Impulse und Gebete

in Zeiten der Corona-Pandemie

Der Mai, der gestern begonnen hat, ist Maria geweiht. Die blühende, neu auflebende Natur, die wir in diesem Jahr bis jetzt schon ganz besonders intensiv erleben konnten,  ist ein Sinnbild dafür, was mit einem Menschen passiert, der Christus in sich trägt, wie es Maria in unvergleichlicher Weise getan hat: Er beginnt zu blühen, zu wachsen, zu leben.

Es gehört zur Tragik des Christentums, dass es oft missverstanden wurde, indem man meinte, es sei vor allem dafür da, gute Menschen heranzubilden.

Wenn wir über Ostern in der Bibel lesen, ist von moralischen Regeln erstmal überhaupt nicht die Rede, sondern von Leben, Befreiung, Erlösung, Licht, Neuheit, Furchtlosigkeit. Die Moral kommt erst danach: Wenn Du an den Auferstandenen glaubst, dann passt dazu nicht mehr Hass, Egoismus, Ängstlichkeit, Abhängigkeit.

Die Schönheit der Gottesmutter, wie sie in vielen Bildern dargestellt ist, das Blühende, Lebensvolle, was wir in der Maienkönigin sehen, bewahrt uns davor, den christlichen Glauben zu einer bloßen Lehre von dem, was ich tun soll, verkommen zu lassen. Christentum ist zuallererst eine Erfahrung von Leben, das zwar kein Hedonismus ist, sondern oft durch das Kreuz geht, aber nur um Leben in Fülle zu erringen.

 

Impuls zum Nachdenken

  • Welche Beziehung haben Sie zu Maria? Was bedeutet sie für Sie?
  • Stellen Sie sich im Mai ein Bild von Maria vor Augen (irgendwo in ihrer Wohnung mit einer Kerze/ Blumen, vielleicht als Bildschirmschoner oder als Hintergrundbild Ihres Handys). Schauen Sie jeden Tag darauf mit der Gewissheit: so schön, will der Auferstandene mein Leben machen.

 

Tagesgebet

Gott, durch die Auferstehung Deines Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, hast Du die Welt mit Jubel erfüllt. Lass uns seine jungfräuliche Mutter Maria zur unvergänglichen Osterfreude gelangen. Durch Christus, unsern Herrn.

Hl. Maria, bitte für uns!

Hl. Joseph, der Arbeiter

Am ersten Mai, dem Tag der Arbeit, feiert die Kirche das Fest des hl. Joseph, des Arbeiters. Papst Pius XII. hat diesen Gedenktag in den liturgischen Kalender eingefügt, um die besondere Sicht der Kirche auf die Arbeit zu verdeutlichen, die sich von der Auffassung des Kapitalismus und Kommunismus unterscheidet. Schon zuvor hatte Leo XIII. den Arbeitern in ihrem Ringen um menschenwürdige Bedingungen des Broterwerbs den hl. Joseph als Vorbild und Schutzpatron gegeben.

Der hl. Joseph war teknon (altgriech.), d.i. ein Bauhandwerker. Er hatte seine Familie durchzubringen, zumindest auf der Flucht nach Ägypten und nach seiner Rückkehr wird er auf Jobsuche gewesen sein, er brachte seinem Pflegesohn das Handwerk bei und wird im übrigen all die Sorgen, Mühen und Freuden und auch den Stress erfahren haben, die mit Arbeit verbunden sind.

Das was seine und unsere Einstellung zur Arbeit zu etwas besonderem macht, ist, dass er sie für, durch und mit Gott vollbracht hat. „Tut eure Arbeit gern, als wäre sie für den Herrn und nicht für Menschen.“, schreibt der hl. Paulus im Brief an die Kolosser. Durch die Arbeit haben wir Anteil an der Schöpferkraft Gottes, wir sollen uns einbringen und diese Welt gestalten; das mühselige, was wir auf uns nehmen, können wir für IHN tun und so sinnvoll machen; wir können ihn um seine Hilfe bitten und uns bewusst sein, dass auch Jesus gearbeitet und dadurch die Arbeit geheiligt und ihr einen Sinn gegeben hat. Dass der Mensch selbst durch Arbeit für seinen Unterhalt aufkommen kann, gehört zu seiner Würde, weshalb alles getan werden muss, damit dies möglichst vielen Menschen ermöglicht wird.

Unlängst sagte mir ein muslimischer Frisör: „Wenn ich vor Allah stehe, wird er mich fragen: Was hast Du gemacht? Ich werde antworten: Ich bin Frisör. Du, Gott, bist schön, und deshalb habe ich mich bemüht, die Köpfe aller Menschen, die zu mir kamen, schön zu machen.“ Keine schlechte Einstellung zum Beruf, wie ich finde.

 

Impuls zum Nachdenken

  • Was würden sie Gott über ihren Beruf, ihre Arbeit sagen? Was haben Ihr Beruf/ ihre Arbeit mit IHM  zu tun?
  • Versuchen Sie, bei der Arbeit immer wieder den Gedanken in sich aufsteigen zu lassen: Ich will die Arbeit mit, durch und für Gott tun.
  • Beten Sie bitte auch darum, dass die Wiederaufnahme der öffentlichen Gottesdienste uns gut gelingt!

 

Tagesgebet

Gott, du Schöpfer der Welt, du hast den Menschen zum Schaffen und Wirken bestimmt. Auf die Fürsprache unseres Schutzpatrons, des heiligen Josef, der mit seiner Hände Arbeit die Heilige Familie ernährte, gib uns Kraft und Ausdauer, damit wir deinen Auftrag auf Erden erfüllen und so den verheißenen Lohn empfangen. Durch Christus, unsern Herrn.

Hl. Joseph, bitte für uns!

Hl. Quirinius

Unweit von uns, auf der anderen Rheinseite in Neuß, wird die Kuppel des Münsters vom hl. Quirinus bekrönt. Er ist Patron der Stadt.

Der römische Tribun Quirinus war der Überlieferung nach der Kerkermeister des Papstes Alexander während dessen Inhaftierung. Er wurde, zusammen mit seiner Tochter Balbina, aufgrund der Wundertaten des Papstes bekehrt und getauft, dann als Christ verfolgt und nach grausamen Martern um das Jahr 115 enthauptet. Seine Reliquien kamen im 11. Jahrhundert in die spätere Damenstiftskirche nach Neuß, wo heute noch zu seinen Ehren die große Quirinusprozession stattfindet. Historisch gesichert wissen wir nur ganz wenig über diesen Heiligen; sicher wird er zu seinen Lebzeiten nie in Novesia/ Neuß gewesen sein. Trotzdem haben die Menschen dort eine ganz enge Verbindung zu ihm.

In diesen Tagen der Coronakrise stellen wir erschrocken fest, wie überall auf der Welt Grenzen (wieder) hochgezogen werden und wir in unserer Bewegungsfreiheit stark eingeschränkt sind. Anders der auferstandene Jesus, der bald hier, bald dort erscheint, durch verschlossene Türen geht und nach seiner Himmelfahrt im Heiligen Geist überall ist und die Menschen, die an ihn glauben, verbindet.

Wir haben Quirinus nicht persönlich gekannt, und wir können jetzt nicht nach Paris oder Rom reisen. Aber überall, wo Christus geglaubt wird, sind wir mit den Menschen dort und damals durch Jesus ganz eng verbunden. Er ist die Brücke, die jede Grenze überwölbt. Das gibt Freiheit und Weite trotz Quarantäne.

Impuls zum Nachdenken:

  • Erinnern Sie sich an Kirchen, die Sie woanders, im Ausland, gesehen und wo sie gespürt haben: hier bin ich zu Hause, weil hier die gleiche Messe gefeiert wird, Christus im Tabernakel anwesend ist und der gleiche Glaube, den ich habe, dieses Gebäude hat erstehen lassen.
  • Erinnern Sie sich an Menschen, die vielleicht aus einem ganz anderen Land oder einem anderen Kontext kamen, denen Sie sich aber verbunden fühlten, weil auch sie Christen waren.
  • Überwinden Sie heute die Grenzen von Zeit und Raum, indem Sie für ferne Menschen beten und zu einem Heiligen (vielleicht Quirinus oder Ihr Namenspatron), der/ die zwar schon lange gestorben sind, mit denen wir aber durch Christus verbunden bleiben.

Tagesgebet

Allmächtiger Gott, du hast deinen heiligen Märtyrer Quirin Standhaftigkeit im Leiden verliehen. Schenke uns auf seine Fürsprache, dass wir das Böse überwinden und ewige Gemeinschaft mit den Bürgern deines Reiches erhalten. Durch Christus, unsern Herrn.

Hl. Quirin, bitte für uns!

Hl. Katharina von Siena

„Du, ewige Dreifaltigkeit, bist ein tiefes Meer, in dem ich immer Neues entdecke, je länger ich suche. Und je mehr ich finde, desto mehr suche ich dich. Gleichsam auf unersättliche Weise sättigst du die Seele; denn in deinem Abgrund sättigst du die Seele so, dass sie doch immer noch hungrig bleibt, nach dir, ewige Dreifaltigkeit, verlangt und sich danach sehnt, dich, das Licht, in deinem Licht zu schauen…O Abgrund, o ewige Dreifaltigkeit, o Gottheit, o tiefes Meer! Was konntest du mir Größeres geben als dich selbst! Du bist das ewig brennende Feuer, das sich nie aufzehrt, doch mit seiner Glut alle Eigenliebe der Seele verzehrt. Du bist das Feuer, das alle Kälte wegnimmt und mit seinem Licht die Geister erleuchtet, mit dem Licht, in dem du mir deine Wahrheit zu erkennen gabst. Im Spiegel dieses Lichtes erkenne ich dich, das höchste Gut, das Gute über allem Guten, das selige Gute, das unermessliche Gute, das unschätzbare Gute; die Schönheit über aller Schönheit, die Weisheit, größer als jegliche Weisheit. Du Speise der Engel, du, der sich den Menschen schenkt im Feuer der Liebe. Du bist das Gewand, das meine Nacktheit bedeckt; da wir hungern, gibst du uns die Speise deiner Süße; denn süß bist du ohne alle Bitterkeit. O ewige Dreifaltigkeit!“

Können Sie mit so einem Text etwas anfangen? Es sind Worte der hl. Katharina von Siena, deren Fest heute gefeiert wird, Worte aus dem 14. Jahrhundert, in dem sie in Siena geboren wurde und nach 33 Jahren in Rom starb. Worte einer Heiligen, die eine Power-Frau war, Mystikerin, Meisterin des Gebetes, Kirchenpolitikerin, Asketin, Büßerin, Pflegerin von Pestkranken (wobei sie sich selbst ansteckt), voll hingebender Liebe für die Armen, voll brennender Liebe für die damals gespaltene und krisengeschüttelte Kirche, Prophetin und Ratgeberin, Anklägerin von Missständen. Ihr war es vor allem zu verdanken, dass der Papst aus Avignon nach Rom zurückkam.

Unter welchen Begriff kann man ein solches Leben fassen?

Wahrscheinlich passt am besten der Begriff „Feuer“, glühend, leuchtend, sich verzehrend, wärmend und verbrennend.

Inmitten einer oft nüchternen Welt, möchte Gott in uns sein Feuer der Liebe hineinwerfen. Die Begeisterung für Gott können wir nicht herstellen, wir können sein Feuer nicht machen, aber wir können Gott bitten: Entfache in mir die Glut Deines Geistes. Lass mein Leben nicht sanft dahinplätschern, sondern schenke mir, dass ich brenne für Dich und Dein Reich.

Ostern findet seine Vollendung im Pfingstfest, als der Hl. Geist in Feuerzungen auf die Jünger herabkam. Schon vorher bekannten die Emmausjünger: „Brannte uns nicht das Herz, als er mit uns auf dem Weg war?“ Ob nun hell auflodernd oder eher wie eine stille Glut: wer den Auferstandenen sucht, dessen Herz wird zu brennen beginnen.

Impuls zum Nachdenken:

  • Gibt es etwas, für das Sie glühen, von dem Sie ganz hingerissen sind?
  • Fall Ihnen momentan nichts einfällt, erinnern Sie sich an das Erlebnis des Begeistertseins in früheren Phasen Ihres Lebens.
  • Möchten Sie ein glühender, ein leidenschaftlicher Mensch sein?
  • Beten Sie täglich ein kurzes Gebet zu/ um den Hl. Geist!

Tagesgebet

Allmächtiger, ewiger Gott, du hast der heiligen Katharina von Siena das Leiden Christi und die Wunden seiner Kirche vor Augen gestellt. Im Dienst an der Kirche wurde ihre Liebe zu einem lodernden Feuer. Mache auch uns, die wir zu Christus gehören, bereit, die Leiden seiner Kirche mitzutragen, damit einst seine Herrlichkeit an uns offenbar wird. Durch Christus, unsern Herrn.

Hl. Peter Chanel

Der Heilige des heutigen Tages, Peter Chanel, stammte aus einer Bauernfamilie Frankreichs. 1803 geboren, wurde er später Priester und trat in den Orden der Maristen ein. Als Missionar ging er nach Ozeanien und wirkte dort zunächst mit kaum sichtbarem Erfolg. Als sich einige Häuptlinge taufen lassen wollten, wurde er auf Veranlassung eines anderen erschlagen und erlitt 1841 das Martyrium. Die Saat, die er, den die Insulaner wegen seiner Freigebigkeit und Hilfsbereitschaft den „Mann mit dem guten Herzen“ nannten, ausgestreut hatte, ging nach seinem Tode auf. Schon nach wenigen Jahren bekannten sich alle Insulaner zum katholischen Glauben.

Peter Chanel lebte in einer interessanten Zeit. Viele Katholiken in seinem Heimatland schämten sich ihres Glaubens, der nur schwer in eine aufgeklärte Zeit zu passen schien. Er hingegen ging nach Ozeanien mit der Freude und dem Stolz, Christ zu sein. Aus der Sicht eines Menschen des 19. Jahrhunderts schreibt er:

„Je höher gestellt ein Mensch über seinesgleichen gestellt ist durch seinen Rang oder durch seine Geburt, umso höher ist auch die Ehre, wenn man ihm dienen darf. Wer wird dann das unermessliche Gewicht der Ehre ermessen können, die diejenigen erwerben, die das unschätzbare Vorrecht haben, dem dienen zu dürfen, der nicht nur über den größten Machthabern steht, sondern der der souveräne Herr, das Sein schlechthin, der „Ich-bin-der-ich-bin“ ist?“

Die Osterzeit ist eine Zeit, in der wir das Aufrecht-Stehen lernen sollen! Durch die Auferstehung Jesu ist unser Leben erhoben! Viel ist in den Gebeten dieser Wochen die Rede von der besonderen Würde, die wir als Menschen des neuen Lebens haben. Wir sind schon Teil des neuen Äons, das kein Ende hat!

Impuls zum Nachdenken:

  • Fällt es mir leicht, mich als Christ zu bekennen?
  • Stehe ich zu meinem Glauben aus Verpflichtung oder aus Begeisterung?
  • Wo spüre ich besonders, dass mein Glaube mich groß macht, mein Leben weitet und erhebt?
  • Welchem Menschen in meiner Umgebung, der noch nicht glaubt, würde ich diese Erfahrung besonders gönnen?

Tagesgebet

Starker Gott, du hast durch den Märtyrertod des heiligen Peter Chanel den Glauben auf den Inseln der Südsee eingepflanzt. Lass uns in diesen österlichen Tagen die Geheimnisse des Todes und der Auferstehung Christi so feiern, dass wir Zeugen des neuen Lebens sein können. Durch Christus, unsern Herrn.

Hl. Petrus Canisius

Unweit des Hauptbahnhofes in Köln steht eine große, rosa angestrichene Kirche. Es ist die vormalige Jesuitenkirche St. Mariä Himmelfahrt. Die riesige prachtvolle Barockkirche deutet zunächst nicht auf die Schwierigkeiten des Anfanges des Jesuitenordens in Deutschland hin, der eng mit dem Heiligen des heutigen Tages, dem hl. Petrus Canisius, dem Patron des Kölner Priesterseminars, verbunden ist, der Mitbegründer der ersten Niederlassung des Ordens auf deutschem Boden in Köln war. Petrus Canisius wurde 1521 in Nimwegen geboren, studierte in Köln und trat als erster Deutscher in den Jesuitenorden ein. In dieser Zeit der Glaubensspaltung bemühte er sich unermüdlich um die Erneuerung und Festigung des religiösen Lebens in ganz Deutschland. Seine Katechismen wurden noch bis ins 20. Jahrhundert im Unterricht benutzt. Er war ein begnadeter Katechet, Prediger und Seelenführer.

Jahre nach der Kölner Gründung schreibt er in einem Brief an seine Kölner Mitbrüder: „Es ist mir eine große Freude, mich an das heilige Köln zu erinnern…Ich weiß, welche Mühe es gekostet hat, diesen Grundstein unserer Gesellschaft in Deutschland zu legen und das Werk so weit zu fördern.“ In diesen wenigen Worten klingt eine Erfahrung an, die Petrus Canisius in Köln und vielen anderen Orten Deutschlands gemacht hat: die Erfahrung der Hartherzigkeit. Durch die mit der Reformation einhergehende Verunsicherung und Verhärtung der konfessionellen Fronten war längst schon kein Gespräch zwischen den unterschiedlichen Positionen möglich, Religion an sich wurde oft genug verspottet, man ließ den anderen Menschen und Gott gar nicht mehr an sich heran. Unter diesen Umständen war eine wirkliche Neubelebung des Glaubens unendlich schwer.

Der hl. Petrus Canisius hat den katholischen Glauben mit Festigkeit und Entschiedenheit verteidigt und gleichzeitig zeichneten ihn Güte und Liebe aus und die Bereitschaft, sich von Gott und den Menschen berühren zu lassen. Es ist ein Zeichen, das wir auf dem Weg zu Gott sind, wenn Wahrheit und Liebe in unserem Denken und Handeln keine Gegensätze sind.

 

Impuls zum Nachdenken:

  • Gibt es in meinem Leben Punkte, wo ich meine, tolerant zu sein, und mich in Wirklichkeit nur vor Entschiedenheit, Wahrhaftigkeit und Eindeutigkeit drücke (aus Menschenfurcht, Opportunismus, Gleichgültigkeit)?
  • Und wo halte ich mich für besonders überzeugungsstark, habe dabei aber ein hartes Herz, das andere Menschen gar nicht mehr an sich heranlässt, sondern sie diffamiert (aus Angst, selbst verletzt zu werden, aus Gleichgültigkeit gegenüber dem anderen, aus Bequemlichkeit oder Hochmut)?
  • Bitten Sie Gott darum, dass er Ihnen ein weiches Herz schenkt, das auch bereit ist, die Saat aufzunehmen, die er in Sie hineinsäen will!

 

Tagesgebet

Herr, unser Gott, du hast den heiligen Petrus Canisius berufen, in Wort und Schrift den katholischen Glauben kraftvoll zu verteidigen. Höre auf seine Fürsprache: Lass alle, die nach der Wahrheit suchen, dich finden, und erhalte deine Gläubigen im Bekenntnis zu Dir. Durch Christus, unsern Herrn.

Lukasevangelium 24,13-35

Und siehe, am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. Und es geschah, während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus selbst hinzu und ging mit ihnen. Doch ihre Augen waren gehalten, sodass sie ihn nicht erkannten. Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen und der eine von ihnen – er hieß Kleopas – antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als Einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?  Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Tat und Wort vor Gott und dem ganzen Volk. Doch unsere Hohepriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen. Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist. Doch auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe. Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht. Da sagte er zu ihnen: Ihr Unverständigen, deren Herz zu träge ist, um alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. Musste nicht der Christus das erleiden und so in seine Herrlichkeit gelangen?  Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht. So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, aber sie drängten ihn und sagten: Bleibe bei uns; denn es wird Abend, der Tag hat sich schon geneigt! Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben. Und es geschah, als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach es und gab es ihnen. Da wurden ihre Augen aufgetan und sie erkannten ihn; und er entschwand ihren Blicken. Und sie sagten zueinander: Brannte nicht unser Herz in uns, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schriften eröffnete? Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die mit ihnen versammelt waren. Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen. Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach.

