Impulse und Gebete

in Zeiten der Corona-Pandemie

Gebet | Engel des Herrn

 

Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom Heiligen Geist.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Maria sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort.

Gegrüßet seist du, Maria …

Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.

Gegrüßet seist du, Maria …

Bitte für uns, heilige Gottesmutter, dass wir würdig werden der Verheißungen Christi.

Lasset uns beten. Allmächtiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein. Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt. Führe uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung.

Barmherziger Vater, du bist uns Zuflucht und Stärke, viele Generationen vor uns haben dich als mächtig erfahren, als Helfer in allen Nöten. Steh allen bei, die von dieser Krise betroffen sind,  und stärke in uns den Glauben, dass du dich um jeden von uns sorgst. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn. Amen

Gebet

 

Beten wir für alle Menschen, die am Corona-Virus erkrankt sind, für alle, die Angst haben vor einer Infektion, für alle, die sich nicht frei bewegen können, für die Ärztinnen und Pfleger, die sich um die Kranken kümmern, für die Forschenden, die nach Schutz und Heilmittel suchen, dass Gott unserer Welt in dieser Krise seinen Segen erhalte.

(Stilles Gebet)

Allmächtiger Gott, du bist uns Zuflucht und Stärke, viele Generationen vor uns haben dich als mächtig erfahren, als Helfer in allen Nöten. Steh allen bei, die von dieser Krise betroffen sind,  und stärke in uns den Glauben, dass du dich um jede und jeden von uns sorgst. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Matthäus 6,7-13

Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden; denn sie meinen, sie werden erhört, wenn sie viele Worte machen. Darum sollt ihr ihnen nicht gleichen. Denn euer Vater weiß, was ihr bedürft, bevor ihr ihn bittet.

Darum sollt ihr so beten: Unser Vater im Himmel! Dein Name werde geheiligt. Dein Reich komme. Dein Wille geschehe wie im Himmel so auf Erden. Unser tägliches Brot gib uns heute. Und vergib uns unsere Schuld, wie auch wir vergeben unsern Schuldigern. Und führe uns nicht in Versuchung, sondern erlöse uns von dem Bösen. Denn dein ist das Reich und die Kraft und die Herrlichkeit in Ewigkeit. Amen

 

Im Gebet reden wir mit Gott, dem Herrn, und es wird deutlich: wir kennen einander oder wir lernen uns immer besser kennen. Wer nicht miteinander redet, der will auch nichts voneinander wissen. Das Gebet ist so der Lebensnerv unseres Glaubens. Wir leben von diesen Gesprächen mit Gott. Und doch ist es oft so, dass wir nicht wissen, was wir beten sollen. Wenn es Ihnen so geht, dann befinden Sie sich  in guter Gesellschaft, denn den Aposteln ging es genauso. Auch sie bekannten Jesus: Wir wissen nicht, wie wir beten sollen. Und Jesus gibt ihnen einige gute Gedanken mit auf ihren Gebetsweg: Und wenn ihr betet, sollt ihr nicht viel plappern wie die Heiden. Viele Worte machen wir immer dort, wo wir zweifeln, dass sie eine Wirkung haben. Bei einem guten Freund, auf den wir uns verlassen können, müssen wir nicht viele Worte machen, um Hilfe zu bekommen. Manchmal reicht dort ein Blick. Es kann also beim Gebet nicht darum gehen, Gott von etwas überzeugen zu wollen oder sich durch ein besonders reges Gebetsleben eine besondere Stellung bei ihm zu sichern. Nein, das Gebet ist der lebendige Ausdruck und die Suche nach der lebendigen Beziehung zu Gott. Gott lässt sich auch nicht durch viele Worte vom Thema unseres Lebens ablenken. Ja, wie oft reden wir um den heißen Brei herum und wollen uns drücken vor dem wahren Konflikt, vor dem Bekenntnis unserer Sünde oder unseres Misstrauens und unserer Angst vor dem Tod? Gott bleibt beim Thema unseres Lebens. Und so wird unser Gebet von ihm eine Führung erfahren hin zu den wirklichen Themen unseres Lebens. Unser lebendiges Gebet wird nicht stehenbleiben bei unseren kleinen täglichen Angelegenheiten. Aber unsere Suche nach Gott im Gebet findet nicht einseitig statt, auch Gott sucht uns im Gebet. Er kommt uns entgegen und weiß schon, was wir bedürfen, bevor wir ihn bitten. Ja, er ist immer der, der zuerst geredet hat. Ohne sein Reden kommen wir gar nicht darauf, uns an ihn zu wenden.

