Weihnachten nicht verschlafen und der Kaplan hat auch nicht einen Zeitsprung gemacht, sondern mit dem 1. Advent beginnt das neue Kirchenjahr. Die sonntägliche Leseordnung wechselt vom Jahr C zum Jahr A, das heißt: in den kommenden 12 Monaten werden wir an den Sonntagen überwiegend das Evangelium nach Matthäus hören. Dass der Beginn des Kirchenjahres mit der Adventszeit zusammenfällt, dafür gibt es gute Gründe, die schon im Wort Advent, vom lateinischen adventus = Ankunft, angedeutet werden. Schon im alltäglichen Leben beginnt mit der Ankunft von jemandem nicht selten etwas Neues. Sei es, wenn in einer Familie ein Kind geboren wird, sei es, wenn man nach dem Urlaub zu Hause ankommt und die Zeit der Arbeit wieder beginnt.

Im Advent geht es um eine dreifache Ankunft. Wir erinnern uns an die Menschwerdung Jesu, der von der Jungfrau Maria durch das Wirken des Heiligen Geistes empfangen und an Weihnachten geboren wurde. Das ist die erste Ankunft des verheißenen Messias, welchen das Volk Israel über viele Jahrhunderte erwartet hat.

 

 

An diesem Sonntag geht der Blick nicht in die Vergangenheit, sondern in die Zukunft. Wir werden uns bewusst, dass Jesus versprochen hat, am Ende der Zeit in Macht und Herrlichkeit wiederzukommen. Dies nennen wir auch die zweite Ankunft Jesu. Bei seiner ersten Ankunft vor 2000 Jahren kam er verborgen, in der Gestalt eines Kindes, am Rande des römischen Weltreiches in der jüdischen Provinz. Kaum einer nahm Notiz von ihm. Bei seiner zweiten Ankunft wird Jesus in Macht und Herrlichkeit kommen, zusammen mit allen Engeln und Heiligen. Alle Menschen werden ihn erkennen und jedes Knie wird sich vor ihm beugen, sei es in dankbarer Anbetung und großer Freude oder aus Angst vor seiner göttlichen Herrlichkeit und im Erschrecken über die eigenen Sünden.

Zwischen dem 1. und dem 2. Kommen Jesu liegt quasi die dritte Ankunft, die im Advent thematisiert wird. Es ist die Ankunft Jesu in meinem Leben. Jesus will eine ganz persönliche Beziehung zu mir aufbauen. In gewissem Sinn ist dies die wichtigste Ankunft, derer wir uns im Advent bewusst werden sollen. Sehr treffend drückt es der bekannte Arzt und Lyriker Angelus Silesius (1624-1677) aus: „Und wäre Christus tausendmal in Bethlehem geboren, doch nicht in dir, du wärest ewiglich verloren.“ Bereiten wir uns also in dieser Adventszeit vor, dass Jesus Christus in meinem Leben ankommen kann und ich ihm Raum und Zeit schenke.

In diesem Sinn eine gesegnete Adventszeit,

Ihr Kaplan Thomas Müller

Lied des Monats November

GL 209 „Du teilst es aus mit deinen Händen“