 

Vielleicht kennen Sie das Gefühl, am liebsten davonzulaufen zu wollen, nichts wie weg von hier. Wenn ja, dann können Sie bestimmt gut verstehen, wie es den beiden Jüngern aus dem heutigen Evangelium ergangen ist. Sie wollten weg von Jerusalem, diesem Ort der Gräueltaten, an dem vermutlich all ihre Hoffnungen, die sie auf Jesus gesetzt hatten, zerstört wurden. Aus dem Evangelium erfahren wir, dass sie zu zweit unterwegs waren nach Emmaus, zu dem Ort, wo vermutlich ihr ehemaliges Zuhause war. Sie kehren zurück in ihren Alltag. Sie reden miteinander über all das, was geschehen war und was sie bedrückt. Sie reden weiter, als ein Dritter sich ihnen anschließt. Er geht mit und interessiert sich für die Dinge, über die die beiden auf dem Weg miteinander reden. Der Fremde hört ihnen zu, stellt Fragen und gibt ihnen die Möglichkeit, selbst Antworten zu finden, indem er ihnen erzählt, was in der Schrift, ausgehend von Mose und den Propheten, geschrieben steht. Am Ende des langen Weges bitten die Jünger ihn zu bleiben. Der Fremde kehrt bei ihnen ein. Er setzt sich mit ihnen an den Tisch, teilt mit ihnen das Brot. Jetzt sehen die Jünger, was sie schon immer hätten verstehen sollen. Nachdem sie ihre Not ausgesprochen haben und verstanden wurden, sind sie fähig ihre Augen auf den Herrn zu richten. Ihnen ist klar geworden, was nun zu tun ist, was für sie ansteht, ohne dass der Fremde sie dazu auffordern müsste – er ist schon längst weg. Die Jünger stehen auf. Sie machen sich auf den Weg, auf ihren Weg.

So wünsche ich uns allen, dass wir auf unserem Weg immer jemanden haben, der uns in Erfahrungen von Leid und Tod, Enttäuschung und Angst beisteht. Ich wünsche uns allen, dass wir immer jemanden haben, der uns einfach zuhört, wenn es nötig ist. Ich wünsche uns allen, dass wir Gottes Spuren auf unserem Weg entdecken können.

 

 Gebet: Petra Focke

Unterwegs sein
Unterwegs sein wie die Emmausjünger und dem Auferstandenen begegnen.
Unterwegs sein und dem Gekreuzigten begegnen, der zugleich lebendig ist und mit den Menschen unterwegs.
Unterwegs sein und den Menschen begegnen, die zarten Andeutungen der Gegenwart unseres Gottes deuten, die uns Situationen unseres Lebens aufschließen, die unseren Weg begleiten und uns den Ort bereiten, wo uns die Augen des Glaubens aufgehen können.
Die mit uns gehen und Brot und Wein, Leben und Freude, mit uns teilen.
Die den Ruf Gottes hören und selber Berufene sind – für andere.
Unterwegs sein wie die Emmausjünger, mit brennenden Herzen, und spüren, er ist da!

 

Ihre Beate Kirfel

Markusevangelium 16,15-20

Dann sagte er zu ihnen: Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung! Wer glaubt und sich taufen lässt, wird gerettet; wer aber nicht glaubt, wird verurteilt werden. Und durch die, die zum Glauben gekommen sind, werden folgende Zeichen geschehen: In meinem Namen werden sie Dämonen austreiben; sie werden in neuen Sprachen reden; wenn sie Schlangen anfassen oder tödliches Gift trinken, wird es ihnen nicht schaden; und die Kranken, denen sie die Hände auflegen, werden gesund werden. Nachdem Jesus, der Herr, dies zu ihnen gesagt hatte, wurde er in den Himmel aufgenommen und setzte sich zur Rechten Gottes. Sie aber zogen aus und verkündeten überall. Der Herr stand ihnen bei und bekräftigte das Wort durch die Zeichen, die es begleiteten.

 

 „Geht hinaus in die ganze Welt und verkündet das Evangelium der ganzen Schöpfung!“ Dieser Auftrag gilt nicht nur den Aposteln oder den damaligen Menschen, sondern allen Nachfolgerinnen und Nachfolgern Jesu, also auch uns heute. Der Auftrag, das Evangelium in die ganze Welt zu tragen, muss immer wieder neu verwirklicht werden und zwar durch uns, an unserem Arbeitsplatz, in unserer Familie, unter unseren Freunden, auf der Straße. Einfach überall. Dabei geht es sicherlich nicht darum, lärmend und aufdringlich durch die Straßen zu ziehen. Vielmehr können wir Jesus durch unser Leben verkünden, können unser Leben immer mehr auf sein Wort hin ausrichten, uns von ihm prägen und begeistern lassen. Tun wir dies, werden die Menschen auf uns aufmerksam, sie werden etwas von der Begeisterung, die uns trägt, spüren und uns fragen, warum wir gerade so handeln und nicht anders, warum wir gerade für diese Überzeugung einstehen und nicht für eine andere. Mission durch unser Leben, Mission durch unsere Hingabe an den Herrn. Nicht lärmend, sondern liebend, nicht aggressiv, sondern durch einen offenen Blick für die Menschen.

 

Impuls

  • Können die Menschen in meinem Umfeld erkennen und spüren, dass ich für die Sache Jesus begeistert bin?
  • Wo lebe ich den Auftrag Jesu, an der Verkündigung des Evangeliums Jesu mitzuwirken?

 

Gebet: aus dem 14. Jahrhundert

Christus hat keine Hände, nur unsere Hände, um seine Arbeit heute zu tun. Er hat keine Füße, nur unsere Füße, um Menschen auf seinen Weg zu führen. Christus hat keine Lippen, nur unsere Lippen, um Menschen von ihm zu erzählen. Er hat keine Hilfe, nur unsere Hilfe, um Menschen an seine Seite zu bringen.

 

Ihre Beate Kirfel

 

Johannesevangelium 10,11-16

»Ich bin der gute Hirt. Ein guter Hirt ist bereit, für seine Schafe zu sterben. Einer, dem die Schafe nicht selbst gehören, ist kein richtiger Hirt. Darum lässt er sie im Stich, wenn er den Wolf kommen sieht, und läuft davon. Dann stürzt sich der Wolf auf die Schafe und jagt die Herde auseinander. Wer die Schafe nur gegen Lohn hütet, läuft davon; denn die Schafe sind ihm gleichgültig. Ich bin der gute Hirt. Ich kenne meine Schafe und sie kennen mich, so wie der Vater mich kennt und ich ihn kenne. Ich bin bereit, für sie zu sterben. Ich habe noch andere Schafe, die nicht zu diesem Schafstall gehören; auch die muss ich herbeibringen. Sie werden auf meine Stimme hören, und alle werden in einer Herde unter einem Hirten vereint sein.

 

Das heutige Evangelium spricht vom guten Hirten. Der Jesus des Johannesevangeliums sagt von sich selbst: „Ich bin der gute Hirte“.  Das Bild des Hirten, der seine Schafe weidet und hütet, ist schon im Alten Testament bekannt. Viele alttestamentliche Personen haben den Beruf des Schafhirten ausgeübt: Abraham, Isaak, Mose, David. Doch wurden sie auch im übertragenen Sinn als Hirten gesehen, die von Gott beauftragt waren, sein Volk zu führen. Im Bild des Hirten spielt stets auch der Gegensatz zwischen dem guten Hirten und dem bezahlten Hirten, deren Schafe sich zerstreuen und in die Irre gehen, eine Rolle. Oft haben die Hirten des Volkes Israel sich selbst geweidet und die Herde hat sich zerstreut, so musste das Volk Israel ins Exil gehen.  Deswegen hat Gott z.B. im Ezechielbuch einen neuen guten Hirten, einen neuen David verheißen: „Und ich werde einen Hirten über sie einsetzen, der wird sie weiden, meinen Knecht David, der wird sie weiden, und er wird ihr Hirte sein.“ (Ez 34,23-24) Dieser von Gott verheißene „Hirt der Schafe“ ist – so glauben wir Christen – in Jesus gekommen und gibt sich zu erkennen: Jesus als der verheißene Hirte, als der wahre Hirte kommt  – d.h. er ist der Erfüllung der alttestamentlichen Prophezeiung. Er ist der von Gott versprochene Knecht David. Und die Schafe hören seine Stimme. Jesus kennt die Seinen und ruft sie, jeden von ihnen mit dem eigenen Namen. Jesus ruft auch heute all diejenigen, die offen sind, ihn als Herr und Erlöser anzunehmen. Er ruft auch uns. Er führt uns heraus in die Freiheit des Evangeliums.

So wünsche ich uns allen, dass wir Jesu Stimme in unserem Leben wahrnehmen, erkennen und ihr folgen.

Impuls

  • Wie erkenne ich Gottes Stimme?
  • Bin ich bereit seine Stimme zu hören und ihr folgen?

Gebet:

Jesus, mein Bruder und Freund. Du willst mein Hirte sein. Du kennst mich beim Namen. Deine Stimme sollte ich erkennen, wenn du mich rufst. Aber wie schwer ist es, deine Stimme zu hören! In unserer Welt, in meinem Leben, in dem es nur so von Stimmen wimmelt:

  1. Stimmen, die mir erzählen, was gut für mich ist.
  2. Stimmen, die mir erzählen, was ich kaufen soll.
  3. Stimmen, die mir erzählen, wie ich mich verhalten soll.
  4. Stimmen, die mir erzählen, was ich in meinem Leben tun soll.
  5. Stimmen, die mir erzählen, wie ich leben soll.
  6. Stimmen, die mir erzählen, was sie alles für mich tun wollen.

Ihre Beate Kirfel

 

 

 

 

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Schließlich greift Gott ein. Die Hirten, denen er Herde anvertraut hatte, haben versagt. Nun tut er selbst, was nötig ist, damit sich ihr Leben entfalten kann. „Habt keine Angst“, sagt er, der eigentliche König Israels. Und die Herde weiß: Nun wird es gut. Der eigentliche Hirte sorgt gut für jede und jeden einzelnen, selbstlos und hingebungsvoll. Er gibt niemanden verloren. Er opfert sein eigenes Leben für die Herde.

In der bäuerlichen Welt der Bibel haben die Menschen das gleich verstanden, und als Jesus sich selbst „den guten Hirten“ nennt, da hören sie die Bildworte des Alten Testaments mit. Nach den Ereignissen um seinen Tod und seine Auferstehung sehen sie in ihm den wahren König Israels; das Gotteslamm (Jes 53 / Joh 1,26) wird selbst zum Guten Hirten. In der Urgemeinde setzte sich die Wirkungsgeschichte fort: Das „Hirtenamt“ war geboren, und ausgehend von Jesu Worten (auch dem zu Petrus, dem er nach Ostern aufträgt „Weide meine Schafe“) werden von da an auch die Hirtenworte auf die Kirche und ihre Verantwortlichen übertragen, die sich doch ursprünglich an den König richteten und die, die unter ihm zu leben hatten. Pfarrer wurden zu „pastores“ (= Hirten), die anderen Getauften dagegen „Schafe“, und

 

 

 

 

Apostelgeschichte 5, 27-33

Man führte sie herbei und stellte sie vor den Hohen Rat. Der Hohepriester verhörte sie und sagte: Wir haben euch streng verboten, in diesem Namen zu lehren; und siehe, ihr habt Jerusalem mit eurer Lehre erfüllt; ihr wollt das Blut dieses Menschen über uns bringen. Petrus und die Apostel antworteten: Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen. Der Gott unserer Väter hat Jesus auferweckt, den ihr ans Holz gehängt und ermordet habt. Ihn hat Gott als Anführer und Retter an seine rechte Seite erhoben, um Israel die Umkehr und Vergebung der Sünden zu schenken. Zeugen dieser Ereignisse sind wir und der Heilige Geist, den Gott allen verliehen hat, die ihm gehorchen. Als sie das hörten, gerieten sie in Zorn und beschlossen, sie zu töten.

Die Stelle aus der Apostelgeschichte erzählt vom Verhör des Petrus und der anderen Jünger vor dem Hohen Rat. Die Verse 27-29  geben Auskunft über das, was ihnen vorgeworfen wird: Sie sollen das Verbot, die Lehre Jesu zu verkünden, missachtet haben. Außerdem werden sie angeklagt, den Tod Jesu rächen zu wollen und damit den Hohen Rat in Gefahr zu bringen. Bei der Nennung der Vorwürfe wird von dem Hohen Rat der Namen „Jesus“ nicht genannt; er ist für die Mitglieder des Hohen Rats nur „dieser Mensch“. Petrus widerlegt die Vorwürfe nicht direkt, sondern er sagt klar, dass die Apostel mit ihrer Predigt den Willen Gottes erfüllen und Gottes Heilswirken fortsetzen. Ihre Botschaft ist die Ansage der Vergebung durch Gott und nicht Rache. In der Konsequenz bedeutet der Gehorsam gegenüber Gott und seinen Geboten Ungehorsam gegen das Verbot des Hohen Rates. Und der Gehorsam gegenüber Gott erfordert Mut. Da geht es darum, gegen den Strom zu schwimmen, Ablehnung auszuhalten und Auseinandersetzungen durchzustehen und zum Schluss eventuell das Leben zu verlieren. Zudem verkündet Petrus vor dem Hohen Rat die Auferweckung Jesu und die Rettung Israels. Ihm ist es wichtig zu betonen, dass das, was die Apostel verkünden, auf eigenem Zeugnis und der Gabe des Heiligen Geistes beruht. Seine Antwort ist ein Affront gegenüber dem Hohen Rat: Einfache, theologisch ungebildete Männer fordern sie, die frommen und theologisch Gebildeten, auf, ihre Lehre zu überdenken. Zudem reklamieren die Apostel für sich, dass der Geist Gottes bei ihnen und allen, die Gott mehr als den Menschen gehorchen, wirkt.

 

Impuls

  • Bin ich bereit, in meinem Leben Zeugnis für Jesus abzulegen, auch wenn ich Widerstand erfahre?
  • Wo und in welchen Situationen spüre ich den Geist Gottes, der mir Kraft gibt, für Gottes Botschaft einzutreten?

 

Gebet

Segne uns, Vater,
damit wir ein Segen sind und unsere Hoffnung auch im Alltag leben.
Segne uns, Vater, damit wir ein Segen sind und miteinander gr0ßherzig und friedvoll umgehen.
Segne uns, Vater, damit wir ein Segen sind und aufrichtig und bescheiden in diese Welt auftreten.
Segne uns, Vater, damit wir ein Segen sind und mutig unsere Verantwortung annehmen.
Amen

 

 

Johannesevangelium 3,16-21

Denn Gott hat die Welt so sehr geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab, damit jeder, der an ihn glaubt, nicht verloren geht, sondern ewiges Leben hat. Denn Gott hat seinen Sohn nicht in die Welt gesandt, damit er die Welt richtet, sondern damit die Welt durch ihn gerettet wird. Wer an ihn glaubt, wird nicht gerichtet; wer nicht glaubt, ist schon gerichtet, weil er nicht an den Namen des einzigen Sohnes Gottes geglaubt hat. Denn darin besteht das Gericht: Das Licht kam in die Welt, doch die Menschen liebten die Finsternis mehr als das Licht; denn ihre Taten waren böse. Jeder, der Böses tut, hasst das Licht und kommt nicht zum Licht, damit seine Taten nicht aufgedeckt werden. Wer aber die Wahrheit tut, kommt zum Licht, damit offenbar wird, dass seine Taten in Gott vollbracht sind.

Von Anfang an hat Gott versucht, uns Menschen zu zeigen, wie sehr er uns liebt. Zuerst hat er eine wunderbare Welt für uns erschaffen. Immer wieder hat er kleine und große Botschaften geschickt, um uns Menschen zu sagen, wie viel wir ihm bedeuten – durch die Propheten und Boten, die den Menschen Gottes Wort ausrichten sollten. Aber nicht immer haben die Menschen sich erfreut gezeigt und auf Gottes Liebes-Botschaften geantwortet. Deshalb hat Gott seinen Sohn Jesus auf die Erde geschickt. In ihm lebte Gott als Mensch unter uns Menschen und durch Jesus hat er uns gesagt und gezeigt, wie sehr er uns liebt. „So sehr hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen einzigen Sohn hingab“ – treffender lässt sich die Botschaft Gottes an uns Menschen nicht beschreiben. Weil Gott die Welt so liebt, haben wir die Sicherheit, dass Gott auch uns liebt und diese Liebe uns  rettet. Das ist der Sinn von Jesu Botschaft, die Verlorenen zu retten. Wer an ihn glaubt, wird nicht verurteilt  werden. Und wer nicht glaubt, der ist schon  verurteilt. Jeder/jede von uns kann entscheiden, ob er/sie das Kind des Lichtes oder das Kind der Finsternis sein möchte.

 

Impuls

  • Bin ich bereit, mich für Gottes Liebe zu öffnen und danach zu handeln?
  • Bin ich bereit, mich als Nachfolger/Nachfolgerin Jesu auch den Verlorenen zuzuwenden?

 

Gebet: (Lied – aus Troubadour für Gott – Frankfurt 1970 – leicht verändert)

Gottes Liebe ist wie die Sonne, sie ist immer und überall da.
Streck dich ihr entgegen, nimm sie in dich auf.
Sie kann dich verändern, macht das Leben neu.
Mag auch manche Wolke zwischen dir und Gottes Liebe stehn:
Gib die Liebe weiter, auch an den, der dich nicht lieben will.

 

Ihre Beate Kirfel

Apostelgeschichte 4,32-37

Die Menge derer, die gläubig geworden waren, war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam. Mit großer Kraft legten die Apostel Zeugnis ab von der Auferstehung Jesu, des Herrn, und reiche Gnade ruhte auf ihnen allen. Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt. Denn alle, die Grundstücke oder Häuser besaßen, verkauften ihren Besitz, brachten den Erlös und legten ihn den Aposteln zu Füßen. Jedem wurde davon so viel zugeteilt, wie er nötig hatte. Auch Josef, ein Levit, gebürtig aus Zypern, der von den Aposteln Barnabas, das heißt übersetzt: Sohn des Trostes, genannt wurde, verkaufte einen Acker, der ihm gehörte, brachte das Geld und legte es den Aposteln zu Füßen.

Die ganze Schar derer, die an Jesus glaubten, hielt fest zusammen; alle waren ein Herz und eine Seele, so sagt es der Text der Apostelgeschichte. Das ist eine beeindruckende Aussage. Doch ist damit gemeint, dass sich immer alle vertragen haben, dass es keinen Streit gab? „Ein Herz und eine Seele sein“ könnte man aber auch übersetzen: „eines Herzens und eines Sinnes sein“. Denn all diese Menschen hatten eines gemeinsam: sie hatten erst kürzlich erfahren, dass Jesus ihr ganzes Leben auf den Kopf gestellt hat, dass er ihrem Leben einen neuen Sinn und eine neue Richtung gegeben hat.

Und bei dieser Erfahrung werden alle anderen Themen nebensächlich – sei es Streit, Zwistigkeiten, Sorgen um den Alltag und auch die Dinge, die vorher so große Rollen im Alltag gespielt haben, wie z.B. Besitz und Macht. Auf einmal ist da ein neues Zentrum: Jesus. Und dieses neue Zentrum gibt das neue Ziel vor: Menschen für Jesus zu begeistern, das Leben für ihn zu leben. Und so kam es, dass die Christen wirklich ein Herz und eine Seele waren. Und das strahlte aus, das machte Menschen neugierig.