Es ist mir aufgefallen, dass Jesus die Bitte der Jünger um Hilfestellung beim Gebet nicht nutzt um ihnen nun eine Gebetshaltung zu vermitteln. Er sagt nichts davon, dass sie die Hände falten oder auf die Knie gehen sollen oder ob sie laut oder leise für sich beten sollen. Ich denke, er tut das bewusst nicht, denn das Gebet, das Gespräch mit Gott ist ein Ausdruck einer lebendigen Beziehung und so eine lebendige Beziehung lässt sich oft nicht in feste allgemeine Formen zwängen, auch wenn die Formen für den einen oder anderen eine Hilfe sein können für das Gebet. Außerdem ist Jesus nicht die äußere Form, sondern der Inhalt des Gebets wichtig. Vielleicht achten wir manchmal nur noch darauf, ob wir auch richtig sitzen oder dass die Form stimmt, aber unser Herz ist ganz weit weg und gar nicht auf Gott ausgerichtet. Deshalb empfiehlt Jesus uns keine Gebetsformen und jeder Christ muss seine ganz eigene Form finden.

 

Impuls

  • Finde ich persönliche Worte, um mit Gott ins Gespräch zu kommen?
  • Was möchte ich Gott heute, hier und jetzt sagen?

 

Als Gebet möchte ich Sie einladen, noch einmal das Gebet „Vater unser“ zu beten.

Bibelstelle zur Betrachtung

Ihr seid alle durch den Glauben Söhne Gottes in Christus Jesus.

Denn ihr alle, die ihr auf Christus getauft seid, habt Christus als Gewand angelegt. Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau; denn ihr alle seid einer in Christus Jesus. (Gal 3, 26-28)

Wenn also jemand in Christus ist, dann ist er eine neue Schöpfung: Das Alte ist vergangen, Neues ist geworden. Aber das alles kommt von Gott, der uns durch Christus mit sich versöhnt und uns den Dienst der Versöhnung aufgetragen hat.

Ja, Gott war es, der in Christus die Welt mit sich versöhnt hat, indem er den Menschen ihre Verfehlungen nicht anrechnete und uns das Wort von der Versöhnung zur Verkündigung anvertraute. (2 Kor 5, 17-19)

 

Gedanken zur Betrachtung
Wenn wir durch die Taufe eine neue Schöpfung sind, also hinein genommen in die familiäre Beziehung zwischen Vater – Sohn – Heiligen Geist, dann hat dies auch Konsequenzen für unsere Beziehung untereinander. Wenn du Sohn oder Tochter Gottes bist und andere Menschen um dich herum die gleiche Würde durch die Taufe erlangt haben, dann seid ihr untereinander Brüder und Schwestern.

Daher stellt Paulus uns als Folge der Taufe klar vor Augen: „Es gibt nicht mehr Juden und Griechen, nicht Sklaven und Freie, nicht Mann und Frau.“ Denn auch unsere Beziehungen untereinander sind von Gott her neu geschaffen worden, denn „das Alte ist vergangen, Neues ist geworden“. Dies war in den ersten Jahrhunderten, wo man sich noch auf Kosten erheblicher sozialer Benachteiligung für das Christwerden entscheiden musste, etwas, das der heidnischen Umwelt auffiel und geradezu zu einem Charakteristikum der Getauften wurde. Die Christen sorgten für einander, wie das sonst nur Familienclans taten. Die Apostelgeschichte beschreibt diese Erfahrung, die man auch bei heidnischen Schriftstellern finden kann, mit folgenden Worten: „Die Gemeinde der Gläubigen war ein Herz und eine Seele. Keiner nannte etwas von dem, was er hatte, sein Eigentum, sondern sie hatten alles gemeinsam. (…) Es gab auch keinen unter ihnen, der Not litt.“ (vgl. Apg 4, 32-34)

Diese Neuschöpfung, von der Paulus spricht, ist nicht einfach nur eine Renovierung des Alten. Gott repariert nicht, das wäre seiner nicht würdig. So wie es sich bei der Schöpfung der Welt um Entstehen aus dem Nichts handelt, so handelt es sich auch bei der Taufe um eine vollkommene Neu-Schöpfung durch den Geist Gottes. Deswegen betet die Kirche auch in der Osternacht zum Herrn: „Du hast alles wunderbar erschaffen, aber noch viel wunderbarer erneuert!“

 

Einladung zum Nachdenken

Wie würde sich mein Denken, Reden und Tun verändern, wenn ich alle Getauften als meine Schwestern und Brüder erkenne?
Versuchen Sie heute einmal ganz bewusst einem Menschen auf diese Weise zu begegnen.

 

 

Gebet

Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens,

dass ich liebe, wo man hasst;

dass ich verzeihe, wo man beleidigt;

dass ich verbinde, wo Streit ist;

dass ich die Wahrheit sage, wo Irrtum ist;

dass ich Glauben bringe, wo Zweifel droht;

dass ich Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält;

dass ich Licht entzünde, wo Finsternis regiert;

dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten,

nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste;

nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe;

nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

Denn wer sich hingibt, der empfängt;

wer sich selbst vergisst, der findet;

wer verzeiht, dem wird verziehen;

und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben. Amen.

