29. Sonntag im Jahreskreis, 21. Oktober 2018


„Was soll ich für euch tun?“ (Mk 10, 36)

Das ist eine Frage, die wir sonst aus dem „Service“ gewohnt sind, von Kellnern oder Menschen an Hotelrezeptionen oder wenn wir eine Telefonhotline anrufen. „Was kann ich für Sie tun?“ Jesus ist serviceorientiert, möchten wir sagen. Und wörtlich übersetzen: Jesus orientiert sich am Service, also am Dienst, am Dienst am Menschen. Schließlich ist schon er selbst nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen. Er will der Diener aller sein. Darum ist das seine Frage:

Was kann, was soll ich für euch tun?

Dass Jesus vom Dienen spricht, scheint nötig und wie er davon spricht, ist drastisch. Da steht im griechischen Originaltext ein Wort, von dem sich unser Begriff Diakon ableitet: „diakonis“ arbeitet, wer Jesus nachfolgt, wörtlich also: im Staub ganz unten. Da, wo keiner sonst mehr sich herabbeugt, da sollen die Jünger Jesu tätig werden. Da, auf solche Weise ist Jesus gedanklich unterwegs (Vorausgegangen ist die 3. Leidensankündigung im Markusevangelium). Nicht so die Jünger; die sind gedanklich schon in anderen Sphären unterwegs.

 

Was heißt das heute? Serviceorientierte Kirche?

Sicher es gibt kritische Stimmen, die auch zu Recht mahnen: Die Kirche ist kein Servicebetrieb. Das ist insofern richtig, als sie sich nicht zuerst an Kundenwünschen orientiert, sondern am Auftrag und der Sendung Jesu.

Kann es jedoch sein, dass es uns an der Übung mangelt, beides zusammen zu sehen – die Erwartungen der Menschen und den Auftrag Jesu?

Kann es sein, dass viele den „Service“ der Kirche nur an besonderen Lebensschwellen in Anspruch nehmen, weil wir nicht von allein und ideenreich darauf kommen, sie zu fragen: „Was können wir für euch tun?“

P.S.: Das könnten die 240 Bischöfe, die sich zur Zeit in Rom zu einer Synode zum Thema Jugendpastoral versammelt haben, die 40 Jugendliche fragen, die als Auditores ebenfalls geladen sind.

Herzliche Sonntagsgrüße
Josef Nüttgens, Pfr. i. R.

Glauben in der Gemeinschaft

… Eine Welle von Kirchenaustritten scheint zu drohen. Das wäre eine schnelle Reaktion, die lediglich dem Impuls der Wut geschuldet ist. Doch eine Antwort ist das nicht und erst recht keine Lösung. Christlicher Glaube ereignet und vollzieht sich stets in der Gemeinschaft. Die Kommunion, in der nach katholischem Verständnis die größte Nähe zu Jesus erlebt wird, ist ein Gemeinschaftsmahl. Die Enttäuschung über das Verhalten selbst jener, denen die Sakramente anvertraut wurden, kann nicht die Gemeinschaft infrage stellen. Eine Abkehr bewirkt nichts. Sie schwächt die Gemeinschaft. Wer etwas zum Guten ändern will, muss den Willen und die Kraft aufbringen, sie zu stärken.

Lothar Schröder

Kommentar in der Rheinischen Post vom 29.9.18 zu den Missbrauchsfällen in der katholischen Kirche

Gottesdienste heute

Gottesdienste der nächsten 4 Wochen in unserer Pfarreiengemeinschaft finden Sie hier.