Am Ende erfahren wir noch beispielhaft den Namen eines Mannes, der seinen Acker zugunsten der Jerusalemer Gemeinde verkaufte: Josef genannt Barnabas, „Sohn des Trostes“. Er wird besonders erwähnt, weil er im weiteren Verlauf der Apostel­geschichte eine besondere Rolle gespielt hat. Barnabas gehörte zu den Gründungs­mitgliedern der Gemeinde in Antiochien und er holte später den Apostel Paulus dorthin. Barnabas war es auch, der Paulus auf seiner ersten Missions­reise in Kleinasien begleitete. Die beiden waren nicht immer der gleichen Meinung (Apg 15,36-41), aber letztlich waren sie doch „ein Herz und eine Seele“ –  denn beiden lag am Herzen, dass das Evangelium vom Tod und von der Auferstehung unseres Herrn verkündigt wird.

 

Impuls

  • Bin ich bereit, Jesus und seine Botschaft in die Mitte meines Lebens, meines Denkens und Handelns zu stellen?
  • Fühle ich mich in der Lage, die Begeisterung für Jesus auch meine Mitmenschen spüren zu lassen?

 

Gebet (Werner Schaube)

Menschen kommen zusammen
Jeder bringt was ein: Gedanken, Worte; Gaben;
So wird Gemeinde lebendig,
das kann Gemeinschaft sein.
Menschen gehen auseinander, jeder nimmt was mit:
Gedanken, Worte; Gaben;
So wird Gemeinde lebendig,
das kann Gemeinschaft sein.

 

Ihre Beate Kirfel

Johannesevangelium 3,1-8

Es war einer von den Pharisäern namens Nikodemus, ein führender Mann unter den Juden. Der suchte Jesus bei Nacht auf und sagte zu ihm: Rabbi, wir wissen, du bist ein Lehrer, von Gott gekommen; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, wenn nicht Gott mit ihm ist. Jesus antwortete ihm: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht von oben geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen. Nikodemus entgegnete ihm: Wie kann ein Mensch, der schon alt ist, geboren werden? Kann er etwa in den Schoß seiner Mutter zurückkehren und noch einmal geboren werden?  Jesus antwortete: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus dem Wasser und dem Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen. Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von oben geboren werden.  Der Wind weht, wo er will; du hörst sein Brausen, weißt aber nicht, woher er kommt und wohin er geht. So ist es mit jedem, der aus dem Geist geboren ist.

Es ist Nacht, als Nikodemus Jesus aufsucht. Er hat eine Frage:  Wer ist dieser Jesus?  Nikodemus ist ein Schriftgelehrter, ein Pharisäer, also einer von denen, die Jesus prüfen wollten, weil sie seine Lehre für Gotteslästerung hielten. Aber Nikodemus  spricht ihn mit „Rabbi“ an, also mit Lehrer. Er hat verstanden, dass Jesus auch ihm etwas zu sagen hat. „Niemand kann solche Wunder tun wie du, wenn Gott nicht mit ihm ist!“

So bekennt  Nikodemus  eine andere Meinung von Jesus als die Pharisäer. Das beweist seinen Mut. Und ebenso mutig ist es von ihm, zu Jesus zu gehen und das Gespräch mit ihm zu suchen. Aber mit den Worten, die Jesus ihm gesagt hat,  hat er Schwierigkeiten. „Ich sage dir: Wenn jemand nicht von oben geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.“ Das ist mit dem Verstand nicht zu greifen. Neu geboren werden, wie ein Kind, als Erwachsener.

Nikodemus versucht  die Worte Jesu zu begreifen und zu fassen. Und er scheitert zunächst. Hilflos versucht er, mit seinen Möglichkeiten zu begreifen, was Jesus meinen könnte. Er legt Jesus seine Gedanken vor,  aber Jesus  weist seine Gedanken als unzureichend zurück.

Damit ist Nikodemus ein Mensch wie einer von uns, die wir gelernt haben, der Verstand sei zu allem in der Lage, sich die Welt und das Leben zu erklären. Wie schwer ist es doch, göttliche Wirklichkeit zu begreifen. Es bleibt immer etwas im Verborgenen.

Manchmal können wir nicht verstehen, dass  der Glaube uns aber geschenkt wird, geschenkt durch den Heiligen Geist, und der weht wie der Wind, wo er will.  Und so  vergleicht Jesus Gottes erlösendes Wirken, das Wirken des Geistes Gottes, mit dem Wirken des Windes. Die Auswirkungen des Windes kann man sehen, den Wind selbst aber kann man nicht sehen. Ebenso wenig kann man den Wind steuern. Der Wind weht, wohin er will, und tut, was er will.  Genauso ist auch das Erlösungswerk des Geistes: Der Geist geht seinem Leben spendenden Werk nach und kein Mensch kann ihn steuern. Wenn der Geist aber die  neue Geburt von oben bewirkt, sind die Auswirkungen offensichtlich und wir erkennen, dass es sich um das Werk von Gottes Geist handelt.

Impuls

  • Mache ich mich auf den Weg das Wirken des Heiligen Geistes in meinem Leben zu entdecken?
  • Bin ich offen für das Wirken des Geistes in mir?

Gebet (Paul Weismantel)

Komm, Heiliger Geist sonst kommen wir nicht weiter in unserem Denken und Reden
Komm, Heiliger Geist sonst sind wir heillos und hoffnungslos überfordert
Komm, Heiliger Geist sonst verlieren wir den Blick für das Wesentliche
Komm, Heiliger Geist damit unser Leben neue Kreise zieht
Komm, Heiliger Geist damit wir uns von dir locken und leiten lassen
Komm, Heiliger Geist damit wir mutiger und geistlicher werden
Komm, Heiliger Geist damit wir deine Kirche sind und werden
Komm, Heiliger Geist damit wir unsere Berufung erkennen und ergreifen
Komm, Heiliger Geist damit wir deinen Trost und deinen Beistand erfahren
Komm, Heiliger Geist damit wir uns freuen an dem, was du in den Menschen wirkst.
Amen

 

Ihre Beate Kirfel

Bibelstelle zur Betrachtung

Als sie gegessen hatten, sagte Jesus zu Simon Petrus: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich mehr als diese? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Lämmer!

Zum zweiten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Er antwortete ihm: Ja, Herr, du weißt, dass ich dich liebe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!

Zum dritten Mal fragte er ihn: Simon, Sohn des Johannes, liebst du mich? Da wurde Petrus traurig, weil Jesus ihn zum dritten Mal gefragt hatte: Hast du mich lieb? Er gab ihm zu Antwort: Herr, du weißt alles; du weißt, dass ich dich lieb habe. Jesus sagte zu ihm: Weide meine Schafe!

Amen, amen, das sage ich dir: Als du noch jung warst, hast du dich selbst gegürtet und konntest gehen, wohin du wolltest. Wenn du aber alt geworden bist, wirst du deine Hände ausstrecken und ein anderer wird dich gürten und dich führen, wohin du nicht willst. Das sagte Jesus, um anzudeuten, durch welchen Tod er Gott verherrlichen würde. Nach diesen Worten sagte er zu ihm: Folge mir nach! (Joh 21,15-19)

 

Gedanken zur Betrachtung

Unser heutiges Evangelium ist die Fortsetzung des gestrigen und ein Ausdruck der göttlichen Barmherzigkeit. Daher passt es gut, zum Sonntag der Göttlichen Barmherzigkeit, den die Kirche heute feiert. Dieses Fest wurde vom Heiligen Papst Johannes Paul II. im Jahr 2000 eingeführt. Es geht zurück auf die Visionen der Heiligen Schwester Faustyna Kowalska aus Krakau. Über mehrere Jahre erschien ihr Jesus Christus und belehrte sie über die Bedeutung seiner Barmherzigkeit für die Rettung der Welt. Von Jesus erhielt sie den Auftrag, Künderin der Barmherzigkeit Gottes zu sein und ein Bild Jesu malen zu lassen, von dessen Heiligsten Herzen zwei Strahlen ausgehen. Das Bild des Barmherzigen Jesus trägt die Unterschrift: „Jesus, ich vertraue auf Dich“. Darüber hinaus wurde ihr aufgetragen, sich für die Einführung des „Sonntags der göttlichen Barmherzigkeit“ einzusetzen und den sogenannten Barmherzigkeitsrosenkranz zu verbreiten. Ihre Visionen und die Botschaften Jesu, hielt Sr. Faustyna in ihrem Tagebuch fest. Unteranderem sagt Jesus: „Die Menschheit wird solange weder Ruhe noch Frieden finden, bis sie sich vertrauensvoll an Meine Barmherzigkeit wendet.“
Was es bedeutet, sich auf die Barmherzigkeit Jesu einzulassen, sehen wir heute am Beispiel des Petrus. Wenige Stunden nach dem letzten Abendmahl am Gründonnerstag hatte Petrus Jesus dreimal verleugnet. Er schwor sogar: Ich kenne ihn nicht! Nun steht Petrus wieder bei Jesus und der Auferstandene fragt ihn dreimal: Liebst du mich? Er gibt damit Petrus die Möglichkeit, die dreimalige Verleugnung, durch das dreimalige Bekenntnis seiner Liebe auszulöschen. Ja, mehr noch. Jesus bekräftig jedes Mal die Berufung des Simon Petrus, als obersten Hirten seiner Kirche. Er verlangt nicht seinen Rücktritt, nach diesem katastrophalen Fehltritt, ja er stellt ihn nicht einmal zur Rede, sondern er nimmt ihn neu an.
Jesus sieht im Herzen des Petrus die Reue und die Liebe. Deswegen konnte Petrus später aus eigener Erfahrung schreiben: „Haltet fest an der Liebe; denn die Liebe deckt viele Sünden zu.“ (1 Petr. 4,8) Wer sich mit Vertrauen an die Barmherzigkeit Gottes wendet, die in Jesus Christus zu uns gekommen ist, der wird niemals zurückgewiesen, egal wie groß seine Schuld ist. Die Barmherzigkeit Gottes ist immer unendlich viel größer. Die Heilige Therese von Lisieux schreibt: „Hätte ich die Verbrechen der ganzen Welt begangen, behielt ich immer noch dasselbe Vertrauen, denn ich weiß gut, dass diese große Zahl von Vergehen ein Wassertropfen ist in einer Feuersglut.“

Einladung zum Nachdenken

Brauche ich die Barmherzigkeit Gottes?
Bin ich dankbar dafür, dass der allmächtige Gott mir voll Barmherzigkeit entgegenkommt?

 

Gebet des Barmherzigkeitsrosenkranz
Der Barmherzigkeitsrosenkranz wird mit einer gewöhnlichen Rosenkranzkette gebetet.

Auf den ersten drei Perlen betet man:
Vater unser, Ave Maria und das Glaubensbekenntnis

Bei jeder der 5 großen Perlen (im klassischen Rosenkr. die Vater unser-Perlen) betet man: Ewiger Vater, ich opfere Dir auf den Leib und das Blut, die Seele und die Gottheit Deines über alles geliebten Sohnes, unseres Herrn Jesus Christus, zur Sühne für unsere Sünden und für die Sünden der ganzen Welt.

Bei den 5×10 kleinen Perlen (im klassischen Rosenkr. die Ave Maria-Perlen) betet man:
Durch sein schmerzhaftes Leiden hab Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt.

Zum Abschluss des Barmherzigkeitsrosenkranz betet man:
Heiliger Gott, heiliger starker Gott, heiliger unsterblicher Gott, habe Erbarmen mit uns und mit der ganzen Welt (3x)

O Blut und Wasser, aus dem Herzen Jesu als Quelle der Barmherzigkeit für uns entströmt, Jesus, ich vertraue auf Dich!

 

Ihr Pfarrer Thomas Müller

 

Bibelstelle zur Betrachtung

Danach offenbarte sich Jesus den Jüngern noch einmal. Es war am See von Tiberias und er offenbarte sich in folgender Weise. Simon Petrus, Thomas, genannt Didymus (Zwilling), Natanaël aus Kana in Galiläa, die Söhne des Zebedäus und zwei andere von seinen Jüngern waren zusammen. Simon Petrus sagte zu ihnen: Ich gehe fischen. Sie sagten zu ihm: Wir kommen auch mit. Sie gingen hinaus und stiegen in das Boot. Aber in dieser Nacht fingen sie nichts.

Als es schon Morgen wurde, stand Jesus am Ufer. Doch die Jünger wussten nicht, dass es Jesus war. Jesus sagte zu ihnen: Meine Kinder, habt ihr nicht etwas zu essen? Sie antworteten ihm: Nein.

Er aber sagte zu ihnen: Werft das Netz auf der rechten Seite des Bootes aus und ihr werdet etwas fangen. Sie warfen das Netz aus und konnten es nicht wieder einholen, so voller Fische war es. Da sagte der Jünger, den Jesus liebte, zu Petrus: Es ist der Herr! Als Simon Petrus hörte, dass es der Herr sei, gürtete er sich das Obergewand um, weil er nackt war, und sprang in den See. Dann kamen die anderen Jünger mit dem Boot – sie waren nämlich nicht weit vom Land entfernt, nur etwa zweihundert Ellen – und zogen das Netz mit den Fischen hinter sich her. Als sie an Land gingen, sahen sie am Boden ein Kohlenfeuer und darauf Fisch und Brot. Jesus sagte zu ihnen: Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt. Da ging Simon Petrus und zog das Netz an Land. Es war mit hundertdreiundfünfzig großen Fischen gefüllt, und obwohl es so viele waren, zerriss das Netz nicht.
Jesus sagte zu ihnen: Kommt her und esst! Keiner von den Jüngern wagte ihn zu fragen: Wer bist du? Denn sie wussten, dass es der Herr war. Jesus trat heran, nahm das Brot und gab es ihnen, ebenso den Fisch. Dies war schon das dritte Mal, dass Jesus sich den Jüngern offenbarte, seit er von den Toten auferstanden war. (Joh 21,1-14)

 

Gedanken zur Betrachtung

Erneut begegnen die Jünger dem Auferstandenen Herrn. Dieses mal am See von Tiberias in Galiläa. Galiläa steht hier für Alltag, für das normale Leben im alltäglichen Kontext von Familie, Beruf und Freunden.
Die Apostel, von denen die meisten Fischer waren, sind nach Ostern in die Heimat zurückgekehrt. Petrus nimmt seine Tätigkeit wieder auf und trotzt aller Erfahrung und allem Geschick, bleibt sein Tun zunächst fruchtlos. Erst als der Unbekannte sie auffordert, die Netze auf der rechten Seite des Bootes auszuwerfen, da ist der Fang so groß, dass sie ihn nicht einholen können. Johannes ist es, der Lieblings Jünger, der, der am meisten den Herrn liebte und aus Liebe sogar unter dem Kreuz Jesu ausgehalten hat, der Jesus als erstes erkennt. Die Liebe erkennt die Liebe! Johannes hilft Simon Petrus, das Charisma der Liebe hilft, dem von Gott berufenen Amtsträger, den Herrn zu erkennen. Amt und Charisma in der Kirche brauchen einander notwendig, wie ein schneller Läufer die Augen und die Beine braucht, um sein Ziel zu erreichen. Es ist also nicht ein gegeneinander, sondern ein Miteinander.
Das Frühstück, das Jesus seinen Jüngern bereitet, erinnert wieder an die Eucharistie. Es schenkt Gemeinschaft mit dem Auferstandenen Herrn. Das „Kommt und esst!“ erinnert an das „nehmt und esst,..“ beim letzten Abendmahl, ebenso die Geste Jesu, er nahm das Brot und gab es ihnen.
Zuvor fordert Jesus Petrus auf: „Bringt von den Fischen, die ihr gerade gefangen habt.“ Petrus ist es, der allein das übervolle Netz an Land zieht. Die Liebe erkennt was Gott tut und das Amt in der Kirche bekommt von Gott die Kraft, mit Vollmacht zu handeln.
Obwohl Jesus seine Apostel und die ganze Kirche allein sättigen könnte, will er den Beitrag des Petrus, will er den Beitrag jedes einzelnen Getauften. Die Liebe macht nicht alles allein, sondern sie befähigt den Geliebten selber zu handeln und so zum Mitliebenden zu werden. Der Sohn Gottes hat die Welt erlöst, aber wir sind gerufen und verpflichtet, die Erlösung zu den Menschen zu bringen. Gott will seine Liebe durch uns in die Welt fließen lassen. Es gilt die geheimnisvolle Formel: Nichts ohne Dich, o Herr, nichts ohne uns!

 

Einladung zum Nachdenken

  1. Schenke Jesus heute deine Bereitschaft, dass seine Liebe durch dich zu den Menschen fließen kann. Bitte ihn, dass er durch Dich die Menschen an diesem Tag liebt.
  2. Bitte den Heiligen Geist, dass er Dich alles ausräumen, was dich hindert, ein Kanal der göttlichen Liebe zu sein.

 

Gebet

Heiliger Geist, sei bei mir, ergieße Dich mit Deiner Gnade in mein Herz. Lehre mich, was ich tun soll, zeige mir, was ich denken und sagen soll. Der Du die Wahrheit über alles liebst, lass nicht zu, dass ich durcheinanderbringe, was Du geordnet hast. Unwissenheit möge mich nicht irreleiten, Beifall mich nicht verführen, Bestechlichkeit und falsche Rücksichten mögen mich nicht verblenden. In Dir lass mich sein und lehre mich in allem den Willen des Vaters zu tun. Amen

 

Ihr Pfarrer Thomas Müller

 

 

 

Bibelstelle zur Betrachtung

Am gleichen Tag waren zwei von den Jüngern auf dem Weg in ein Dorf namens Emmaus, das sechzig Stadien von Jerusalem entfernt ist. Sie sprachen miteinander über all das, was sich ereignet hatte. Während sie redeten und ihre Gedanken austauschten, kam Jesus hinzu und ging mit ihnen. Doch sie waren wie mit Blindheit geschlagen, sodass sie ihn nicht erkannten. Er fragte sie: Was sind das für Dinge, über die ihr auf eurem Weg miteinander redet? Da blieben sie traurig stehen, und der eine von ihnen – er hieß Kleopas – antwortete ihm: Bist du so fremd in Jerusalem, dass du als einziger nicht weißt, was in diesen Tagen dort geschehen ist?

Er fragte sie: Was denn? Sie antworteten ihm: Das mit Jesus aus Nazaret. Er war ein Prophet, mächtig in Wort und Tat vor Gott und dem ganzen Volk. Doch unsere Hohenpriester und Führer haben ihn zum Tod verurteilen und ans Kreuz schlagen lassen. Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde. Und dazu ist heute schon der dritte Tag, seitdem das alles geschehen ist.

Aber nicht nur das: Auch einige Frauen aus unserem Kreis haben uns in große Aufregung versetzt. Sie waren in der Frühe beim Grab, fanden aber seinen Leichnam nicht. Als sie zurückkamen, erzählten sie, es seien ihnen Engel erschienen und hätten gesagt, er lebe. Einige von uns gingen dann zum Grab und fanden alles so, wie die Frauen gesagt hatten; ihn selbst aber sahen sie nicht. Da sagte er zu ihnen: Begreift ihr denn nicht? Wie schwer fällt es euch, alles zu glauben, was die Propheten gesagt haben. Musste nicht der Messias all das erleiden, um so in seine Herrlichkeit zu gelangen? Und er legte ihnen dar, ausgehend von Mose und allen Propheten, was in der gesamten Schrift über ihn geschrieben steht. So erreichten sie das Dorf, zu dem sie unterwegs waren. Jesus tat, als wolle er weitergehen, aber sie drängten ihn und sagten: Bleib doch bei uns; denn es wird bald Abend, der Tag hat sich schon geneigt. Da ging er mit hinein, um bei ihnen zu bleiben. Und als er mit ihnen bei Tisch war, nahm er das Brot, sprach den Lobpreis, brach das Brot und gab es ihnen.