 

Ihr Pfarrer Thomas Müller

 

 

Bibelstelle zur Betrachtung

Es war ein Pharisäer namens Nikodemus, ein führender Mann unter den Juden. Der suchte Jesus bei Nacht auf und sagte zu ihm: Rabbi, wir wissen, du bist ein Lehrer, der von Gott gekommen ist; denn niemand kann die Zeichen tun, die du tust, wenn nicht Gott mit ihm ist.

Jesus antwortete ihm: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht von neuem geboren wird, kann er das Reich Gottes nicht sehen.

Nikodemus entgegnete ihm: Wie kann ein Mensch, der schon alt ist, geboren werden? Er kann doch nicht in den Schoß seiner Mutter zurückkehren und ein zweites Mal geboren werden.

Jesus antwortete: Amen, amen, ich sage dir: Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen.

Was aus dem Fleisch geboren ist, das ist Fleisch; was aber aus dem Geist geboren ist, das ist Geist. Wundere dich nicht, dass ich dir sagte: Ihr müsst von neuem geboren werden. (Joh 3, 1-7)

 

Gedanken zur Betrachtung
Jesus Christus ist für alle Menschen aller Zeiten der einzige Heilsweg zu Gott. Im geheimnisvollen Wort Jesu an den jüdischen Gelehrten Nikodemus – Wenn jemand nicht aus Wasser und Geist geboren wird, kann er nicht in das Reich Gottes kommen. – spricht Jesus vom Sakrament der Taufe. Sie ist eine geistliche Geburt, die den Menschen mit Gott verbindet. So stellt sie – als konkreter Ausdruck für die geschichtlich vollzogene Bindung an Jesus Christus – eine Heilsnotwendigkeit dar, ohne die der Mensch nicht in das Reich Gottes gelangen kann. In der Taufe wird dem Täufling quasi die Eintrittskarte für den Himmel und das ewige Leben in Gemeinschaft mit Gott geschenkt.

Aufgrund der Heilsnotwendigkeit der Taufe werden in der Kirche schon seit alters her auch Kinder getauft. Es wäre aber absolut falsch, nun aus dieser Tatsache zu schließen, dass jeder, der nicht mit Wasser und der richtigen Taufformel auf den dreifaltigen Gott getauft wurde, automatisch vom Himmel ausgeschlossen sei. Neben der Wassertaufe kennt die Kirche von Anfang an eine Art „Begierdetaufe“. Es gibt Menschen, die ohne eigene Schuld, nie etwas von der Heilsnotwendigkeit der Taufe gehört haben, aber Gott, das Gute oder die Wahrheit mit aufrichtigem Herzen suchen. Diese empfangen von Christus, aufgrund ihres ehrlichen Suchens, die so genannte „Begierdetaufe“, die auch ihnen den Weg zum ewigen Heil öffnet.

Wer aber die Heilsnotwendigkeit der Wassertaufe zu erkennen vermag, diese aber bewusst zurückweist, der steht in der ernsten Gefahr, das ewige Heil, die Gemeinschaft mit Gott, zu verspielen. Auch hier gilt, dass Gott die Freiheit des Menschen achtet und wenn sich jemand in seiner Freiheit ausdrücklich gegen ihn entscheidet und bis über den Tod hinaus bei dieser Entscheidung bleibt, dann hat Gott auch dafür einen Ort geschaffen, den die Bibel „Hölle“ nennt. Vergessen wir aber nie, dass Gott keinen Menschen gegen seinen Willen verdammt, „denn Gott unser Retter, will, dass alle Menschen gerettet werden und zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen.“ (1 Tim 2,3c-4). Gott hat uns die Freiheit geschenkt, ohne die es keine Liebe gibt. Echte Freiheit schließt die Möglichkeit des Scheiterns mit ein. In letzter Konsequenz bedeutet dies: Gott zwingt keinen gegen seinen Willen in den Himmel zu kommen. So kann, um in dem Bild vom Anfang zu bleiben, auch ein Getaufter seine Eintrittskarte für den Himmel zerreißen oder wegwerfen.

 

Einladung zum Nachdenken

Durch die Taufe bin ich in die Wirklichkeit des Dreifaltigen Gottes hineingeboren worden, so wie ich bei meiner biologischen Geburt in eine Familie hineingeboren wurde.
Was bedeutet es mir, Kind Gottes zu sein?
Hat diese Tatsache einen Einfluss auf die Beziehung zu der großen Zahl an Schwestern und Brüdern, die auch zu dieser göttlichen Familie gehören?

 

Gebet

Barmherziger Gott, du kennst unsere Schwachheit und unsere Not.

Doch je hinfälliger wir sind, umso mächtiger ist deine Hilfe.

Gib, dass wir das Geschenk unserer Taufe freudig und dankbar annehmen

und dein Wirken in unserem Leben bezeugen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus deinen Sohn unseren Bruder und Herrn, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit der lebt und Herrscht in Ewigkeit. Amen.

