32. Sonntag im Jahreskreis, St. Martin, 11. November 2018


Die Lebenszeit des heiligen Martin von Tours fiel in eine Periode tiefgreifender Umbrüche, aus denen erst das christliche Abendland hervorging. Hier setzte Martin wesentliche Akzente.

Zwei Beispiele:

Geboren um 316 – also kurz nach der sogenannten „Konstantinischen Wende“, in deren Folge aus der im römischen Reich vielfach verfolgten die alles bestimmende Reichs-Kirche und Staatsreligion wurde – quittierte Martin 356 den Dienst im römischen Heer (zu dem er als Sohn eines Militärtribuns verpflichtet war) und zog sich in der Nähe von Poitiers als Einsiedler zurück.

Und eben diesen Einsiedler wollten die Leute von Tours gegen den Willen vieler Bischöfe, die sich längst der neuen Situation der Kirche angepasst hatten und an seinem armen und bedürfnislosen Leben Anstoß nahmen, zu ihrem Bischof. Es musste als Skandal erscheinen, dass einer Bischof sein sollte, der auch in diesem Amt das Leben eines Mönchs weiterführte und z.B. beim Gottesdienst auf einen Bischofsthron verzichtete und auf einem Gesindehocker Platz nahm. Martin war der Überzeugung, Christ sein könne nicht in Anpassung an die Zeitläufe gelebt werden, sondern als Alternative dazu.

Dann die Sache mit Priscillian von Avila, der der Irrlehre bezichtigt, aus Staats- und Kirchenräson hingerichtet werden sollte. Martin intervenierte persönlich bei Kaiser Maximus in Trier, weil er gegen die Lösung theologisch kirchlicher Auseinandersetzung mittels staatlicher Gewalt war. Martin konnte sich nicht gegen den Kaiser und die der Hinrichtung zustimmenden gallischen Bischöfe durchsetzen. Aber: “solange er noch lebte wird er nie wieder mit ihnen zusammensitzen.“ (Sulpicius Severus, sein Biograph und Zeitgenosse)

Martin von Tours hat Akzente gesetzt – auch für kommende Zeiten. „Martin ist viel größer als man es in Worten fassen könnte.“ (Sulp. Severus)

Was wäre der Christenheit erspart geblieben, wäre die Kirche seinem Beispiel gefolgt?

Herzliche Sonntagsgrüße
Josef Nüttgens, Pfr. i. R.

Glauben in der Gemeinschaft

… Eine Welle von Kirchenaustritten scheint zu drohen. Das wäre eine schnelle Reaktion, die lediglich dem Impuls der Wut geschuldet ist. Doch eine Antwort ist das nicht und erst recht keine Lösung. Christlicher Glaube ereignet und vollzieht sich stets in der Gemeinschaft. Die Kommunion, in der nach katholischem Verständnis die größte Nähe zu Jesus erlebt wird, ist ein Gemeinschaftsmahl. Die Enttäuschung über das Verhalten selbst jener, denen die Sakramente anvertraut wurden, kann nicht die Gemeinschaft infrage stellen. Eine Abkehr bewirkt nichts. Sie schwächt die Gemeinschaft. Wer etwas zum Guten ändern will, muss den Willen und die Kraft aufbringen, sie zu stärken.

Lothar Schröder

Kommentar in der Rheinischen Post vom 29.9.18 zu den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche

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