Da gingen ihnen die Augen auf und sie erkannten ihn; dann sahen sie ihn nicht mehr. Und sie sagten zueinander: Brannte uns nicht das Herz in der Brust, als er unterwegs mit uns redete und uns den Sinn der Schrift erschloss? Noch in derselben Stunde brachen sie auf und kehrten nach Jerusalem zurück und sie fanden die Elf und die anderen Jünger versammelt. Diese sagten: Der Herr ist wirklich auferstanden und ist dem Simon erschienen. Da erzählten auch sie, was sie unterwegs erlebt und wie sie ihn erkannt hatten, als er das Brot brach. (Lk 24, 12-35)

 

Gedanken zur Betrachtung

Was für ein köstliches Oster-Evangelium. Der Auferstandene Herr hat nicht nur Geduld und Erbarmen mit seinen Jüngern, sondern auch ganz viel Humor. Er ist mit den beiden Emmaus-Jüngern auf dem Weg. Für sie war die Episode mit Jesus beendet. Sie hatten der Ur-Gemeinde den Rücken gekehrt und waren tief enttäuscht auf dem Weg nachhause. Die beiden verraten dem unbekannten Begleiter auch den Grund ihrer Enttäuschung, der zugleich auch der Grund ihrer geistigen „Blindheit“ ist: „Wir aber hatten gehofft, dass er der sei, der Israel erlösen werde.“
Ihre Hoffnungen und Wünsche hatte dieser Jesus nicht erfüllt. Er war nicht der politische Messias, der die Römer aus dem Land vertreibt. Er war nicht der neue König David, der Israel zu neuer Blüte führt. Ihre menschlichen Hoffnungen und Wünsche, auf die sie sich festgelegt hatten, machten sie blind, für das Große, das Gott vor ihren Augen tat.
Ja, Jesus brachte die Erlösung, aber viel umfassender und auf einem ganz anderen Weg, als die beiden es sich vorgestellt hatten. Ihre Vorstellungen musste Gott enttäuschen. Im wahrsten Sinn des Wortes. Ent-Täuschung, Jesus befreite die beiden von einer großen Täuschung, damit sie zur Wirklichkeit, zu dem was Gott getan hat gelangen konnten.
In diesem Sinn war die Begegnung mit Christus eine Enttäuschung und zugleich die Erkenntnis der Wirklichkeit die von Gott kommt und somit Heil und Freude schafft. Ich habe den Eindruck, dass in unserer Zeit viele Menschen, auch getaufte Katholiken, in einer selbstgemachten Täuschung leben, weil sie entweder mit dem Wirken Gottes nicht rechnen und ihm nicht wirklich etwas zutrauen oder weil sie nicht den Willen Gottes suchen, sondern bemüht sind ihre eigenen Wünschen und Vorstellungen durchzusetzen. Vielleicht gibt es deswegen soviel Enttäuschung in der Kirche in unserem Land…
Aber Jesus ist mit seinen enttäuschten Jüngern unterwegs. Er kommt zu ihnen, sie bekennen ihm ihre Traurigkeit und ihre Täuschungen, Jesus legt das Wort Gottes aus und bricht ihnen das Brot. Kennen wir das nicht irgendwoher? Ja genau! In jeder hl. Messe geschieht dies. Wenn die Gemeinde zur Feier der hl. Messe zusammenkommt, ist Jesus in unserer Mitte. Wir bekennen unsere Sünden, all das wo wir uns in der Wahrheit oder Liebe getäuscht haben. Wir hören das Wort der hl. Schrift und seine Auslegung, die uns den Willen Gottes erkennen lässt. In der Eucharistiefeier bricht der Auferstandene selbst uns das Brot und wird zu unserer Speise. Am Ende der hl. Messe werden wir ausgesandt. „Ite missa est“ (Gehet hin in Frieden!) wörtlich: „Geht, ihr seid gesendet!“ Wir werden gesendet, um wie die Emmaus Jünger, die frohe Botschaft, der Auferstehung Jesu zu den Menschen zu tragen.

 

Einladung zum Nachdenken

  1. Gibt es vielleicht auch in Deinem Leben Hoffnungen und Wünsche, die Gott enttäuschen muss? Bete heute mit Offenheit zum Heiligen Geist, und bitte Ihn, dass er Dich erkennen lässt, was dem Willen Gottes in Deinem Leben dient und welche Wünsche Du besser aufgeben solltest 😊
    2. Wie könntest Du heute dieser Sendung nach kommen?
    Versuch doch mal mit einem Menschen über die Auferstehung Jesu ins Gespräch zu kommen?
    (Bete zum Heiligen Geist, dass er Dir die rechten Worte schenkt und bitte Ihn, dass er Dir die richtige Person zeigt, deren Herz dafür offen ist.)

 

Gebet

Heiliger Geist, sei bei mir, ergieße Dich mit Deiner Gnade in mein Herz. Lehre mich, was ich tun soll, zeige mir, was ich denken und sagen soll. Der Du die Wahrheit über alles liebst, lass nicht zu, dass ich durcheinanderbringe, was Du geordnet hast. Unwissenheit möge mich nicht irreleiten, Beifall mich nicht verführen, Bestechlichkeit und falsche Rücksichten mögen mich nicht verblenden. In Dir lass mich sein und lehre mich in allem den Willen des Vaters zu tun. Amen

 

Ihr Pfarrer Thomas Müller

 

 

Bibelstelle zur Betrachtung

Euer Herz lasse sich nicht verwirren. Glaubt an Gott, und glaubt an mich! Im Haus meines Vaters gibt es viele Wohnungen. Wenn es nicht so wäre, hätte ich euch dann gesagt: Ich gehe, um einen Platz für euch vorzubereiten? Wenn ich gegangen bin und einen Platz für euch vorbereitet habe, komme ich wieder und werde euch zu mir holen, damit auch ihr dort seid, wo ich bin. Und wohin ich gehe – den Weg dorthin kennt ihr.

Thomas sagte zu ihm: Herr, wir wissen nicht, wohin die gehst. Wie sollen wir dann den Weg kennen?

Jesus sagte zu ihm: Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben; niemand kommt zum Vater außer durch mich. Wenn ihr mich erkannt habt, werdet ihr auch meinen Vater erkennen. Schon jetzt kennt ihr ihn und habt ihn gesehen.

Philippus sagte zu ihm: Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.

Jesus antwortete ihm: Schon so lange bin ich bei euch, und du hast mich nicht erkannt, Philippus? Wer mich gesehen hat, hat den Vater gesehen. Wie kannst du sagen: Zeig uns den Vater? Glaubst du nicht, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist? Die Worte, die ich zu euch sage, habe ich nicht aus mir selbst. Der Vater, der in mir bleibt, vollbringt seine Werke.

Glaubt mir doch, dass ich im Vater bin und dass der Vater in mir ist; wenn nicht, glaubt wenigstens aufgrund der Werke! Amen, amen, ich sage euch: Wer an mich glaubt, wird die Werke, die ich vollbringe, auch vollbringen, und er wird noch größere vollbringen, denn ich gehe zum Vater. Alles, um was ihr in meinem Namen bittet, werde ich tun, damit der Vater im Sohn verherrlicht wird. Wenn ihr mich um etwas in meinem Namen bittet, werde ich es tun. (Joh. 14, 1-14)

 

Gedanken zur Betrachtung

Diese Bibelstelle ist den so genannten Abschiedsreden Jesu, am Abend des Gründonnerstags, entnommen. Jesus ist mit den Aposteln zusammen, die zutiefst betrübt sind. Ihre Hoffnungen nach einem weltlichen Reich mit guten Posten sind in weite Ferne gerückt und sie ahnen wohl schon die Katastrophe, die in den nächsten Stunden über sie hereinbrechen wird. Jesus möchte sie trösten, er weist die Apostel darauf hin, dass er ihnen zum Vater vorausgeht und sie zu sich holen wird, in sein Reich, das nicht von dieser Welt ist.

Obwohl die Apostel drei Jahre lang mit Jesus zusammen waren, seine großen Wunder gesehen, seine Predigten gehört und seine Liebe gefühlt haben, wird im Gespräch deutlich, dass sie das Entscheidende nicht begriffen haben. Die Bitte des Philippus: „Herr, zeig uns den Vater; das genügt uns.“, und die Antwort Jesu lassen deutlich werden, dass sie vor Ostern nicht begriffen hatten, dass Jesus wahrer Gott und wahrer Mensch ist und auch noch bei der Erscheinung des Auferstandenen fiel es ihnen schwer, das zu glauben. Erst der „Zweifler“ Thomas bringt es, im Evangelium vom kommenden Sonntag, auf den Punkt. Als er Jesus sieht, legt er das kürzeste Glaubensbekenntnis ab: „Mein Herr und mein Gott!“ (Joh 20,28) Von großer Bedeutung ist das Wörtchen „mein“, denn darin kommt zum Ausdruck, dass Thomas diese Realität, dass Jesus in einer Person Gott und Mensch ist, nicht nur vom Kopf her verstanden hat, sondern diese Erkenntnis bis in sein Herz vorgedrungen ist und seine ganze Existenz von Grund auf erneuert hat. Durch diese Begegnung wurde der Apostel Thomas ein neuer Mensch.

Hier nun solltest du dich ehrlich fragen: Wo stehe ich?

Geht es mir wie dem Philippus, dass ich Jesus gernhabe und auch hoffe, irgendwie durch ihn den Weg zu Gott zu finden, oder bin ich schon dort angelangt, wo Thomas eine Woche nach Ostern war? Kannst du aus tiefstem Herzen Jesus als deinen Herrn und Gott bekennen? Und hat dieses Bekenntnis bestimmenden Einfluss auf dein Leben?

Für den Augenblick ist es nicht entscheidend, wo du jetzt stehst, sondern, dass du es ehrlich erkennst und im Gebet vor Gott aussprichst, denn nur dann kann Er dich an den Punkt deines Lebens führen, wo du mit großer Freude bekennen wirst: Jesus Christus, du bist mein Herr und mein Gott und ich überlasse dir das Steuer meines Lebens!

 

Gebet

Gott, du hast deinem Volk durch das Bekenntnis des Glaubens und den Empfang der Taufe neues Leben geschenkt.

Nimm die Hingabe deiner Gläubigen gnädig an und lass uns in dir Seligkeit und ewiges Leben finden. Darum bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn.

 

Ihr Pfarrer Thomas Müller

 

 

Bibelstelle zur Betrachtung

Da trat Jesus selbst in ihre Mitte und sagte zu ihnen: Friede sei mit euch! Sie erschraken und hatten große Angst, denn sie meinten, einen Geist zu sehen.

Da sagte er zu ihnen: Was seid ihr so bestürzt? Warum lasst ihr in eurem Herzen solche Zweifel aufkommen? Seht meine Hände und meine Füße an: Ich bin es selbst. Fasst mich doch an, und begreift: Kein Geist hat Fleisch und Knochen, wie ihr es bei mir seht. Bei diesen Worten zeigte er ihnen seine Hände und Füße.

Sie staunten, konnten es aber vor Freude immer noch nicht glauben. Da sagte er zu ihnen: Habt ihr etwas zu essen hier? Sie gaben ihm ein Stück gebratenen Fisch; er nahm es und aß es vor ihren Augen.
Dann sprach er zu ihnen: Das sind die Worte, die ich zu euch gesagt habe, als ich noch bei euch war: Alles muss in Erfüllung gehen, was im Gesetz des Mose, bei den Propheten und in den Psalmen über mich gesagt ist. Darauf öffnete er ihnen die Augen für das Verständnis der Schrift.

Er sagte zu ihnen: So steht es in der Schrift: Der Messias wird leiden und am dritten Tag von den Toten auferstehen, und in seinem Namen wird man allen Völkern, angefangen in Jerusalem, verkünden, sie sollen umkehren, damit ihre Sünden vergeben werden. (Lk 24, 36-47)

 

Gedanken zur Betrachtung

Wie schwer fällt es den Aposteln, zu glauben, dass Jesus leibhaftig auferstanden ist. Wir sehen, wie sehr sich Jesus bemühen muss, seine Apostel von dieser Tatsache zu überzeugen. Aber mit Geduld und viel Liebe zeigt er ihnen auf unterschiedlichen Ebenen, dass er lebt und dass alles genau so kommen musste, wie es gekommen ist und dass alles in den Büchern des Alten Testamentes bereits angekündigt ist.

Trotz ihrer Glaubensschwäche und ihres Versagens an Karfreitag (bis auf Johannes waren alle Apostel geflohen), beauftragt sie Jesus mit dem Dienst der Verkündigung und der Sündenvergebung. Dies kann für uns sehr tröstlich sein, denn Jesus erwartet auch von uns keine Perfektion, sondern unsere Liebe und unser Vertrauen.

Im Johannesevangelium wird diese Beauftragung bei der Begegnung Jesu mit seinen Aposteln, am Abend des Ostertages, wie folgt beschrieben: „Jesus hauchte sie an und sprach zu ihnen: Empfangt den Heiligen Geist! Wem ihr die Sünden vergebt, dem sind sie vergeben; wem ihr die Vergebung verweigert, dem ist sie verweigert.“ (Joh 20, 22b-23). Der Größe dieses Auftrages werden wir uns bewusst, wenn wir uns erinnern, was die Pharisäer sagten, als Jesus einen Gelähmten heilte und zuvor zu ihm sagte: „Deine Sünden sind dir vergeben!“ Die Antwort der Pharisäer war: „Wie kann dieser Mensch so reden? Er lästert Gott. Wer kann Sünden vergeben außer dem einen Gott?“ (Mk 2,7). Mit dem zweiten Teil ihrer Aussage hatten sie absolut Recht. Nur Gott kann Sünden vergeben und Jesus als Sohn Gottes hatte diese Vollmacht und er hat sie seinen Aposteln übertragen. Diese üben sie insbesondere im Sakrament der Taufe aus. Durch die Taufe werden, nicht nur wie in der Beichte, alle persönlich begangenen Sünden vergeben, sondern der Mensch wird aus dem Netz der Verstrickung in das Böse herausgerissen. Theologisch nennt man das die Befreiung von der Erbsünde. Du bist durch deine Taufe herausgerissen aus dem Machtbereich der Sünde und des Todes und hinein genommen in das Leben des gekreuzigten und auferstandenen Herrn. Die Taufe ist endgültige Befreiung zu neuem Leben, welches dir Jesus Christus schenkt. Da Gott treu ist, nimmt er dieses Geschenk nie wieder zurück. Daher ist die Taufe auch nicht wiederholbar, sie prägt der Seele ein unauslöschliches Siegel ein. Obwohl sie eine dauerhafte Besiegelung ist, bleibt deine Freiheit erhalten. In dieser Freiheit musst du dich täglich neu entscheiden Jesus nachzufolgen und als Kind Gottes zu leben.

 

Einladung zum Nachdenken

Wie gehe ich damit um, wenn ich schuldig werde?
Habe ich die befreiende Dimension der Auferstehung in meinem Leben erfahren?
Habe ich sie angenommen?
Hat das Sakrament der Versöhnung, die heilige Beichte, einen Platz in meinem Leben?

 

Gebet

Allmächtiger Gott, du hast dein Volk durch die österlichen Geheimnisse befreit und gestärkt.
Bleibe bei uns mit deiner Gnade und führe uns zur vollkommenen Freiheit,
damit der Osterjubel, der uns heute erfüllt, sich in der Freude des Himmels vollendet.
Darum bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn.

 

Ihr Pfarrer Thomas Müller

 

 

Bibelstelle zur Betrachtung

Als der Sabbat vorüber war, kauften Maria aus Magdala, Maria, die Mutter des Jakobus, und Salome wohlriechende Öle, um damit zum Grab zu gehen und Jesus zu salben. Am ersten Tag der Woche kamen sie in aller Frühe zum Grab, als eben die Sonne aufging.

Sie sagten zueinander: Wer könnte uns den Stein vom Eingang des Grabes wegwälzen? Doch als sie hinblickten, sahen sie, dass der Stein schon weggewälzt war; er war sehr groß. Sie gingen in das Grab hinein und sahen auf der rechten Seite einen jungen Mann sitzen, der mit einem weißen Gewand bekleidet war; da erschraken sie sehr.

Er aber sagte zu ihnen: Erschreckt nicht! Ihr sucht Jesus von Nazaret, den Gekreuzigten. Er ist auferstanden; er ist nicht hier. Seht, da ist die Stelle, wo man ihn hingelegt hatte.

Nun aber geht und sagt seinen Jüngern, vor allem Petrus: Er geht euch voraus nach Galiläa; dort werdet ihr ihn sehen, wie er es euch gesagt hat. (Mk 16, 1-7)

 

Gedanken zur Betrachtung

 

Um die ungeheure Dramatik des Ostermorgens, welche hier vom Evangelisten Markus in wenigen Sätzen skizziert wird, ein wenig nachvollziehen zu können, kann es hilfreich sein, sich gedanklich in die drei Frauen hineinzuversetzen, oder, quasi als vierte Person, mit ihnen zum Grab zu gehen.

Welche Absicht hatten die Frauen?

Sie wollten dem Leichnam Jesu einen letzten Dienst erweisen, entsprechend der jüdischen Begräbnissitten.

Welche Erwartungen hatten die Frauen?

Sie erwarteten einen Leichnam, der vielleicht schon ein wenig zu riechen anfing, in einem in den Felsen gehauenen Höhlengrab. Dieses Grab war mit einem schweren Stein verschlossen und sie überlegten noch, wie sie diesen Stein vom Eingang entfernen könnten.

Aber dann passiert etwas, dass alle ihre Erwartungen sprengte.

Das Grab war offen!

Das Grab war leer!

Und ein Engel in der Gestalt eines jungen Mannes erklärt ihnen, dass Jesus von Nazareth auferstanden ist!

Das war mehr als eine Überraschung, das war ein echter Schock!

Das Gefühl der Trauer, das eben noch vorherrschte, wird von einer Mischung aus Erschrecken, Freude, Unglaube, Hoffnung und Verwunderung überflutet.

Aber es bleibt ihnen wenig Zeit zum Nachdenken, zum Fragen und um die Gefühle zu ordnen, denn es folgt der Auftrag des Engels an die Frauen, es seinen Apostel zu sagen. Neue Fragen kommen hoch:

Wie werden die Apostel reagieren?

Werden sie sich freuen, oder werden sie uns für bekloppt halten? Aus der Heiligen Schrift wissen wir, dass die Apostel den Frauen nicht glaubten, dass sie erst den Auferstandene Herrn selbst sehen mussten.

 

Einladung zum Nachdenken

Wie geht es mir, wenn ich in dieser Woche mit der ganzen Kirche Ostern feiere?

 

Gebet

Allmächtiger, ewiger Gott, du hast durch deinen Sohn den Tod besiegt und uns den Zugang zum ewigen Leben erschlossen. Darum begehen wir in Freude das Fest seiner Auferstehung.

Schaffe uns neu durch deinen Geist, damit auch wir auferstehen und im Licht des Lebens wandeln. Darum bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn.

 

Ihr Pfarrer Thomas Müller

Aus dem Johannesevangelium

Am ersten Tag der Woche kam Maria von Magdala frühmorgens, als es noch dunkel war, zum Grab und sah, dass der Stein vom Grab weggenommen war.

Da lief sie schnell zu Simon Petrus und dem anderen Jünger, den Jesus liebte,

und sagte zu ihnen: Sie haben den Herrn aus dem Grab weggenommen

und wir wissen nicht, wohin sie ihn gelegt haben.

Da gingen Petrus und der andere Jünger hinaus und kamen zum Grab; sie liefen beide zusammen, aber weil der andere Jünger schneller war als Petrus, kam er als Erster ans Grab. Er beugte sich vor und sah die Leinenbinden liegen, ging jedoch nicht hinein.

Da kam auch Simon Petrus, der ihm gefolgt war, und ging in das Grab hinein.

Er sah die Leinenbinden liegen und das Schweißtuch, das auf dem Haupt Jesu gelegen hatte; es lag aber nicht bei den Leinenbinden, sondern zusammengebunden daneben an einer besonderen Stelle.

Da ging auch der andere Jünger, der als Erster an das Grab gekommen war, hinein; er sah und glaubte. Denn sie hatten noch nicht die Schrift verstanden,    dass er von den Toten auferstehen müsse.