 

Ihr Pfarrer Thomas Müller

 

 

Bibelstelle zur Betrachtung

Wisst ihr denn nicht, dass wir alle, die wir auf Christus Jesus getauft wurden, auf seinen Tod getauft worden sind?

Wir wurden mit ihm begraben durch die Taufe auf den Tod; und wie Christus durch die Herrlichkeit des Vaters von den Toten auferweckt wurde, so sollen auch wir als neue Menschen leben.

Wenn wir nämlich ihm gleich geworden sind in seinem Tod, dann werden wir mit ihm auch in seiner Auferstehung vereinigt sein.

Wir wissen doch: Unser alter Mensch wurde mitgekreuzigt, damit der von der Sünde beherrschte Leib vernichtet werde und wir nicht Sklaven der Sünde bleiben. Denn wer gestorben ist, der ist frei geworden von der Sünde.

Sind wir nun mit Christus gestorben, so glauben wir, dass wir auch mit ihm leben werden.

Wir wissen, dass Christus, von den Toten auferweckt, nicht mehr stirbt; der Tod hat keine Macht mehr über ihn.

Denn durch sein Sterben ist er ein für allemal gestorben für die Sünde, sein Leben aber lebt er für Gott. So sollt auch ihr euch als Menschen begreifen, die für die Sünde tot sind, aber für Gott leben in Christus Jesus. (Röm 6,3-11)

 

Gedanken zur Betrachtung
Bist du dir eigentlich bewusst, dass dein Tod schon hinter dir liegt?

Durch das Geschehen in der Taufe hat der Tod für den Christen seine einschneidende Rolle zu einem großen Teil schon verloren. Denn der entscheidende Bruch mit der Welt und dem Diesseits, was für einen Nichtchristen Tod heißt, hat sich bei dir bereits in der Taufe vollzogen. Und zwar nicht bloß gedanklich, denn du bist hineingezogen worden in den Tod Christi. Das ist kein Bild, sondern Realität. Paulus betont diese Realität auch an anderer Stelle, wenn er schreibt: „Denn ihr seid gestorben, und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott.“ (Kol 3,3)

Weil also der Getaufte durch seine Beziehung zu Christus schon Anteil hat an seinem Tod und seiner Auferstehung, so hat auch unser menschliches Sterben, das für die Welt Untergang und Ende ist, für den Christen eine ganz andere Bedeutung. Der Christ hat sich in der Taufe schon von der Welt getrennt und ist hineingenommen in Jesus Christus, der beim Vater im Himmel ist.

Dass aber der Tod für den Christen ein anderes Sterben ist, als der Tod der Welt, ist ebenfalls unter dem Schleier des Christusgeheimnisses verborgen. Aber es bleibt die Tatsache, die du am Ende deines Lebens erfahren wirst: dass das Sterben eines Christen anders sein wird, als das Sterben eines Heiden, der das göttliche Leben nicht in sich hat und selber das durchstehen muss, was Christus bereits für dich durchgemacht hat. Wie erlösend und befreiend wirkt diese Realität, wenn man sich ihrer erst bewusst wird!

Durch diese von Gott geschenkte Überlegenheit über den Tod, und somit über alle Schrecken dieser Welt, ist Paulus, im Angesicht seines möglichen Todes, in der Lage, im Gefängnis folgendes zu schreiben: „Für mich ist Christus das Leben, und Sterben Gewinn.“ (Phil 1, 21) Durch das Sterben kommt seine tiefste Sehnsucht, mit Christus auf ewig und ungestört vereint zu sein, ans Ziel. Deswegen ist das Sterben für ihn Gewinn.

Obwohl du als Getaufter diese befreiende Nachricht schon oft gehört hast, gehst du, als ob nichts passiert wäre, genauso wie ein Ungetaufter auf deinen Tod zu. Das ist ein Zeichen dafür, dass die Erfahrung dieser erlösenden Realität höchstens in deinem Kopf angekommen ist. Sie muss aber bis in dein Herz vordringen und dein Leben durchdringen, dann wirst du als Erlöster das neue Leben leben.

 

Einladung zum Nachdenken

Ein provokanter Text mit Sprengkraft. Aber fragen wir uns in Zeiten von Corona, wo jeden Abend Todeszahlen in den Nachrichten erscheinen: Wie geht es mir beim Gedanken an meinen eigenen Tod?
Was erwarte ich auf der anderen Seite der Wirklichkeit?
Bin ich vorbereitet auf die Begegnung mit Gott?

 

Gebet

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir.

Du bist gebenedeit unter den Frauen,
und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus.

Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder,

jetzt und in der Stunde unseres Todes. Amen.

 

Ihr Pfarrer Thomas Müller

 

 

Bibelstelle zur Betrachtung

Philippus war auf der Straße von Jerusalem nach Gaza unterwegs. Nun war da ein Äthiopier, ein Kämmerer, Hofbeamter der Kandake, der Königin der Äthiopier, der ihren ganzen Schatz verwaltete. Dieser war nach Jerusalem gekommen, um Gott anzubeten, und fuhr jetzt heimwärts. Er saß auf seinem Wagen und las den Propheten Jesaja. Und der Geist sagte zu Philippus: Geh und folge diesem Wagen. Philippus lief hin und hörte ihn den Propheten Jesaja lesen. Da sagte er: Verstehst du auch, was du liest?