 

Liebe Brüder und Schwestern, CHRISTUS IST AUFERSTANDEN: HALLELUJA! Wir wünschen Ihnen von Herzen ein frohes und gesegnetes Osterfest. Feiern Sie heute kräftig! Stimmen Sie ein in den Gesang des Lebens, singen Sie allein oder mit anderen das Halleluja oder ein Osterlied, lassen Sie heute eine Kerze brennen, lassen Sie es sich gut gehen! Schauen Sie in die blühende und grünende Schöpfung. Noch viel herrlicher und prächtiger ist die neue Schöpfung, die mit der Auferstehung Christi anhebt. Denken Sie an das, was das Volk Israel mit seinem Gott an Befreiendem erlebt hat, an das, was Ihnen in Ihrem Leben an Schönem und Lebensvollem geschenkt wurde: all dies ist ein Zeichen und Vorausbild, eine Verheißung für das viel Größere, das mit Ostern zu uns kommt.

Seit der Taufe tragen wir das neue Leben schon in uns. Lassen wir nicht zu, dass uns die alten Mächte der Angst und des Todes überwältigen. Wenn wir mit dem Auferstandenen leben, haben wir eine herrliche Zukunft vor uns. Er liebt uns und jemanden lieben, heißt, ihm sagen: „Ich will nicht, dass Du stirbst!“

Ihr Pastor O. Dregger 

 

 

Salve, festa dies

(ein alter Hymnus, der zuerst in der Stiftskirche St. Aposteln in Köln aufgezeichnet wurde)

 

Sei gegrüßt, du festlicher Tag, dem ganzen Erdkreis willkommen, da Gott die Hölle besiegte und emporstieg zur Höhe. Siehe, er kündet uns Gnade für die wiedergeborene Menschheit.

Nach Angst und Todesqualen triumphiert Christus, der Herr. Ihm huldigen der grünende Hain und die sprossenden Blüten

Vernichtet wurde der Hölle Gesetz, so loben froh ihren Gott das Licht und der Himmel, die Fluren und das Meer.

Der ans Kreuz geschlagen war, siehe, nun herrscht er über das All; und zu seinem Schöpfer ruft alles, was geschaffen, empor.

Festlicher Tag, du bist der Adel des Jahres, die Zier der Monde und Tage, der Glanz der Stunden, der die steinigen Augenblicke erquickt.

Dich bitten wir, allmächtiger Gott: schenke uns, dass wir durch die Feier des Osterfestes von neuem nach dem Leben mit dem Auferstandenen uns sehnen und nach dem Quell des Lebens dürsten, Christus, unserem Herrn. Amen. Halleluja!

Aus dem Johannesevangelium

Josef aus Arimathäa war ein Jünger Jesu, aber aus Furcht vor den Juden nur im Verborgenen. Er bat Pilatus, den Leichnam Jesu abnehmen zu dürfen, und Pilatus erlaubte es. Also kam er und nahm den Leichnam ab. Es kam auch Nikodemus, der früher einmal Jesus bei Nacht aufgesucht hatte. Er brachte eine Mischung aus Myrrhe und Aloe, etwa hundert Pfund. Sie nahmen den Leichnam Jesu und umwickelten ihn mit Leinenbinden, zusammen mit den wohlriechenden Salben, wie es beim jüdischen Begräbnis Sitte ist. An dem Ort, wo man ihn gekreuzigt hatte, war ein Garten und in dem Garten war ein neues Grab, in dem noch niemand bestattet worden war. Wegen des Rüsttages der Juden und weil das Grab in der Nähe lag, setzten sie Jesus dort bei.

 

Impuls

Der Karsamstag ist der Tag der Grabesruhe des Herrn, ein stiller Tag ohne eigene liturgische Feier. Christi Tod war kein Scheintod; er ist wirklich gestorben, um selbst dort noch hinzugelangen, wo die scheinbar ewig Verlorenen sind: die Toten der Jahrtausende. Wenn in Wittlaer im Anschluss an die Karfreitagsliturgie das Kreuz auf den Friedhof getragen und die Gräber gesegnet werden, ist dies ein Zeichen dafür: Selbst das Reich der Toten ist kein gottferner Bereich mehr. Der auf das Kreuz stieg, steigt auch in die Unterwelt hinab.

Der auf den Todestag Jesu folgende Tag war ein Sabbat und zudem ein großer Feiertag. Den Sabbat begingen die Juden im Gedenken an die Ruhe Gottes am Ende des Schöpfungswerkes. Christus ist Herr über den Sabbat: er überschreitet die alte Schöpfung, in der jedes Leben am Ende dem Tod geweiht ist. Er geht voran in das neue, unzerstörbare Leben.

  • Beten Sie heute für Ihre Verstorbenen.
  • Lassen Sie Ihre Sehnsucht wach werden nach einem Leben, das Leid und Endlichkeit nicht mehr kennt.

 

Herzliche Einladung zur Beichte heute von 16-18 Uhr in der Basilika und zur hl. Messe am Ostersonntag um 11 Uhr via Livestream hier auf unserer Website. 

 

Tagesgebet

Allmächtiger, ewiger Gott, dein eingeborener Sohn ist in das Reich des Todes hinabgestiegen und von den Toten glorreich auferstanden. Gib, dass deine Gläubigen, die durch die Taufe mit ihm begraben wurden, durch seine Auferstehung zum ewigen Leben gelangen. Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

 

Ihr Pastor O. Dregger

Lesung aus dem Buch Jesaja

Siehe, mein Knecht wird Erfolg haben, er wird sich erheben und erhaben und sehr hoch sein. Wie sich viele über dich entsetzt haben – so entstellt sah er aus, nicht mehr wie ein Mensch, seine Gestalt war nicht mehr die eines Menschen -, so wird er viele Nationen entsühnen, Könige schließen vor ihm ihren Mund.

Denn was man ihnen noch nie erzählt hat, das sehen sie nun; was sie niemals hörten, das erfahren sie jetzt.

Wer hat geglaubt, was wir gehört haben? Der Arm des HERRN – wem wurde er offenbar? Vor seinen Augen wuchs er auf wie ein junger Spross, wie ein Wurzeltrieb aus trockenem Boden. Er hatte keine schöne und edle Gestalt,    sodass wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, dass wir Gefallen fanden an ihm. Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, ein Mann voller Schmerzen, mit Krankheit vertraut.

Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, war er verachtet; wir schätzten ihn nicht. Aber er hat unsere Krankheit getragen und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, von ihm getroffen und gebeugt. Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Vergehen, wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Züchtigung auf ihm, durch seine Wunden sind wir geheilt.

Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, jeder ging für sich seinen Weg. Doch der HERR ließ auf ihn treffen die Schuld von uns allen. Er wurde bedrängt und misshandelt, aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, und wie ein Schaf vor seinen Scherern verstummt, so tat auch er seinen Mund nicht auf.

Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft, doch wen kümmerte sein Geschick? Er wurde vom Land der Lebenden abgeschnitten und wegen der Vergehen meines Volkes zu Tode getroffen. Bei den Frevlern gab man ihm sein Grab und bei den Reichen seine Ruhestätte, obwohl er kein Unrecht getan hat   und kein trügerisches Wort in seinem Mund war.

Doch der HERR hat Gefallen an dem von Krankheit Zermalmten. Wenn du, Gott, sein Leben als Schuldopfer einsetzt, wird er Nachkommen sehen und lange leben. Was dem HERRN gefällt, wird durch seine Hand gelingen. Nachdem er vieles ertrug, erblickt er das Licht. Er sättigt sich an Erkenntnis. Mein Knecht, der gerechte, macht die Vielen gerecht; er lädt ihre Schuld auf sich.

Deshalb gebe ich ihm Anteil unter den Großen und mit Mächtigen teilt er die Beute, weil er sein Leben dem Tod preisgab und sich unter die Abtrünnigen rechnen ließ. Er hob die Sünden der Vielen auf und trat für die Abtrünnigen ein.

 

Impuls

Wie kann man die Welt verändern? Wie kann man sie wirklich verändern und das Böse aus der Welt schaffen?

Nun, wir alle haben in unserem Leben Strategien, wie wir unser Umfeld positiv zu beeinflussen versuchen. Wir achten auf das Einhalten von Regeln, wir bringen unsere Macht, unser Können und Wissen in Anwendung, wir greifen ein, handeln und machen. Und das, was sich im Kleinen und zuträgt, kann man auch im Großen beobachten. Durch Gesetze versucht man, die Menschen in Ordnung zu halten; wenn dies nicht gelingt, müssen Maßnahmen ergriffen werden, evtl. bis zum Krieg.

Die Gottesknechtslieder beim Propheten Jesaja, von denen heute eines in der Liturgie gelesen wird (s.o.) künden an, dass Gott den Menschen ganz unerwartet anders und durchgreifend verwandeln will, nicht durch Macht und Gewalt, ja noch nicht einmal durch Gesetze und Gebote, sondern durch Liebe. Der Gottesknecht (=Christus) umfasst selbst die Schuld der Menschen mit seiner Liebe und lädt sie auf sich. Diese Liebe kann den Sünder verwandeln und gerecht machen, wenn er auf diese Liebe vertraut.

Es ist vielleicht geradezu grotesk, in dieser Welt auf die Kraft der Liebe das Vertrauen zu setzen; aber es ist der Weg Gottes, nur so wird diese Welt wirklich verändert, nur so steht sie zum neuen Leben auf.

Erwägen Sie heute:

  • Wer hat durch seine Liebe Ihr Leben geprägt und verändert?
  • Wen lieben Sie und haben Sie gespürt, dass Ihre Liebe eine Kraft ist, die dem anderen hilft?
  • Wo/ wann spüren Sie die Liebe Christi in Ihrem Leben als verwandelnde Kraft?

 

Herzliche Einladung heute Nachmittag um 15 Uhr an der Karfreitagsliturgie in der Basilika via Livestream teilzunehmen.

 

Tagesgebet

Herr, unser Gott, sieh herab auf deine Familie, für die unser Herr Jesus Christus sich willig den Händen der Frevler überliefert und die Marter des Kreuzes auf sich genommen hat. Er, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

 

Ihr Pastor O. Dregger

Evangelium

Darauf kam Jesus mit ihnen zu einem Grundstück, das man Getsemani nennt, und sagte zu den Jüngern: Setzt euch hier, während ich dorthin gehe und bete!   Und er nahm Petrus und die beiden Söhne des Zebedäus mit sich. Da ergriff ihn Traurigkeit und Angst und er sagte zu ihnen: Meine Seele ist zu Tode betrübt. Bleibt hier und wacht mit mir! Und er ging ein Stück weiter, warf sich auf sein Gesicht und betete: Mein Vater, wenn es möglich ist, gehe dieser Kelch an mir vorüber. Aber nicht wie ich will, sondern wie du willst. Und er ging zu den Jüngern zurück und fand sie schlafend. Da sagte er zu Petrus: Konntet ihr nicht einmal eine Stunde mit mir wachen? Wacht und betet, damit ihr nicht in Versuchung geratet! Der Geist ist willig, aber das Fleisch ist schwach. Wieder ging er weg, zum zweiten Mal, und betete: Mein Vater, wenn dieser Kelch an mir nicht vorübergehen kann, ohne dass ich ihn trinke, geschehe dein Wille. Als er zurückkam, fand er sie wieder schlafend, denn die Augen waren ihnen zugefallen. Und er ließ sie, ging wieder weg und betete zum dritten Mal mit den gleichen Worten. Danach kehrte er zu den Jüngern zurück und sagte zu ihnen: Schlaft ihr immer noch und ruht euch aus? Siehe, die Stunde ist gekommen und der Menschensohn wird in die Hände von Sündern ausgeliefert. Steht auf, wir wollen gehen! Siehe, der mich ausliefert, ist da.

 

Impuls

Die Agonie Christi

Nach dem letzten Abendmahl spitzt sich die Situation für Jesus bedrohlich zu. Er macht sich auf und geht mit seinen Jüngern zum Ölberg, wo er schon so oft gebetet hat. Er weiß: der Tod kommt auf ihn zu. Er könnte fliehen. Schreckliche Todesangst ergreift ihn.

Die Liturgie der Kirche nimmt diese Stimmung auf: in der Abendmahlsmesse schweigen nach dem Gloria die Glocken, die Schellen werden durch Klappern ersetzt und am Ende der Messe wird der Gang nach Gethsemani nachgebildet, wenn das Allerheiligste zum Seitenaltar übertragen wird, die Lichter verlöschen und die Altäre entblößt werden. Bloß und wehrlos steht Christus am Abgrund des Todes.

Man kann sich ja fragen, ob die Aussage, Christus habe alle Schmerzen dieser Welt durchlitten, zutreffend ist. Zwar war die Kreuzigung – ein langer, qualvoller Erstickungstod mit vorhergehenden Misshandlungen – die schlimmste Todesstrafe im Römischen Reich, die an römischen Staatsbürgern gar nicht vollstreckt werden durfte, aber waren nicht z.B. die sadistischen unvorstellbaren Gräuel, die sich in den Konzentrationslagern der Nazis ereignet haben, noch schlimmer? Wenn Christus aber nicht alles Leid durchlitten hätte, dann gäbe es immer noch Abgründe, in die Gott nicht hinabgestiegen, in denen ich dann dennoch allein wäre.

Es gibt in der Spiritualität der Kirche eine lange Tradition der Betrachtung des Leidens Christi (Pestkreuze, Schmerzensmänner, Geißelsäulen, hl. Gräber haben es den Menschen immer wieder vor Augen gestellt.). Dieses Leid ist größer als jedes andere, weil nur Jesus, der ganz Liebe war, ohne Sünde, aus der Fülle göttlichen Lebens kommend, den Abgrund des Todes, des Hasses und des Leidens, der Sünde (auch meiner Sünde) ganz ermessen konnte. Er allein hat den Kelch des Leidens bis auf den Grund geleert.

Während wir immer schon ein Stück an die Dunkelheit gewöhnt sind, immer schon auch „Kinder des Todes“ sind, muss für Jesus diese Erfahrung unermesslichen Schmerz verursacht haben, so wie er schon beim Tod seines Freundes Lazarus im Innersten erschüttert war. Dieses Leiden erreicht seinen Höhepunkt als er, der ganz und vorbehaltlos mit dem Vater verbunden ist, die Erfahrung macht, die er im Gebet mit den Worten ausspricht: „Mein Gott, mein Gott, warum hast Du mich verlassen?“

Seit diesem Moment weiß ich: Selbst in den schlimmsten Stunden, in denen ich mich selbst von Gott verlassen fühle, ist er da, denn er ist in seinem Sohn in diese Verlassenheit hinabgestiegen.

Erwägen Sie heute:

  • Versuchen Sie, Jesus in dieser entscheidenden Stunde seines Lebens nahe zu sein, indem Sie sich ein Kreuz oder eine Abbildung vor Augen stellen und sich in ihn hineinversetzen.
  • Unsere Kirchen sind heute bis 21 Uhr geöffnet. Vielleicht finden Sie Zeit, ein wenig mit Christus an diesem Abend zu wachen.

 

Tagesgebet

Allmächtiger Gott, zu deiner Ehre und zum Heil der Menschen hast du Christus als ewigen Hohenpriester eingesetzt. Er hat dir durch sein kostbares Blut ein heiliges Volk erworben. Gib, dass wir das Gedächtnis deines Sohnes in Ehrfurcht feiern und die Kraft seines Kreuzes und seiner Auferstehung empfangen. Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

 

Ihr Pastor O. Dregger

Aus dem heiligen Evangelium nach Matthäus

In jener Zeit ging einer der Zwölf  namens Judas Iskariot zu den Hohenpriestern und sagte: Was wollt ihr mir geben, wenn ich euch Jesus ausliefere? Und sie zahlten ihm dreißig Silberstücke.

Von da an suchte er nach einer Gelegenheit, ihn auszuliefern.

Am ersten Tag des Festes der Ungesäuerten Brote gingen die Jünger zu Jesus und fragten: Wo sollen wir das Paschamahl für dich vorbereiten?

Er antwortete: Geht in die Stadt zu dem und dem und sagt zu ihm: Der Meister lässt dir sagen: Meine Zeit ist da; bei dir will ich mit meinen Jüngern das Paschamahl feiern.

Die Jünger taten, was Jesus ihnen aufgetragen hatte, und bereiteten das Paschamahl vor. Als es Abend wurde, begab er sich mit den zwölf Jüngern zu Tisch. Und während sie aßen, sprach er: Amen, ich sage euch: Einer von euch wird mich verraten und ausliefern.

Da waren sie sehr betroffen, und einer nach dem andern fragte ihn: Bin ich es etwa, Herr? Er antwortete: Der, der die Hand mit mir in die Schüssel getaucht hat, wird mich verraten. Der Menschensohn muss zwar seinen Weg gehen, wie die Schrift über ihn sagt. Doch weh dem Menschen, durch den der Menschensohn verraten wird. Für ihn wäre es besser, wenn er nie geboren wäre.

Da fragte Judas, der ihn verriet: Bin ich es etwa, Rabbi? Jesus sagte zu ihm: Du sagst es.

 

Impuls

Wieviel ist ein Mensch wert? Dreißig Silberlinge gaben die Hohenpriester  für Jesus; immerhin zehn mehr als die Brüder Josephs für ihren Bruder erhielten, den sie für zwanzig Silberstücke als Sklave nach Ägypten verkauften. Im Alten Testament wird der Entschädigungspreis für einen umgekommenen Sklaven mit dreißig Silberlingen beziffert.

Auch heute wird die Frage nach dem Wert eines Menschen gestellt. Bin ich so viel wert, dass ich die Kosten für meine Pflege der Gesellschaft noch zumuten kann? Wie groß müssen meine Leiden sein, damit sie mein Leben entwerten und es vernichtet werden kann? Was bin ich noch wert, wenn ich im Beruf, in meiner Beziehung usw. nicht mehr genug leiste? Und wie viele Formen moderner Sklaverei gibt es, die Menschen bepreisen und zur Ware machen!

Jesus ist der „Kaufpreis“ unserer Erlösung. Indem er, der Sohn Gottes,  sein Leben für uns hingibt, befreit er uns aus dem Gefängnis, dass wir uns und andere bewerten und austaxieren müssen. Wenn der unendlich große Gott in seinem Sohn für uns ans Kreuz geht, dann habe ich, dann hat jeder Mensch einen unendlichen Wert, der nicht irgendwie gegengerechnet werden kann. Dann habe ich das, was der Philosoph Kant Würde nennt –jenseits jeder Leistung.

Einige Verse nach dem heutigen Evangeliumstext schreibt der Evangelist Matthäus, dass sich durch den Kauf eines Ackers mit den dreißig Silberstücken des Judas eine Prophetie des alttestamentlichen Propheten Jeremias erfüllt habe, der als Zeichen der Hoffnung auf Rückkehr des Volkes Israel aus der babylonischen Gefangenschaft im Gelobten Land  mit Silbergeld ein Feld erwarb.

Durch den Tod Jesu kehren wir zurück in das Gelobte Land der göttlichen Liebe, die zu uns spricht: Du bist mir unendlich viel wert.

 

Erwägen Sie heute:

  • Wie denken Sie über andere Menschen? Wen bewerten Sie? Nach welchen Maßstäben? Über wen haben Sie sich in letzter Zeit abwertend geäußert?
  • Wann haben Sie sich nicht gewertschätzt gefühlt, wann hielten Sie sich selbst für ziemlich wertlos?
  • Schauen Sie auf ein Kreuz und werden Sie inne, wie sehr Gott Sie und jeden Menschen liebt!

 

Gebet

Heiliger Gott, du hast deinen Sohn
der Schmach des Kreuzes unterworfen,
um uns der Gewalt des Bösen zu entreißen.
Gib uns die Gnade,
dass auch wir deinem Willen gehorchen
und einst in Herrlichkeit auferstehen.
Darum bitten wir durch ihn, Jesus Christus.

Ihr Pastor O. Dregger

Zum Kardienstag

Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit, als Jesus mit seinen Jüngern bei Tisch war, wurde er im Innersten erschüttert und bekräftigte: Amen, amen, das sage ich euch: Einer von euch wird mich verraten.

Die Jünger blickten sich ratlos an, weil sie nicht wussten, wen er meinte.

Einer von den Jüngern lag an der Seite Jesu; es war der, den Jesus liebte.

Simon Petrus nickte ihm zu, er solle fragen, von wem Jesus spreche.

Da lehnte sich dieser zurück an die Brust Jesu und fragte ihn: Herr, wer ist es?

Jesus antwortete: Der ist es, dem ich den Bissen Brot, den ich eintauche, geben werde. Dann tauchte er das Brot ein, nahm es und gab es Judas, dem Sohn des Simon Iskariot.

Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, fuhr der Satan in ihn. Jesus sagte zu ihm: Was du tun willst, das tu bald!

Aber keiner der Anwesenden verstand, warum er ihm das sagte.

Weil Judas die Kasse hatte, meinten einige, Jesus wolle ihm sagen: Kaufe, was wir zum Fest brauchen!, oder Jesus trage ihm auf, den Armen etwas zu geben.

Als Judas den Bissen Brot genommen hatte, ging er sofort hinaus. Es war aber Nacht.

Als Judas hinausgegangen war, sagte Jesus: Jetzt ist der Menschensohn verherrlicht, und Gott ist in ihm verherrlicht.

Wenn Gott in ihm verherrlicht ist, wird auch Gott ihn in sich verherrlichen, und er wird ihn bald verherrlichen.

Meine Kinder, ich bin nur noch kurze Zeit bei euch. Ihr werdet mich suchen, und was ich den Juden gesagt habe, sage ich jetzt auch euch: Wohin ich gehe, dorthin könnt ihr nicht gelangen.

Simon Petrus sagte zu ihm: Herr, wohin willst du gehen? Jesus antwortete: Wohin ich gehe, dorthin kannst du mir jetzt nicht folgen. Du wirst mir aber später folgen.

Petrus sagte zu ihm: Herr, warum kann ich dir jetzt nicht folgen? Mein Leben will ich für dich hingeben.

Jesus entgegnete: Du willst für mich dein Leben hingeben? Amen, amen, das sage ich dir: Noch bevor der Hahn kräht, wirst du mich dreimal verleugnen.

 

Impuls

„Der Mensch, woher ist er? Zu schlecht für einen Gott, zu gut fürs ungefähr.“, so schreibt G.E. Lessing einmal. Und auch wir denken wohl oft so über uns und andere. Wir sind nicht ganz schlecht und nicht ganz gut, nicht schwarz, nicht weiß, sondern eher (hell)grau.

Das Evangelium des heutigen Tages spannt den Bogen weiter. Menschliche Armseligkeit und Größe zeigen sich am Vorabend der Kreuzigung in drastischer Klarheit nebeneinander: Judas, von dem Jesus überzeugt war, dass er das Zeug zum Apostel habe, wird zum Verräter; Petrus, der sich zur Bereitschaft der Lebenshingabe aufschwingt, wird die Schmach seiner feigen Verleugnung angekündigt. Herrlichkeit und Nacht stehen gegeneinander.

Auf mittelalterlichen Darstellungen des menschlichen Sterbeprozesses sieht man oft den Kampf der Engel und Teufel um die Seele des Sterbenden in Szene gesetzt. Wir sind Ebenbilder Gottes und unsere Wurzeln reichen bis in den Himmel, aber seit dem Sündenfall berührt unsere menschliche Existenz auch den Abgrund des Dunklen, Bösen und Armseligen. Das ist es ja, was uns immer wieder so fassungslos macht, dass das Grausame und Schreckliche auf dieser Welt nicht einfach von Bestien vollbracht wird, sondern von Menschen, die oft genug erschreckend normal sind oder waren, dann aber in besonderen Situationen und unter bestimmten Umständen unvorstellbar Furchtbares zu tun imstande sind.

Das gibt unserem Leben seine Dramatik und sein Gewicht: Himmel und Hölle liegen offen vor uns. Wir sind berufen, vergöttlicht zu werden und können doch unser Leben ganz verfehlen. „Heute lege ich Dir vor Leben und Tod, Segen und Fluch. Wähle also das Leben!“, spricht Gott im Alten Testament.

Die HERRlichkeit Gottes zeigt sich darin, dass er sich am Kreuz auch noch im Abgrund des Bösen als HERR erweist. Er steigt hinab in das Reich des Todes, damit der Mensch SEINE Hand ergreife, das Leben nicht verliere, sondern mit IHM auferstehe.

Erwägen Sie heute:

  • Ist Ihnen in Ihrem Leben oder im Leben eines anderen die Abgründigkeit begegnet, die sich in den Evangeliumsberichten auftut?
  • Machen Sie sich bewusst, dass Ihr Leben die Möglichkeit von Himmel und Hölle, Größe und Niedrigkeit, Bösem und Gutem umfasst. Das macht jeden Augenblick Ihres Lebens bedeutsam.
  • Nehmen Sie sich vor, sich auch in den Kleinigkeiten des Alltags für das Gute, das Leben zu entscheiden, das Gott Ihnen schenken will. Entschließen Sie sich, nicht mit den Grautönen zufrieden zu sein, sondern täglich neu nach dem Licht Gottes auszugreifen, denn als Kind des Lichtes sind Sie seit Ihrer Taufe berufen.

 

Gebet

Allmächtiger, ewiger Gott,
hilf uns, das Gedächtnis des Leidens Christi so zu begehen,
dass wir von dir Verzeihung erlangen. Durch ihn, Christus, unsern Herrn.

 

Ihr Pastor O. Dregger

Mk 11,1-11 –  Der Einzug in Jerusalem

Als sie in die Nähe von Jerusalem kamen, nach Betfage und Betanien am Ölberg, schickte er zwei seiner Jünger voraus. Er sagte zu ihnen: Geht in das Dorf, das vor euch liegt; gleich wenn ihr hineinkommt, werdet ihr einen jungen Esel  angebunden finden, auf dem noch nie ein Mensch gesessen hat. Bindet ihn los und bringt es her! Und wenn jemand zu euch sagt: Was tut ihr da?, dann antwortet: Der Herr braucht ihn; er lässt ihn bald wieder zurückbringen. Da machten sie sich auf den Weg und fanden außen an einer Tür an der Straße einen jungen Esel  angebunden und sie banden ihn los. Einige, die dabeistanden, sagten zu ihnen: Wie kommt ihr dazu, den Esel  loszubinden? Sie gaben ihnen zur Antwort, was Jesus gesagt hatte, und man ließ sie gewähren. Sie brachten den jungen Esel  zu Jesus, legten ihre Kleider auf das Tier und er setzte sich darauf. Und viele breiteten ihre Kleider auf den Weg aus, andere aber Büschel, die sie von den Feldern abgerissen hatten. Die Leute, die vor ihm hergingen und die ihm nachfolgten, riefen: Hosanna! Gesegnet sei er, der kommt im Namen des Herrn! Gesegnet sei das Reich unseres Vaters David, das nun kommt. Hosanna in der Höhe! 11 Und er zog nach Jerusalem hinein, in den Tempel; nachdem er sich alles angesehen hatte, ging er spät am Abend mit den Zwölf nach Betanien hinaus.

Jesus kommt  nach Jerusalem  und er wurde von den Menschen wie ein König  mit Palmzweigen begrüßt. Viele von ihnen kannten Jesus bereits oder hatten zumindest etwas von ihm gehört. Sie wussten, er konnte Wunder tun, und sie hielten ihn für den Messias, den großen Retter. So begrüßten sie ihn wie einen politischen König, einen Befreier, der ein neues Reich aufbauen würde . Jesus kommt jedoch nicht als großer König mit Zepter und Krone, sondern als einfach gekleideter Mann auf einem Esel, der Last- und Reittier der ärmeren Leute war.

Er ist einer von ihnen, hört in dem Jubelgeschrei auch die Hilferufe, die Erwartungen an ihn, die Sorgen, wie man über den Tag kommt. Jesus kommt als stiller König und ahnt, dass sie bald „Kreuzige ihn“ rufen werden, weil er ihre Erwartungen so nicht erfüllen kann.  Er ist kein politischer König. Sondern er kommt als Mutmacher. Aber viele haben von ihm etwas ganz anderes erwartet. Jesus wollte damals wie auch heute  uns Mut machen unseren Alltag gut zu meistern. Er möchte uns  helfen Lasten von Zweifel und Ängsten, Leiden und Ohnmacht zu ertragen und zu überwinden.

 

Gebet für den Palmsonntag

Hosianna singen wir dir zu, Jesus Christus.
Du reitest dem Tod entgegen und hörst, wie die Menschen dir zujubeln.

Wir singen dir Hosianna zu, Jesus Christus, und bitten dich:
Höre auch, wie Weinen und Klagen den Jubel verdrängen.
Die Kranken weinen vor Schmerzen.
Die Trauernden klagen und vermissen die, die sie geliebt haben.
In der Stille nennen wir dir ihre Namen.
Höre uns und wisch die Tränen ab. Komm und erbarme dich.

Wir singen dir Hosianna zu, Jesus Christus, und bitten dich:
Höre auch, wie Empörung den Jubel verdrängt.
Die Jugendlichen sind wütend.
Die Machtlosen fragen danach,
wann die Mächtigen ihrer Verantwortung gerecht werden.
Höre uns und gib den Mutigen langen Atem. Komm und erbarme dich.

Wir singen dir Hosianna zu, Jesus Christus, und bitten dich:
Höre auch, wie Spott den Jubel verdrängt.
Die Starken verachten die Schwachen.
Die, die sich für unverletzlich halten, säen Hass.
Höre uns und schaffe deinem Frieden Raum. Komm und erbarme dich.

Wir singen dir Hosianna zu, Jesus Christus, und bitten dich:
Höre auch, wie Enttäuschung den Jubel verdrängt.
Die Suchenden sehnen sich danach  anzukommen.
Die Verklagten hoffen auf Gerechtigkeit.
Höre uns und zeige du den Weg zum Leben. Komm und erbarme dich.

Wir singen dir Hosianna zu, Jesus Christus, und bitten dich:
Höre uns und alle, die in dieser Woche aus deinem Leiden Hoffnung schöpfen.
Höre uns. Segne uns in  dieser heiligen Woche. Komm und erbarme dich.

Amen

„Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen!

Was eigentlich ist eine Versuchung?  Wir können in Versuchung kommen, etwas zu tun, was wir eigentlich nicht tun sollten. Wir können jemanden in Versuchung führen, also auf die Probe stellen. Wir können einer Versuchung widerstehen, uns nicht verleiten lassen, etwas zu tun, das wir bei genauem Nachdenken nicht tun wollen oder sollen. Mit anderen Worten: Eine Versuchung ist die Möglichkeit, etwas tun zu können, das auf den ersten Moment reizvoll erscheint, jedoch einer Gemeinschaft oder Beziehung nicht gut tut oder sogar zerstört.

Einer Versuchung können wir widerstehen, mit Gottes Hilfe. Vielleicht ist auf diesem Hintergrund der Vorschlag von Papst Franziskus zu verstehen, die Worte „Und führe uns nicht in Versuchung“, wie es etwa in der deutschen und auch in der italienischen Version des Vaterunsers heißt, besser so zu übersetzen: „Lass mich nicht in Versuchung geraten“. „Ich bin es, der fällt, aber es ist nicht Er, der mich in Versuchung geraten lässt“, so der Papst in einem Interview. Gott führt uns nicht in Versuchung, sondern gibt uns Kraft und Beistand, den Versuchungen zu widerstehen.

„Führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen“ das  ist eine Bitte im Vaterunser-Gebet, mit der der Mensch sich zu Gott wendet und um Hilfe bittet, weil er manchen Versuchungen ohne Gottes Hilfe und Beistand nicht widerstehen kann.

 

Impuls

  • Gegen welche Versuchungen muss ich täglich auf der Hut sein?
  • Erkenne ich meine Grenzen an?
  • Resigniere ich vor dem Bösen, das mich umgibt, oder vertraue ich mit Jesus Christus, dass die Macht der Liebe stärker ist?

 

Gebet

Gott im Himmel, der Erde zugetan, unbegreiflich fern und doch zum Greifen nah. Dich rufen wir an als Vater, der um seine Kinder weiß, wir als Kinder, die dem Vater vertrauen – auf Schritt und Tritt, auf Umweg und Fehltritt, gehalten, nicht verworfen, ermutigt, nicht verängstigt. Dein Name – von uns heil zu halten, dennoch oft beschädigt, weil wir uns verfehlten, Freiheit kostend ohne dich. Deinen Namen zu heiligen ermutigt und befähigt uns, beim Namen zu nennen, was unterschwellig schwelt: Schuld nicht zu verharmlosen, das Gute in der Güte zu erkennen. Himmlischer Vater, heile das Zerbrochene, zerbrich, was uns trennt. Lass uns tun, was wir von dir erwarten. Heilig werde uns sein Name!

Vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unseren Schuldigern.

Wenn ich bete: Gott, vergib mir meine Schuld, dann meine ich damit nicht nur mein Versagen oder einen Schaden, für den ich verantwortlich bin. Ich denke auch an unterlassene Liebe. Oder an unterlassene Hilfe. Vielleicht an seelische Verletzungen, die ich einem anderen zugefügt habe.

Mit meiner Bitte um Vergebung gestehe ich mir zu, nicht vollkommen zu sein. Ich weiß, dass auch ich Fehler mache und mir auch beim besten Willen nicht alles gelingt. Eben deshalb entlastet mich dieses Gebet. Und es macht mich barmherzig gegenüber denen, die mir wehtun.

Und deshalb werden Menschen, die von der gegenseitigen Vergebung leben, jeden Tag wieder den Weg zueinander und zu Gott finden.

Impuls

– Wie gehe ich mit meiner Schuld um?

– Habe ich den Mut, zu meinen Fehler zu stehen?

– Wie gehe ich mit Menschen um, die an mir schuldig geworden sind?

– Will ich ihre Demütigung oder will ich ihnen zum Neubeginn verhelfen?

– Wie oft bin ich bereit meinen Mitmenschen zu vergeben?

– Tue ich den ersten Schritt zur Versöhnung?

 

Gebet

Sag ja zu mir – GL 755 von Diethard Zils

Sag ja zu mir, wenn alles nein sagt, weil ich so vieles falsch gemacht.
Wenn Menschen nicht verzeihen können, nimm du mich an trotz aller Schuld.

Gib mir den Mut mich selbst zu kennen, mach mich bereit zu neuem Tun.
Und reiß mich aus den alten Gleisen; ich glaube, Herr, dann wird es gut.

Denn, wenn du ja sagst, kann ich leben; stehst du zu mir, dann kann ich gehn,
dann kann ich neue Lieder singen und selbst ein Lied für andere sein.

Tu meinen Mund auf, dich zu loben, und gib mir einen neuen Geist.

Unser tägliches Brot gib uns heute.

Zur Zeit Jesu konnte man die Grundbedürfnisse der Menschen mit dem Begriff Brot zusammenfassen. Wer genug Brot hatte, der konnte zumindest sicher überleben. Und so selbstverständlich war das nicht. In den ersten christlichen Gemeinden gab es mehr Arme als Reiche, die Ernte war oft instabil, die römischen Besatzungstruppen beanspruchten eine Menge Korn für ihre Versorgung, Hungersnöte waren an der Tagesordnung.

Unsere Realität heute und hier unterscheidet sich deutlich von damals, doch es gibt  auch bei uns Menschen, denen es am Allernötigsten fehlt. Menschen, die nicht wissen, wo sie heute ihr tägliches Brot herbekommen sollen.  Die Bitte des Vaterunsers um das tägliche Brot erinnert uns daran, dass wir die Menschen nicht aus unserem Blick verlieren dürfen. Sie ruft uns zur Geschwisterlichkeit mit Menschen, denen es am Nötigsten fehlt, auf.

Aber Brot steht  auch für eine Arbeit, von der man leben kann, für eine Wohnung, die Zufluchtsort ist, und für genügend Geld, um den Alltag zu meistern. Zum täglichen Brot gehört aber auch ein freundliches Wort, Beziehung zu den Menschen. Brot steht damit für unsere ganze Existenz. Und so bitten wir Gott um das Notwendigste für unser Leben.

 

Impuls

– Bin ich dankbar für die Gaben, die ich täglich empfange?

– Spreche ich diesen Dank auch vor Gott und den Menschen aus?

– Will ich die Gaben nur für mich haben oder teile ich sie mit anderen?

– Schenke ich dem einsamen Nachbarn ein freundliches Wort, damit lebensnotwendige Beziehungen entstehen können?

 

Gebet

Guter Gott, wir bitten dich: Nimm unsere Gedanken an, bestärke uns in dem Vertrauen, dass wir mit dir und gemeinsam den Hunger nach Nahrung, Frieden, Zusammenhalt und Freundschaft stillen können. Amen

 

 

Dein Reich komme, dein Wille geschehe, wie im Himmel so auf Erden

Woran denken wir, wenn wir „Reich Gottes“ hören? An ein „Reich“ im politischen Sinn, so wie es früher Königreiche und Kaiserreiche waren? An einen bestimmten Raum, in dem Gott wohnt und herrscht, den man früher über den Wolken des Himmels gesucht hat?

Vielleicht sollen wir das Wort „Reich“ anders hören – mehr  im Sinne des Reichs der Liebe Gottes. Wenn Jesus vom Reich Gottes redete, sprach er in Gleichnissen. Er verglich das Reich Gottes z.B. mit dem Verhalten von Menschen. Mit dem Reich Gottes verhält es sich wie… mit einem Weinbergbesitzer oder mit einer Frau, die etwas verloren hat.

Vielleicht können wir das Wort „Reich“ für uns anders übersetzen. Vielleicht mit dem Wort „Einfluss“ oder „Herrschaftsbereich“. Das Reich Gottes ist überall da, wo Gott unter den Menschen Einfluss gewinnt.  Das Reich Gottes beginnt mit Jesus schon hier auf dieser Erde.

Wie sieht aber dieses Reich Gottes, dieser Einfluss Gottes auf der Erde überhaupt aus? Oder, anders gefragt, indem wir schon an die nächste Bitte denken: was ist denn eigentlich Gottes Wille? Was ist das für ein Gott, der auf uns und unser Zusammenleben Einfluss gewinnen will? Was ist das für ein Wille, dem wir uns unterwerfen sollen?

Ich glaube, dass Gott will, dass wir ernst machen mit der Anrede des Vater unser. Sein Wille ist, dass wir nicht nur im Gebet sagen: Vater unser, sondern dass wir uns auch wirklich so verhalten, als wären wir alle Geschwister, alle Menschen auf der Erde – nicht immer einig, aber verantwortlich füreinander. Wo das geschieht, da entstehen Spuren des Reiches Gottes.

Impuls

– Will ich wirklich, dass Gottes Reich kommt?

– Habe ich angefangen, wenigstens an einem kleinen Punkt die Welt, in der wir leben, im Sinn Jesu zu verändern?

Jesus sorgt sich um alle Menschen und möchte, dass die ganze Welt „Reich Gottes“ wird.

– Nehme ich mir genügend Zeit und Ruhe, den Willen Gottes im Gebet und in der Besinnung zu erspüren, zuerkennen?

 

Gebet:

Herr, dein Reich komme, dein  Wille geschehe.
In manchen Situationen fehlt uns die Kraft zu sagen: Herr, dein Wille geschehe.
Schenke, Herr, uns die nötige Geduld und das Vertrauen, dass dein Wille geschehen kann – auch hier auf Erden – auch wenn wir ihn noch nicht erkennen.

 

Vater unser im Himmel, geheiligt werde dein Name

Wir dürfen Gott Vater nennen, denn durch die Taufe und durch den Glauben an Jesus Christus sind wir zu Kindern Gottes geworden. Jesus nannte vor uns Gott „Abba“  -Vater – und damit  drückte er seine Erfahrung von Gott als „Vater“ aus, die unsere Erfahrungen von liebevollen Vätern und Müttern noch weit übersteigt. Er hatte eine Vertrautheit mit Gott und ein Vertrauen in Gott, das ihn befähigte, so zu beten. Er will uns die Möglichkeit desselben Vertrauens und derselben Vertrautheit eröffnen, auch wenn es für manche von uns eventuell ein schwieriger Weg sein könnte, ihm darin zu folgen.

Aber gleichzeitig ist Gottes Namen heilig und das heißt,  wir sollen Gott verehren, ihn  lobpreisen – im Gebet, aber auch in den Handlungen unseres Alltags.