Jener antwortete: Wie könnte ich es, wenn mich niemand anleitet?

Und er bat den Philippus, einzusteigen und neben ihm Platz zu nehmen.

Der Abschnitt der Schrift, den er las, lautete: Wie ein Schaf wurde er zum Schlachten geführt; und wie ein Lamm, das verstummt, wenn man es schert, so tat er seinen Mund nicht auf. In der Erniedrigung wurde seine Verurteilung aufgehoben. Seine Nachkommen, wer kann sie zählen? Denn sein Leben wurde von der Erde fortgenommen.

Der Kämmerer wandte sich an Philippus und sagte: Ich bitte dich, von wem sagt der Prophet das? Von sich selbst oder von einem anderen?

Da begann Philippus zu reden, und ausgehend von diesem Schriftwort verkündete er ihm das Evangelium von Jesus.

Als sie nun weiterzogen, kamen sie zu einer Wasserstelle. Da sagte der Kämmerer: Hier ist Wasser. Was steht meiner Taufe noch im Weg?

Da sagte Philippus zu ihm: Wenn du aus ganzem Herzen glaubst ist es möglich. Er antwortete: Ich glaube, dass Jesus Christus der Sohn Gottes ist.

Er ließ den Wagen halten, und beide, Philippus und der Kämmerer, stiegen in das Wasser hinab, und er taufte ihn. (Apg, 8,27-38)

 

Gedanken zur Betrachtung

In dieser Bibelstelle wird die Bedeutung des Glaubens für die Taufe sichtbar. Keine Taufe ohne den Glauben an Gott den Vater, seinen Sohn Jesus Christus und den Heiligen Geist! Diesen Glauben muss der Täufling vor seiner Taufe selbst oder, bei Säuglingen, durch den Mund der Paten und Eltern bekennen. Auch nach der Taufe ist der Glaube noch von herausragender Bedeutung, da die großen Dinge, die uns durch die Taufe geschenkt werden, für unsere Augen, wie unter einem Schleier, noch im Verborgenen liegen. Daher lädt die Kirche in ihrem wichtigsten Gottesdienst des ganzen Jahres, der Osternacht, alle Gläubigen ein, dem Bösen zu widersagen, und den Glauben neu zu bekennen. Dies ist gleichbedeutend mit der Bitte an Gott, die in der Taufe empfangene Gnade tiefer in deinem Leben zu entfalten. Durch die Bekräftigung deines Taufbundes in der Osternacht erlaubst du Gott, in dir und durch dich zu wirken. Dieses Wirken Gottes wird auch wieder auf deinen Glauben rückwirken und ihn stärken.

Die von Gott immer wieder erbetene Entfaltung der Taufgnade kannst du verstehen als einen Prozess des Erwachsenwerdens im Glauben. Der menschliche Embryo im Schoß seiner Mutter trägt schon alle Anlagen und Fähigkeiten in sich, die sich später in Kindheit, Jugend und als erwachsener Mensch entfalten. Genauso ist es mit der Gnade, die uns in der Taufe geschenkt wurde, sie muss sich in meinem Leben unter der Führung des Heiligen Geistes entfalten. Diese Entfaltung kann sich aber nur dort ungestört vollziehen, wo sie in gesunde Beziehungen eingebettet ist. So wie Kinder und Jugendliche in der Entfaltung ihrer Möglichkeiten gehindert sein können, wenn das soziale Umfeld (Familie, Freunde, Schule, etc.) nicht stimmt, so wird die Entfaltung der Taufgnade in meinem Leben behindert, wenn meine Beziehung zu Gott und der Kirche nicht stimmen.

 

Einladung zum Nachdenken

Wo stehe ich auf meinem Glaubensweg?
Was ist seit dem letzten Osterfest, vor annähernd einem Jahr, neu gewachsen?
Wie könnte der nächste Schritt im Glauben aussehen, zu dem der Herr mich einlädt?

 

Gebet

Barmherziger Gott, diese heilige Zeit der Buße und des Gebetes

mache unsere Herzen bereit, die Ostergnade zu empfangen

und das Lob des Erlösers zu verkünden,

der in der Einheit des Heiligen Geistes

mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

 

Ihr Pfarrer Thomas Müller

 

 

Bibelstelle zur Betrachtung

Nach dem Sabbat kamen in der Morgendämmerung des ersten Tages der Woche Maria aus Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab (Jesu) zu sehen. Plötzlich entstand ein gewaltiges Erdbeben; denn ein Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat an das Grab, wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Gestalt leuchtete wie ein Blitz und sein Gewand war weiß wie Schnee.

Die Wächter begannen vor Angst zu zittern und fielen wie tot zu Boden.

Der Engel aber sagte zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, ihr sucht Jesus, den Gekreuzigten. Er ist nicht hier; denn er ist auferstanden, wie er gesagt hat. Kommt her und seht euch die Stelle an, wo er lag. Dann geht schnell zu seinen Jüngern und sagt ihnen: Er ist von den Toten auferstanden. Er geht euch voraus nach Galiläa, dort werdet ihr ihn sehen. Ich habe es euch gesagt.

Sogleich verließen sie das Grab und eilten voll Furcht und großer Freude zu seinen Jüngern, um ihnen die Botschaft zu verkünden.

Die elf Jünger gingen nach Galiläa auf den Berg, den Jesus ihnen genannt hatte. Und als sie Jesus sahen, fielen sie vor ihm nieder. Einige aber hatten Zweifel. Da trat Jesus auf sie zu und sagte zu ihnen: Mir ist alle Macht gegeben im Himmel und auf der Erde.

Darum geht zu allen Völkern, und macht alle Menschen zu meinen Jüngern; tauft sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, und lehrt sie, alles zu befolgen, was ich euch geboten habe. Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt. (Mt 28, 1-8. 16-20)

 

Gedanken zur Betrachtung

Der Taufauftrag Jesu an seine Jünger ist einer der eindeutigsten Befehle Jesu, die uns die Bibel überliefert. Er hat uneingeschränkte Gültigkeit für alle Zeiten. Da die Taufe heilsnotwendig ist, ist dies das einzige Sakrament, das alle Christen, ja sogar Heiden, wenn sie es in richtiger Absicht tun, spenden können. Der Taufauftrag Jesu hat neben dem klaren Auftrag, alle Menschen (natürlich nicht gegen ihren Willen) auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes zu taufen, noch zwei weitere wichtige Komponenten.

Zum einen, die Menschen zu lehren „alles zu befolgen, was ich euch geboten habe“. Das erinnert uns an das wichtigste Gebot, die Gottes- und Nächstenliebe. Hierin zeigt sich, ob du als Getaufter bereits durch die dir geschenkte Taufgnade das neue Leben begonnen hast zu leben. Die Kraft dazu ist seit der Taufe da, nur musst du in deiner Freiheit mitarbeiten, dass der neue Mensch in dir immer mehr sichtbar wird. Durch die Taufe bist du berufen und befähigt zu einem Leben im Heiligen Geist. Und so wie ein Baum aus einem kleinen Samen herauswächst und Früchte bringt, so wächst auch das Leben im Heiligen Geist. Es stellt sich dann fast unmerklich die Frucht des Geistes ein. „Die Frucht des Geistes aber ist Liebe, Freude, Friede, Langmut, Freundlichkeit, Güte, Treue, Sanftmut und Selbstbeherrschung.“ (Gal 5, 22-23)

Die zweite Komponente ist eine Verheißung Jesu, es sind die letzten Worte des Matthäusevangeliums: „Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt.“ Dieses Versprechen Jesu gilt zunächst der Kirche als Gemeinschaft der Getauften, es gilt aber auch dir ganz persönlich. Gott hat mit dir in der Taufe einen ewigen Bund geschlossen in dem er dir die Zusage gab: ‚Ich bin dein Gott, ich werde immer für dich da sein und dich zu mir in den Himmel führen.’ Deine Antwort an Gott bei der Taufe, meist durch den Mund deiner Eltern und Taufpaten gesprochen, war nicht weniger radikal. Sie lässt sich zusammenfassen auf den kurzen Satz: ‚Ich gehöre ganz dir!’ Dämmert es dir langsam? Dein Leben gehört seit der Taufe nicht mehr dir, sondern Gott. Diese Tatsache kann, wenn du sie annimmst, eine unheimliche Befreiung bewirken, denn Gott kann und will in seiner Liebe viel mehr für dich tun, als du dir auch nur vorstellen kannst. Sie kann aber auch Angst und Beklemmung auslösen, wenn man es nicht richtig versteht und nicht bereit ist Gott zu vertrauen.

Einladung zum Nachdenken

Habe ich mich, seit dem Tag meiner Taufe, bis heute irgendwann einmal in Freiheit für meine Beziehung mit Gott entschieden?
Kann ich jetzt in Freiheit und ohne Angst sagen:
Herr mein Gott, ich gehöre dir.
Mein Leben liegt in deinen Händen.
Tu mit mir was du möchtest.

Was kommen für Gedanken und Empfindungen in mir auf, wenn ich diese Worte im Gebet ausspreche?

 

Gebet

Allherrschender Gott, du schenkst uns im österlichen Geheimnis jenes wunderbare Leben, dass die Welt unablässig erneuert. Lass das Werk deiner Gnade in unserem Leben wirksam werden und gib uns alles, was wir in dieser Zeit brauchen um als deine Jüngerinnen und Jünger zu leben. Darum bitten wir durch Jesus Christus unseren Herrn.