 

Impuls

  • Ist Gott auch für mich der Vater/die Mutter oder der Ferne, der Unerreichbare?
  • Wird mir bei dieser Anrede bewusst, dass ich, dass wir, dass alles ein und denselben Ursprung hat in ihm?
  • Bin ich dankbar für die Gemeinschaft mit ihm, die Geborgenheit in ihm? Schenke ich ihm Vertrauen?
  • Bin ich bereit, mich von Gott verändern zu lassen oder versuche ich meine Vorstellungen von ihm zu verändern?

 

Gebet:

Vater unser,
ich rufe dich an, du göttliche Lebenskraft,
du bist das Leben in allem Leben,
heilig sei uns dein Wirken in uns,
heilig sei uns deine Gegenwart;
alles Leben ist in dir!

Matthäus 6,7-13

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

 

Im Gebet reden wir mit Gott, dem Herrn, und es wird deutlich: wir kennen einander oder wir lernen uns immer besser kennen. Wer nicht miteinander redet, der will auch nichts voneinander wissen. Das Gebet ist so der Lebensnerv unseres Glaubens. Wir leben von diesen Gesprächen mit Gott. Und doch ist es oft so, dass wir nicht wissen, was wir beten sollen. Wenn es Ihnen so geht, dann befinden Sie sich  in guter Gesellschaft, denn den Aposteln ging es genauso. Auch sie bekannten Jesus: Wir wissen nicht, wie wir beten sollen. Und Jesus gibt ihnen einige gute Gedanken mit auf ihren Gebetsweg: Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden. Viele Worte machen wir immer dort, wo wir zweifeln, dass sie eine Wirkung haben. Bei einem guten Freund, auf den wir uns verlassen können, müssen wir nicht viele Worte machen, um Hilfe zu bekommen. Manchmal reicht dort ein Blick. Es kann also beim Gebet nicht darum gehen, Gott von etwas überzeugen zu wollen oder sich durch ein besonders reges Gebetsleben eine besondere Stellung bei ihm zu sichern. Nein, das Gebet ist der lebendige Ausdruck und die Suche nach der lebendigen Beziehung zu Gott. Gott lässt sich auch nicht durch viele Worte vom Thema unseres Lebens ablenken. Ja, wie oft reden wir um den heißen Brei herum und wollen uns drücken vor dem wahren Konflikt, vor dem Bekenntnis unserer Sünde oder unseres Misstrauens und unserer Angst vor dem Tod? Gott bleibt beim Thema unseres Lebens. Und so wird unser Gebet von ihm eine Führung erfahren hin zu den wirklichen Themen unseres Lebens. Unser lebendiges Gebet wird nicht stehenbleiben bei unseren kleinen täglichen Angelegenheiten. Aber unsere Suche nach Gott im Gebet findet nicht einseitig statt, auch Gott sucht uns im Gebet. Er kommt uns entgegen und weiß schon, was wir bedürfen, bevor wir ihn bitten. Ja, er ist immer der, der zuerst geredet hat. Ohne sein Reden kommen wir gar nicht darauf, uns an ihn zu wenden.

Es ist mir aufgefallen, dass Jesus die Bitte der Jünger um Hilfestellung beim Gebet nicht nutzt um ihnen nun eine Gebetshaltung zu vermitteln. Er sagt nichts davon, dass sie die Hände falten oder auf die Knie gehen sollen oder ob sie laut oder leise für sich beten sollen. Ich denke, er tut das bewusst nicht, denn das Gebet, das Gespräch mit Gott ist ein Ausdruck einer lebendigen Beziehung und so eine lebendige Beziehung lässt sich oft nicht in feste allgemeine Formen zwängen, auch wenn die Formen für den einen oder anderen eine Hilfe sein können für das Gebet. Außerdem ist Jesus nicht die äußere Form, sondern der Inhalt des Gebets wichtig. Vielleicht achten wir manchmal nur noch darauf, ob wir auch richtig sitzen oder dass die Form stimmt, aber unser Herz ist ganz weit weg und gar nicht auf Gott ausgerichtet. Deshalb empfiehlt Jesus uns keine Gebetsformen und jeder Christ muss seine ganz eigene Form finden.

 

Impuls

  • Finde ich persönliche Worte, um mit Gott ins Gespräch zu kommen?
  • Was möchte ich Gott heute, hier und jetzt sagen?

 

Als Gebet möchte ich Sie einladen, noch einmal das Gebet „Vater unser“ zu beten.

Bibelstelle zur Betrachtung

Ihr seid alle durch den Glauben Söhne Gottes in Christus Jesus.

Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angelegt. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus. (Gal 3, 26-28)

Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat.

Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat, indem er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und uns das Wort von der Versöhnung zur Verkündigung anvertraute. (2 Kor 5, 17-19)

 

Gedanken zur Betrachtung
Wenn wir durch die Taufe eine neue Schöpfung sind, also hinein genommen in die familiäre Beziehung zwischen Vater – Sohn – Heiligen Geist, dann hat dies auch Konsequenzen für unsere Beziehung untereinander. Wenn du Sohn oder Tochter Gottes bist und andere Menschen um dich herum die gleiche Würde durch die Taufe erlangt haben, dann seid ihr untereinander Brüder und Schwestern.

Daher stellt Paulus uns als Folge der Taufe klar vor Augen: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau.“ Denn auch unsere Beziehungen untereinander sind von Gott her neu geschaffen worden, denn „das Alte ist vergangen, Neues ist geworden“. Dies war in den ersten Jahrhunderten, wo man sich noch auf Kosten erheblicher sozialer Benachteiligung für das Christwerden entscheiden musste, etwas, das der heidnischen Umwelt auffiel und geradezu zu einem Charakteristikum der Getauften wurde. Die Christen sorgten für einander, wie das sonst nur Familienclans taten. Die Apostelgeschichte beschreibt diese Erfahrung, die man auch bei heidnischen Schriftstellern finden kann, mit folgenden Worten: „Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam. (…) Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt.“ (vgl. Apg 4, 32-34)

Diese Neuschöpfung, von der Paulus spricht, ist nicht einfach nur eine Renovierung des Alten. Gott repariert nicht, das wäre seiner nicht würdig. So wie es sich bei der Schöpfung der Welt um Entstehen aus dem Nichts handelt, so handelt es sich auch bei der Taufe um eine vollkommene Neu-Schöpfung durch den Geist Gottes. Deswegen betet die Kirche auch in der Osternacht zum Herrn: „Du hast alles wunderbar erschaffen, aber noch viel wunderbarer erneuert!“

 

Einladung zum Nachdenken

Wie würde sich mein Denken, Reden und Tun verändern, wenn ich alle Getauften als meine Schwestern und Brüder erkenne?
Versuchen Sie heute einmal ganz bewusst einem Menschen auf diese Weise zu begegnen.

 

 

Gebet

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,

dass ich liebe, wo man hasst;

dass ich verzeihe, wo man beleidigt;

dass ich verbinde, wo Streit ist;

dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;

dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;

dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;

dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;

dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten,

nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;

nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;

nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

Denn wer sich hingibt, der empfängt;

wer sich selbst vergisst, der findet;

wer verzeiht, dem wird verziehen;

und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben. Amen.

 

Ihr Pfarrer Thomas Müller

 

 

Bibelstelle zur Betrachtung

Es war ein Pharisäer namens Nikodemus, ein führender Mann unter den Juden. Der suchte Jesus bei Nacht auf und sagte zu ihm: Rabbi, wir wissen, du bist ein Lehrer, der von Gott gekommen ist; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, wenn nicht Gott mit ihm ist.

Jesus antwortete ihm: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.

Nikodemus entgegnete ihm: Wie kann ein Mensch, der schon alt ist, geboren werden? Er kann doch nicht in den Schoß seiner Mutter zurückkehren und ein zweites Mal geboren werden.

Jesus antwortete: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.

Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von neuem geboren werden. (Joh 3, 1-7)

 

Gedanken zur Betrachtung
Jesus Christus ist für alle Menschen aller Zeiten der einzige Heilsweg zu Gott. Im geheimnisvollen Wort Jesu an den jüdischen Gelehrten Nikodemus – Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen. – spricht Jesus vom Sakrament der Taufe. Sie ist eine geistliche Geburt, die den Menschen mit Gott verbindet. So stellt sie – als konkreter Ausdruck für die geschichtlich vollzogene Bindung an Jesus Christus – eine Heilsnotwendigkeit dar, ohne die der Mensch nicht in das Reich Gottes gelangen kann. In der Taufe wird dem Täufling quasi die Eintrittskarte für den Himmel und das ewige Leben in Gemeinschaft mit Gott geschenkt.

Aufgrund der Heilsnotwendigkeit der Taufe werden in der Kirche schon seit alters her auch Kinder getauft. Es wäre aber absolut falsch, nun aus dieser Tatsache zu schließen, dass jeder, der nicht mit Wasser und der richtigen Taufformel auf den dreifaltigen Gott getauft wurde, automatisch vom Himmel ausgeschlossen sei. Neben der Wassertaufe kennt die Kirche von Anfang an eine Art „Begierdetaufe“. Es gibt Menschen, die ohne eigene Schuld, nie etwas von der Heilsnotwendigkeit der Taufe gehört haben, aber Gott, das Gute oder die Wahrheit mit aufrichtigem Herzen suchen. Diese empfangen von Christus, aufgrund ihres ehrlichen Suchens, die so genannte „Begierdetaufe“, die auch ihnen den Weg zum ewigen Heil öffnet.

Wer aber die Heilsnotwendigkeit der Wassertaufe zu erkennen vermag, diese aber bewusst zurückweist, der steht in der ernsten Gefahr, das ewige Heil, die Gemeinschaft mit Gott, zu verspielen. Auch hier gilt, dass Gott die Freiheit des Menschen achtet und wenn sich jemand in seiner Freiheit ausdrücklich gegen ihn entscheidet und bis über den Tod hinaus bei dieser Entscheidung bleibt, dann hat Gott auch dafür einen Ort geschaffen, den die Bibel „Hölle“ nennt. Vergessen wir aber nie, dass Gott keinen Menschen gegen seinen Willen verdammt, „denn Gott unser Retter, will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.“ (1 Tim 2,3c-4). Gott hat uns die Freiheit geschenkt, ohne die es keine Liebe gibt. Echte Freiheit schließt die Möglichkeit des Scheiterns mit ein. In letzter Konsequenz bedeutet dies: Gott zwingt keinen gegen seinen Willen in den Himmel zu kommen. So kann, um in dem Bild vom Anfang zu bleiben, auch ein Getaufter seine Eintrittskarte für den Himmel zerreißen oder wegwerfen.

 

Einladung zum Nachdenken

Durch die Taufe bin ich in die Wirklichkeit des Dreifaltigen Gottes hineingeboren worden, so wie ich bei meiner biologischen Geburt in eine Familie hineingeboren wurde.
Was bedeutet es mir, Kind Gottes zu sein?
Hat diese Tatsache einen Einfluss auf die Beziehung zu der großen Zahl an Schwestern und Brüdern, die auch zu dieser göttlichen Familie gehören?

 

Gebet

Barmherziger Gott, du kennst unsere Schwachheit und unsere Not.

Doch je hinfälliger wir sind, umso mächtiger ist deine Hilfe.

Gib, dass wir das Geschenk unserer Taufe freudig und dankbar annehmen

und dein Wirken in unserem Leben bezeugen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus deinen Sohn unseren Bruder und Herrn, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit der lebt und Herrscht in Ewigkeit. Amen.

 

Ihr Pfarrer Thomas Müller

 

 

Bibelstelle zur Betrachtung

Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?

Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.

Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein.

Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde und wir nicht Sklaven der Sünde bleiben. Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.

Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.

Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn.

Denn durch sein Sterben ist er ein für allemal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott. So sollt auch ihr euch als Menschen begreifen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus. (Röm 6,3-11)

 

Gedanken zur Betrachtung
Bist du dir eigentlich bewusst, dass dein Tod schon hinter dir liegt?

Durch das Geschehen in der Taufe hat der Tod für den Christen seine einschneidende Rolle zu einem großen Teil schon verloren. Denn der entscheidende Bruch mit der Welt und dem Diesseits, was für einen Nichtchristen Tod heißt, hat sich bei dir bereits in der Taufe vollzogen. Und zwar nicht bloß gedanklich, denn du bist hineingezogen worden in den Tod Christi. Das ist kein Bild, sondern Realität. Paulus betont diese Realität auch an anderer Stelle, wenn er schreibt: „Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.“ (Kol 3,3)

Weil also der Getaufte durch seine Beziehung zu Christus schon Anteil hat an seinem Tod und seiner Auferstehung, so hat auch unser menschliches Sterben, das für die Welt Untergang und Ende ist, für den Christen eine ganz andere Bedeutung. Der Christ hat sich in der Taufe schon von der Welt getrennt und ist hineingenommen in Jesus Christus, der beim Vater im Himmel ist.

Dass aber der Tod für den Christen ein anderes Sterben ist, als der Tod der Welt, ist ebenfalls unter dem Schleier des Christusgeheimnisses verborgen. Aber es bleibt die Tatsache, die du am Ende deines Lebens erfahren wirst: dass das Sterben eines Christen anders sein wird, als das Sterben eines Heiden, der das göttliche Leben nicht in sich hat und selber das durchstehen muss, was Christus bereits für dich durchgemacht hat. Wie erlösend und befreiend wirkt diese Realität, wenn man sich ihrer erst bewusst wird!

Durch diese von Gott geschenkte Überlegenheit über den Tod, und somit über alle Schrecken dieser Welt, ist Paulus, im Angesicht seines möglichen Todes, in der Lage, im Gefängnis folgendes zu schreiben: „Für mich ist Christus das Leben, und Sterben Gewinn.“ (Phil 1, 21) Durch das Sterben kommt seine tiefste Sehnsucht, mit Christus auf ewig und ungestört vereint zu sein, ans Ziel. Deswegen ist das Sterben für ihn Gewinn.

Obwohl du als Getaufter diese befreiende Nachricht schon oft gehört hast, gehst du, als ob nichts passiert wäre, genauso wie ein Ungetaufter auf deinen Tod zu. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Erfahrung dieser erlösenden Realität höchstens in deinem Kopf angekommen ist. Sie muss aber bis in dein Herz vordringen und dein Leben durchdringen, dann wirst du als Erlöster das neue Leben leben.

 

Einladung zum Nachdenken

Ein provokanter Text mit Sprengkraft. Aber fragen wir uns in Zeiten von Corona, wo jeden Abend Todeszahlen in den Nachrichten erscheinen: Wie geht es mir beim Gedanken an meinen eigenen Tod?
Was erwarte ich auf der anderen Seite der Wirklichkeit?
Bin ich vorbereitet auf die Begegnung mit Gott?

 

Gebet

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir.

Du bist gebenedeit unter den Frauen,
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.

Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder,

jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

 

Ihr Pfarrer Thomas Müller

 

 

Bibelstelle zur Betrachtung

Philippus war auf der Straße von Jerusalem nach Gaza unterwegs. Nun war da ein Äthiopier, ein Kämmerer, Hofbeamter der Kandake, der Königin der Äthiopier, der ihren ganzen Schatz verwaltete. Dieser war nach Jerusalem gekommen, um Gott anzubeten, und fuhr jetzt heimwärts. Er saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. Und der Geist sagte zu Philippus: Geh und folge diesem Wagen. Philippus lief hin und hörte ihn den Propheten Jesaja lesen. Da sagte er: Verstehst du auch, was du liest?

Jener antwortete: Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet?

Und er bat den Philippus, einzusteigen und neben ihm Platz zu nehmen.

Der Abschnitt der Schrift, den er las, lautete: Wie ein Schaf wurde er zum Schlachten geführt; und wie ein Lamm, das verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf. In der Erniedrigung wurde seine Verurteilung aufgehoben. Seine Nachkommen, wer kann sie zählen? Denn sein Leben wurde von der Erde fortgenommen.

Der Kämmerer wandte sich an Philippus und sagte: Ich bitte dich, von wem sagt der Prophet das? Von sich selbst oder von einem anderen?

Da begann Philippus zu reden, und ausgehend von diesem Schriftwort verkündete er ihm das Evangelium von Jesus.

Als sie nun weiterzogen, kamen sie zu einer Wasserstelle. Da sagte der Kämmerer: Hier ist Wasser. Was steht meiner Taufe noch im Weg?

Da sagte Philippus zu ihm: Wenn du aus ganzem Herzen glaubst ist es möglich. Er antwortete: Ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist.

Er ließ den Wagen halten, und beide, Philippus und der Kämmerer, stiegen in das Wasser hinab, und er taufte ihn. (Apg, 8,27-38)

 

Gedanken zur Betrachtung

In dieser Bibelstelle wird die Bedeutung des Glaubens für die Taufe sichtbar. Keine Taufe ohne den Glauben an Gott den Vater, seinen Sohn Jesus Christus und den Heiligen Geist! Diesen Glauben muss der Täufling vor seiner Taufe selbst oder, bei Säuglingen, durch den Mund der Paten und Eltern bekennen. Auch nach der Taufe ist der Glaube noch von herausragender Bedeutung, da die großen Dinge, die uns durch die Taufe geschenkt werden, für unsere Augen, wie unter einem Schleier, noch im Verborgenen liegen. Daher lädt die Kirche in ihrem wichtigsten Gottesdienst des ganzen Jahres, der Osternacht, alle Gläubigen ein, dem Bösen zu widersagen, und den Glauben neu zu bekennen. Dies ist gleichbedeutend mit der Bitte an Gott, die in der Taufe empfangene Gnade tiefer in deinem Leben zu entfalten. Durch die Bekräftigung deines Taufbundes in der Osternacht erlaubst du Gott, in dir und durch dich zu wirken. Dieses Wirken Gottes wird auch wieder auf deinen Glauben rückwirken und ihn stärken.

Die von Gott immer wieder erbetene Entfaltung der Taufgnade kannst du verstehen als einen Prozess des Erwachsenwerdens im Glauben. Der menschliche Embryo im Schoß seiner Mutter trägt schon alle Anlagen und Fähigkeiten in sich, die sich später in Kindheit, Jugend und als erwachsener Mensch entfalten. Genauso ist es mit der Gnade, die uns in der Taufe geschenkt wurde, sie muss sich in meinem Leben unter der Führung des Heiligen Geistes entfalten. Diese Entfaltung kann sich aber nur dort ungestört vollziehen, wo sie in gesunde Beziehungen eingebettet ist. So wie Kinder und Jugendliche in der Entfaltung ihrer Möglichkeiten gehindert sein können, wenn das soziale Umfeld (Familie, Freunde, Schule, etc.) nicht stimmt, so wird die Entfaltung der Taufgnade in meinem Leben behindert, wenn meine Beziehung zu Gott und der Kirche nicht stimmen.

 

Einladung zum Nachdenken

Wo stehe ich auf meinem Glaubensweg?
Was ist seit dem letzten Osterfest, vor annähernd einem Jahr, neu gewachsen?
Wie könnte der nächste Schritt im Glauben aussehen, zu dem der Herr mich einlädt?

 

Gebet

Barmherziger Gott, diese heilige Zeit der Buße und des Gebetes

mache unsere Herzen bereit, die Ostergnade zu empfangen

und das Lob des Erlösers zu verkünden,

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

 

Ihr Pfarrer Thomas Müller

 

 

Bibelstelle zur Betrachtung

Nach dem Sabbat kamen in der Morgendämmerung des ersten Tages der Woche Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab (Jesu) zu sehen. Plötzlich entstand ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz und sein Gewand war weiß wie Schnee.

Die Wächter begannen vor Angst zu zittern und fielen wie tot zu Boden.

Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag. Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden. Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Ich habe es euch gesagt.

Sogleich verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.

Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel. Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.

Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Mt 28, 1-8. 16-20)

 

Gedanken zur Betrachtung

Der Taufauftrag Jesu an seine Jünger ist einer der eindeutigsten Befehle Jesu, die uns die Bibel überliefert. Er hat uneingeschränkte Gültigkeit für alle Zeiten. Da die Taufe heilsnotwendig ist, ist dies das einzige Sakrament, das alle Christen, ja sogar Heiden, wenn sie es in richtiger Absicht tun, spenden können. Der Taufauftrag Jesu hat neben dem klaren Auftrag, alle Menschen (natürlich nicht gegen ihren Willen) auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen, noch zwei weitere wichtige Komponenten.