 

Ihr Pfarrer Thomas Müller

 

 

Bibelstelle zur Betrachtung

Mit Christus wurdet ihr in der Taufe begraben, mit ihm auch auferweckt, durch den Glauben an die Kraft Gottes, der ihn von den Toten auferweckt hat. Ihr wart tot infolge eurer Sünden, und euer Leib war unbeschnitten; Gott aber hat euch mit Christus zusammen lebendig gemacht und uns alle Sünden vergeben. Er hat den Schuldschein, der gegen uns sprach, durchgestrichen und seine Forderungen, die uns anklagten, aufgehoben. Er hat ihn dadurch getilgt, dass er ihn an das Kreuz geheftet hat.

Ihr seid mit Christus auferweckt; darum strebt nach dem, was im Himmel ist, wo Christus zur Rechten Gottes sitzt. Richtet euren Sinn auf das Himmlische und nicht auf das Irdische! Denn ihr seid gestorben und euer Leben ist mit Christus verborgen in Gott. Wenn Christus, unser Leben, offenbar wird, dann werdet auch ihr mit ihm offenbar werden in Herrlichkeit. (Kol 2 12-14; 3,1-4)

 

Gedanken zur Betrachtung

 

Das Sakrament der Taufe und seine Folgen für meine Beziehung zu Gott und den Mitmenschen ist untrennbar mit dem Geschehen von Karfreitag und Ostern verbunden. Es ist daher angemessen, sich in der österlichen Bußzeit bewusst zu werden, dass es ohne Tod und Auferstehung Jesu keine Taufe gäbe, ja, es gäbe überhaupt keines der sieben Sakramente. Und ohne die Taufe, die uns ganz real der Macht des Bösen entreißt und die Trennung zwischen Gott und dem Menschen, als Folge der Sünde, aufhebt, wären wir weiterhin, wie Paulus sagt, „Feinde Gottes“ und nicht, wie Jesus uns nennt, „seine Freunde“.

 

Wir können die Erlösung und das Geschenk der Taufe, welche uns Jesus Christus gebracht hat, gar nicht hoch genug einschätzen. Erst die Taufe macht uns zu Kindern Gottes und gibt dem Menschen ganz direkt und ganz persönlich Anteil an der Erlösung und am ewigen Heil, welches für alle Menschen nur in und durch Jesus Christus kommt. Die Heilige Schrift sagt es sehr deutlich: „In keinem anderen ist das Heil zu finden. Denn es ist uns Menschen kein anderer Name unter dem Himmel gegeben, durch den wir gerettet werden sollen.“ (Apg 4,12) In der Taufe sind wir mit Christus gestorben und haben durch ihn neues, ewiges Leben empfangen. Der Himmel, die ewige Gemeinschaft steht uns offen, wenn wir uns bemühen mit Christus als Kinder Gottes zu Leben und den Willen des Vaters zu tun.

 

Da es sich bei der Taufe um das wichtigste Sakrament handelt und die Taufe untrennbar mit dem Ostergeheimnis verbunden ist, so ist es gut, in diesen Tagen auch die Auferstehung Jesu in den Blick zu nehmen. Daraus ergeben sich die weiteren Folgen der Taufe, die sich auf meine Beziehung zu Gott und zu den Mitchristen auswirken.

Einladung zum Nachdenken

Weiß ich etwas von meiner eigenen Taufe? Gibt es Bilder? Wann ist mein Tauftag?
Bedenken wir heute mal ganz bewusst die Tatsache, dass durch die Taufe, dass göttliche Leben bereits in mir ist.

 

Gebet

Herr Jesus Christus, wir bitten dich um das Licht deines Heiligen Geistes, der uns in die tiefsten Geheimnisse unseres Glaubens führt. Komm, Heiliger Geist, lass uns die Größe des Geheimnisses unserer Taufe entdecken und begreifen, was uns bereits geschenkt ist. Erwecke in uns neu die Gnade der Taufe, damit wir als Kinder Gottes in der Welt leben.

 

Ihr Pfarrer Thomas Müller

Evangelium Joh 9, 1-41

Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen

+ Aus dem heiligen Evangelium nach Johannes

In jener Zeit

sah Jesus einen Mann, der seit seiner Geburt blind war.

Da fragten ihn seine Jünger: Rabbi, wer hat gesündigt? Er selbst? Oder haben seine Eltern gesündigt, so dass er blind geboren wurde?

Jesus antwortete: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden.

Wir müssen, solange es Tag ist, die Werke dessen vollbringen, der mich gesandt hat; es kommt die Nacht, in der niemand mehr etwas tun kann.

Solange ich in der Welt bin, bin ich das Licht der Welt.

Als er dies gesagt hatte, spuckte er auf die Erde; dann machte er mit dem Speichel einen Teig, strich ihn dem Blinden auf die Augen

und sagte zu ihm: Geh und wasch dich in dem Teich Schiloach! Schiloach heißt übersetzt: Der Gesandte. Der Mann ging fort und wusch sich. Und als er zurückkam, konnte er sehen.