Zum einen, die Menschen zu lehren „alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“. Das erinnert uns an das wichtigste Gebot, die Gottes- und Nächstenliebe. Hierin zeigt sich, ob du als Getaufter bereits durch die dir geschenkte Taufgnade das neue Leben begonnen hast zu leben. Die Kraft dazu ist seit der Taufe da, nur musst du in deiner Freiheit mitarbeiten, dass der neue Mensch in dir immer mehr sichtbar wird. Durch die Taufe bist du berufen und befähigt zu einem Leben im Heiligen Geist. Und so wie ein Baum aus einem kleinen Samen herauswächst und Früchte bringt, so wächst auch das Leben im Heiligen Geist. Es stellt sich dann fast unmerklich die Frucht des Geistes ein. „Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.“ (Gal 5, 22-23)

Die zweite Komponente ist eine Verheißung Jesu, es sind die letzten Worte des Matthäusevangeliums: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Dieses Versprechen Jesu gilt zunächst der Kirche als Gemeinschaft der Getauften, es gilt aber auch dir ganz persönlich. Gott hat mit dir in der Taufe einen ewigen Bund geschlossen in dem er dir die Zusage gab: ‚Ich bin dein Gott, ich werde immer für dich da sein und dich zu mir in den Himmel führen.’ Deine Antwort an Gott bei der Taufe, meist durch den Mund deiner Eltern und Taufpaten gesprochen, war nicht weniger radikal. Sie lässt sich zusammenfassen auf den kurzen Satz: ‚Ich gehöre ganz dir!’ Dämmert es dir langsam? Dein Leben gehört seit der Taufe nicht mehr dir, sondern Gott. Diese Tatsache kann, wenn du sie annimmst, eine unheimliche Befreiung bewirken, denn Gott kann und will in seiner Liebe viel mehr für dich tun, als du dir auch nur vorstellen kannst. Sie kann aber auch Angst und Beklemmung auslösen, wenn man es nicht richtig versteht und nicht bereit ist Gott zu vertrauen.

Einladung zum Nachdenken

Habe ich mich, seit dem Tag meiner Taufe, bis heute irgendwann einmal in Freiheit für meine Beziehung mit Gott entschieden?
Kann ich jetzt in Freiheit und ohne Angst sagen:
Herr mein Gott, ich gehöre dir.
Mein Leben liegt in deinen Händen.
Tu mit mir was du möchtest.

Was kommen für Gedanken und Empfindungen in mir auf, wenn ich diese Worte im Gebet ausspreche?

 

Gebet

Allherrschender Gott, du schenkst uns im österlichen Geheimnis jenes wunderbare Leben, dass die Welt unablässig erneuert. Lass das Werk deiner Gnade in unserem Leben wirksam werden und gib uns alles, was wir in dieser Zeit brauchen um als deine Jüngerinnen und Jünger zu leben. Darum bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn.

 

Ihr Pfarrer Thomas Müller

 

 

Bibelstelle zur Betrachtung

Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat. Ihr wart tot infolge eurer Sünden, und euer Leib war unbeschnitten; Gott aber hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht und uns alle Sünden vergeben. Er hat den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben. Er hat ihn dadurch getilgt, dass er ihn an das Kreuz geheftet hat.

Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische! Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott. Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit. (Kol 2 12-14; 3,1-4)

 

Gedanken zur Betrachtung

 

Das Sakrament der Taufe und seine Folgen für meine Beziehung zu Gott und den Mitmenschen ist untrennbar mit dem Geschehen von Karfreitag und Ostern verbunden. Es ist daher angemessen, sich in der österlichen Bußzeit bewusst zu werden, dass es ohne Tod und Auferstehung Jesu keine Taufe gäbe, ja, es gäbe überhaupt keines der sieben Sakramente. Und ohne die Taufe, die uns ganz real der Macht des Bösen entreißt und die Trennung zwischen Gott und dem Menschen, als Folge der Sünde, aufhebt, wären wir weiterhin, wie Paulus sagt, „Feinde Gottes“ und nicht, wie Jesus uns nennt, „seine Freunde“.

 

Wir können die Erlösung und das Geschenk der Taufe, welche uns Jesus Christus gebracht hat, gar nicht hoch genug einschätzen. Erst die Taufe macht uns zu Kindern Gottes und gibt dem Menschen ganz direkt und ganz persönlich Anteil an der Erlösung und am ewigen Heil, welches für alle Menschen nur in und durch Jesus Christus kommt. Die Heilige Schrift sagt es sehr deutlich: „In keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.“ (Apg 4,12) In der Taufe sind wir mit Christus gestorben und haben durch ihn neues, ewiges Leben empfangen. Der Himmel, die ewige Gemeinschaft steht uns offen, wenn wir uns bemühen mit Christus als Kinder Gottes zu Leben und den Willen des Vaters zu tun.

 

Da es sich bei der Taufe um das wichtigste Sakrament handelt und die Taufe untrennbar mit dem Ostergeheimnis verbunden ist, so ist es gut, in diesen Tagen auch die Auferstehung Jesu in den Blick zu nehmen. Daraus ergeben sich die weiteren Folgen der Taufe, die sich auf meine Beziehung zu Gott und zu den Mitchristen auswirken.

Einladung zum Nachdenken

Weiß ich etwas von meiner eigenen Taufe? Gibt es Bilder? Wann ist mein Tauftag?
Bedenken wir heute mal ganz bewusst die Tatsache, dass durch die Taufe, dass göttliche Leben bereits in mir ist.

 

Gebet

Herr Jesus Christus, wir bitten dich um das Licht deines Heiligen Geistes, der uns in die tiefsten Geheimnisse unseres Glaubens führt. Komm, Heiliger Geist, lass uns die Größe des Geheimnisses unserer Taufe entdecken und begreifen, was uns bereits geschenkt ist. Erwecke in uns neu die Gnade der Taufe, damit wir als Kinder Gottes in der Welt leben.

 

Ihr Pfarrer Thomas Müller

Evangelium Joh 9, 1-41

Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit

sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war.

Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Oder haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde?

Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden.

Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann.

Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.

Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen

und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.

Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte?

Einige sagten: Er ist es. Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es.

Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen geöffnet worden?

Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach, und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte wieder sehen.

Sie fragten ihn: Wo ist er? Er sagte: Ich weiß es nicht.

Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern.

Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte.

Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen.

Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen.

Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet.

Die Juden aber wollten nicht glauben, dass er blind gewesen und sehend geworden war. Daher riefen sie die Eltern des Geheilten und fragten sie: Ist das euer Sohn, von dem ihr behauptet, dass er blind geboren wurde? Wie kommt es, dass er jetzt sehen kann?

Seine Eltern antworteten: Wir wissen, dass er unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde.

Wie es kommt, dass er jetzt sehen kann, das wissen wir nicht. Und wer seine Augen geöffnet hat, das wissen wir auch nicht. Fragt doch ihn selbst, er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen.

Das sagten seine Eltern, weil sie sich vor den Juden fürchteten; denn die Juden hatten schon beschlossen, jeden, der ihn als den Messias bekenne, aus der Synagoge auszustoßen.

Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug, fragt doch ihn selbst.

Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war, zum zweiten Mal und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist.

Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehen kann.

Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet?

Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt, aber ihr habt nicht gehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt auch ihr seine Jünger werden?

Da beschimpften sie ihn: Du bist ein Jünger dieses Menschen; wir aber sind Jünger des Mose.

Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat; aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt.

Der Mann antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet.

Wir wissen, dass Gott einen Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er. Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat. Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können.

Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren, und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus.

Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn?

Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube.

Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es.

Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.

Da sprach Jesus: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die Blinden sehend und die Sehenden blind werden.

Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies. Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind?

Jesus antwortete ihnen: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.

 

Wir feiern heute den vierten Fastensonntag, der mit dem Wort Laetare – Freue Dich überschrieben ist. Aber kann es Vorfreude auf Ostern in diesem Jahr, in dem so viele Menschen unter der Coronakrise leiden und uns die öffentlichen Gottesdienste verwehrt sind, geben?

Das – lange – Evangelium des heutigen Sonntages erzählt uns von der Heilung eines Blinden. Blindsein ist erstmal natürlich nichts Gutes. Wie die Menschen damals, fragen wir nach den Ursachen und damit nach dem Sinn von Krankheit und Leid. Jesus antwortet: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden.

Das gilt auch heute: Corona ist ein Übel – das ist klar, und wir hoffen und beten, dass diese Epidemie bald von uns genommen wird. Aber Gott kann selbst noch durch ein Übel hindurchwirken. Denken Sie heute darüber nach, welchen Sinn die augenblickliche Situation in Ihrem Leben haben könnte. Was könnte das Wirken Gottes sein, das jetzt an Ihnen offenbar werden soll?

Der Blinde begegnet Jesus und wird von ihm geheilt; er wird sehend und sieht das Licht der Welt. Erst jetzt kann er sagen: Ich bin es, denn indem er Jesus sieht, kann er sich auch selbst und sein Leben richtig erkennen.

Corona greift nach unserem Leben und scheint alles zu überlagern; aber so erkennen wir uns und die Welt nicht richtig. Wir erkennen sie, wenn wir sehen: die Auferstehung Jesu ist in die Geschichte dieser Welt eingeschrieben und seit der Taufe in mein Leben. Wir gehen ins Licht. Nicht Krise, Corona, nicht Leid und Tod werden das letzte Wort behalten. Sollten wir das meinen, wären wir noch blind. Der Sonntag lädt uns ein, dass wir unser Leben, unsere Ängste und Sorgen sozusagen in der Auferstehung Jesu waschen. Feiern Sie diesen Tag (Wie könnten Sie das heute konkret tun?), lassen Sie das österliche Licht in Ihr Leben dringen. Die Auferstehung sei das Vorzeichen bei all Ihrem Denken und Handeln.

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen                                                                          Ihr Pastor O. Dregger

Das dritte Element der Fastenzeit ist das Gebet. Zweifelsohne werden in der gegenwärtigen Coronakrise viele Menschen mehr, manche überhaupt erst wieder beten. Das Aveläuten morgens, mittags und abends und das in der ganzen Erzdiözese angeordnete Gebetsläuten um 19.30 Uhr sollten wir, wenn irgend möglich, in dieser Zeit der Aussetzung öffentlicher Gottesdienste unbedingt wahrnehmen, als Gelegenheit der Verbundenheit im Gebet für Kranke, Sterbende, Helfer und uns alle in dieser schweren Zeit.

Ich möchte ich Sie einladen, heute über einen Punkt nachzudenken, der mich zurzeit sehr umtreibt. Mich hat es immer wieder berührt, in vielen englischen Herrenhäusern sog. priest holes zu sehen,  ein oft zwischen zwei Wänden befindliches winziges Gelass, in denen man während der Reformation und danach Priester versteckte, damit sie heimlich die Messe feiern konnten. Das war nicht nur für den Priester, sondern auch für die ganze ihn beherbergende Familie und alle Teilnehmer lebensgefährlich und viele, die man entdeckte, wurden auf grausame Weise hingerichtet. Dann denke ich an die frühen Christen, die, als man ihnen die Gottesdienste verbot und sie sich trotzdem zur Eucharistie versammelten, vor den Gerichten bekannten: sine dominico non possumus – ohne den Sonntag (=die Eucharistie) können wir nicht. Ich denke daran, unter welch schrecklichen und lebensbedrohlichen Umständen in KZs und an anderen menschenverachtenden Orten heimlich Messe gefeiert wurde und wie viele dafür gestorben sind. Und ich denke daran, wie Card. Meisner manchmal von Gruppen in der UDSSR berichtete, die, weil priesterlos, sich heimlich zum Gebet versammelten, am Beginn eine Stola über einen Tisch legten und bitterlich weinten, weil sie keinen Zugang zu den Sakramenten hatten. Können wir das in der gegenwärtigen Situation nachempfinden? Oder waren das in früheren Zeiten religiöse Spinner oder zwanghafte Fanatiker? Fehlte es ihnen an Aufgeklärtheit? Wäre ihnen mit einem Livestream zu helfen gewesen?

Bitte verstehen Sie mich richtig! Ich will die gegenwärtig ergriffenen Maßnahmen in Bezug auf die Gottesdienste nicht kritisieren! Zu ermessen, was in der jetzigen Situation das Richtige ist, fehlt mir die Kompetenz, und wir wissen ja, dass wir uns hoffentlich bald wieder zur Eucharistie werden versammeln können und christliche Gemeinden zeitweise ohne die Eucharistie überleben konnten. Mir geht es nur darum, die Geisteshaltung zu verstehen und in sie hineinzuwachsen, die die Christen vergangener Jahrhunderte beseelt hat, und in die hineinzuwachsen wir jetzt vielleicht eine besondere Chance haben. Diese Christen wollten keine Helden sein, sondern sie hatten etwas erkannt. Sie haben begriffen, dass es beim Gebet und in unüberbietbarer, nicht zu ersetzender Weise bei der Eucharistie nicht nur um die Bearbeitung irdischer Probleme geht, sondern um die elevatio mentis in deum (Thomas von Aquin)– die Erhebung des Menschen in Gott und dass von diesem Punkt aus unser irdisches Leben überhaupt erst in rechter Weise zu bewältigen ist und dass, wenn wir diesen Punkt nicht suchen und finden, das ganze Leben seinen Sinn verliert. „Sucht zuerst das Reich Gottes und alles andere wird euch dazugegeben“, sagt Jesus.

Gebet

Guter Gott, lass mich Dich suchen und Dich finden; getrennt von Dir kann ich nichts vollbringen. Wecke und stärke in mir die Sehnsucht nach der Eucharistie, in der Deine Liebe unter uns brennt und in der Du mein Leben vergöttlichen willst. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Ihr Pastor O. Dregger

 

Am Mittwoch habe ich versucht, das Fastenelement der Nächstenliebe für die gegenwärtige Situation auszulegen.

Auch den Verzicht erleben wir in der Coronakrise in besonderer Weise:

  • Verzicht auf gemeinsame Gottesdienste
  • Verzicht auf soziale Kontakte
  • Verzicht auf Freizeitbeschäftigungen
  • Verzicht auf Freiheit
  • Verzicht auf wirtschaftliche Prosperität
  • Was erleben Sie noch als Verzicht?

Die Fastenzeit sieht den Verzicht basierend auf der Hl. Schrift durchaus auch als eine Chance; aus der Glaubenserfahrung bieten sich folgende Möglichkeiten, den Verzicht fruchtbar zu machen.

  • Verzicht kann mich in eine größere Freiheit führen und mich aus falschen Abhängigkeiten lösen.
  • Verzicht schafft Raum für Wesentliches, für Gott.
  • Verzicht öffnet mein Herz, lässt mich andere besser verstehen, die unter Einschränkungen leiden.
  • Das durch einen Verzicht Eingesparte (Zeit, Geld etc.) kann ich anderswo und besser investieren. (Zeit zum Gebet; Mittel für Bedürftige)
  • Der zeitweilige Verzicht auf etwas Gutes lässt mich dessen Wert besser erkennen und weckt die Sehnsucht danach.
  • Verzicht lässt mich Prioritäten neu setzen und erkennen, worauf es im Leben wirklich ankommt.
  • Durch den Verzicht kann ich Christus besser verstehen, der alles hingegeben und verloren hat, am Ende sogar sein Leben. Ich kann in seine Lebenshaltung hineinwachsen.
  • Im Verzicht kann man mir das Geheimnis aufleuchten: Wer sein Leben verliert, wird es retten. Jedes wirkliche Leben entsteht nur aus Hingabe, Liebe also auch aus Opfer und Verzicht.
  • Der Verzicht kann eine Form der Buße sein für Sünden, die ich begangen habe.

Nicht jede Möglichkeit passt zu jeder Form des Verzichts. Der Verzicht auf gemeinsame Gottesdienste führt mich z.B. bestimmt nicht in eine größere Freiheit, aber er kann die Sehnsucht nach der Liturgie und den Sakramenten in mir wachsen lassen.

Denken Sie darüber nach, wie Sie Ihren Verzicht fruchtbar machen können, damit Sie wachsen und Ihr Leben an Fülle gewinnt.

Gebet

Gott, du Retter in jeder Not, so viele Menschen haben in diesen Tagen nicht nur Angst um ihre Gesundheit, sondern vor allem um ihre wirtschaftliche Existenz. Was sie mit viel Arbeit und oft über lange Zeit aufgebaut haben, wird zerstört, und die Zukunft scheint dunkel und ungewiss.

Gib uns nicht nur in der augenblicklichen Situation, sondern auch danach die Bereitschaft, die Lasten gemeinsam zu tragen. Lass uns nicht der Versuchung der Hoffnungslosigkeit nachgeben, sondern hilf uns, für andere ein mutmachendes Zeichen zu sein. Lenke Du unsere Zukunft, sei Du unsere Zukunft und schenke allen eine gute Zukunft. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Ihr Pastor O. Dregger

19. März – Hochfest des hl. Joseph

„Ite ad Joseph“ – Geht zu Joseph! – so konnte man früher in manchen Kirchen lesen. Joseph, der Nährvater Jesu, ist Patron für besondere Notlagen (weil er das Christuskind vor der Verfolgung des Herodes durch die Flucht nach Ägypten rettete), der Arbeiter (weil er selbst als Bauhandwerker tätig war), der Sterbenden (weil er nach kirchlicher Überlieferung im Beisein Christi und in den Armen Mariä starb) und der ganzen Kirche (denn er hat Jesus behütet, dessen Leib die Kirche ist).

Von Joseph, den nach dem Zeugnis der Bibel seine Gerechtigkeit und sein Gehorsam gegenüber Gott auszeichnete, ist kein einziges Wort überliefert. Schweigend und entschieden tut er das, was richtig ist.

Der hl. Joseph sagt uns in der gegenwärtigen Situation:

Lass Dich nicht verrückt machen, heize die Situation nicht durch Spekulationen und erschreckende Zukunftsszenarien auf, trage Deine Situation vor Gott und vertraue darauf, dass es immer einen Weg gibt, weil es Gott gibt.

Versuchen Sie heute, in die Haltung des hl. Joseph hineinzuwachsen, indem Sie sich in Ruhe die Texte aus der Hl. Schrift durchlesen, die unten angefügt sind. Legen Sie sich und alle Menschen, um die Sie Sorge tragen, dem Hl. Joseph in die Arme, besonders auch alle Sterbenden.

Meditieren Sie, dass neben den vielen Menschen, die hier auf der Erde versuchen zu helfen, es eine Fülle von Menschen gibt – die Heiligen -, denen wir nicht gleichgültig sind, die für uns beten und die uns gerade in dieser Situation nicht allein lassen. Zu welchem Heiligen haben Sie eine besondere Beziehung?

„Ite ad Joseph“ – heute ganz besonders.

Gebet

Allmächtiger Gott, du hast Jesus, unseren Heiland, und seine Mutter Maria der treuen Sorge des heiligen Josef anvertraut. Höre auf seine Fürsprache und hilf deiner Kirche, die Geheimnisse der Erlösung treu zu verwalten, bis das Werk des Heiles vollendet ist. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Ihr Pastor O. Dregger

Mt 1,18–25; 2,13-15.19-23

Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes.

Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen.

Während er noch darüber nachdachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.

Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.

Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat:

Siehe: Die Jungfrau wird empfangen / und einen Sohn gebären / und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, / das heißt übersetzt: Gott mit uns.

Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.

Er erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar. Und er gab ihm den Namen Jesus.

Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, siehe, da erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten.

Da stand Josef auf und floh in der Nacht mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten.

Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.

Als Herodes gestorben war, siehe, da erschien dem Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum

und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot.

stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel.

Als er aber hörte, dass in Judäa Archelaus anstelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa

und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder. Denn es sollte sich erfüllen, was durch die Propheten gesagt worden ist: Er wird Nazoräer genannt werden.