Die Nachbarn und andere, die ihn früher als Bettler gesehen hatten, sagten: Ist das nicht der Mann, der dasaß und bettelte?

Einige sagten: Er ist es. Andere meinten: Nein, er sieht ihm nur ähnlich. Er selbst aber sagte: Ich bin es.

Da fragten sie ihn: Wie sind deine Augen geöffnet worden?

Er antwortete: Der Mann, der Jesus heißt, machte einen Teig, bestrich damit meine Augen und sagte zu mir: Geh zum Schiloach, und wasch dich! Ich ging hin, wusch mich und konnte wieder sehen.

Sie fragten ihn: Wo ist er? Er sagte: Ich weiß es nicht.

Da brachten sie den Mann, der blind gewesen war, zu den Pharisäern.

Es war aber Sabbat an dem Tag, als Jesus den Teig gemacht und ihm die Augen geöffnet hatte.

Auch die Pharisäer fragten ihn, wie er sehend geworden sei. Der Mann antwortete ihnen: Er legte mir einen Teig auf die Augen; dann wusch ich mich, und jetzt kann ich sehen.

Einige der Pharisäer meinten: Dieser Mensch kann nicht von Gott sein, weil er den Sabbat nicht hält. Andere aber sagten: Wie kann ein Sünder solche Zeichen tun? So entstand eine Spaltung unter ihnen.

Da fragten sie den Blinden noch einmal: Was sagst du selbst über ihn? Er hat doch deine Augen geöffnet. Der Mann antwortete: Er ist ein Prophet.

Die Juden aber wollten nicht glauben, dass er blind gewesen und sehend geworden war. Daher riefen sie die Eltern des Geheilten und fragten sie: Ist das euer Sohn, von dem ihr behauptet, dass er blind geboren wurde? Wie kommt es, dass er jetzt sehen kann?

Seine Eltern antworteten: Wir wissen, dass er unser Sohn ist und dass er blind geboren wurde.

Wie es kommt, dass er jetzt sehen kann, das wissen wir nicht. Und wer seine Augen geöffnet hat, das wissen wir auch nicht. Fragt doch ihn selbst, er ist alt genug und kann selbst für sich sprechen.

Das sagten seine Eltern, weil sie sich vor den Juden fürchteten; denn die Juden hatten schon beschlossen, jeden, der ihn als den Messias bekenne, aus der Synagoge auszustoßen.

Deswegen sagten seine Eltern: Er ist alt genug, fragt doch ihn selbst.

Da riefen die Pharisäer den Mann, der blind gewesen war, zum zweiten Mal und sagten zu ihm: Gib Gott die Ehre! Wir wissen, dass dieser Mensch ein Sünder ist.

Er antwortete: Ob er ein Sünder ist, weiß ich nicht. Nur das eine weiß ich, dass ich blind war und jetzt sehen kann.

Sie fragten ihn: Was hat er mit dir gemacht? Wie hat er deine Augen geöffnet?

Er antwortete ihnen: Ich habe es euch bereits gesagt, aber ihr habt nicht gehört. Warum wollt ihr es noch einmal hören? Wollt auch ihr seine Jünger werden?

Da beschimpften sie ihn: Du bist ein Jünger dieses Menschen; wir aber sind Jünger des Mose.

Wir wissen, dass zu Mose Gott gesprochen hat; aber von dem da wissen wir nicht, woher er kommt.

Der Mann antwortete ihnen: Darin liegt ja das Erstaunliche, dass ihr nicht wisst, woher er kommt; dabei hat er doch meine Augen geöffnet.

Wir wissen, dass Gott einen Sünder nicht erhört; wer aber Gott fürchtet und seinen Willen tut, den erhört er. Noch nie hat man gehört, dass jemand die Augen eines Blindgeborenen geöffnet hat. Wenn dieser Mensch nicht von Gott wäre, dann hätte er gewiss nichts ausrichten können.

Sie entgegneten ihm: Du bist ganz und gar in Sünden geboren, und du willst uns belehren? Und sie stießen ihn hinaus.

Jesus hörte, dass sie ihn hinausgestoßen hatten, und als er ihn traf, sagte er zu ihm: Glaubst du an den Menschensohn?

Der Mann antwortete: Wer ist das, Herr? Sag es mir, damit ich an ihn glaube.

Jesus sagte zu ihm: Du siehst ihn vor dir; er, der mit dir redet, ist es.

Er aber sagte: Ich glaube, Herr! Und er warf sich vor ihm nieder.

Da sprach Jesus: Um zu richten, bin ich in diese Welt gekommen: damit die Blinden sehend und die Sehenden blind werden.

Einige Pharisäer, die bei ihm waren, hörten dies. Und sie fragten ihn: Sind etwa auch wir blind?

Jesus antwortete ihnen: Wenn ihr blind wärt, hättet ihr keine Sünde. Jetzt aber sagt ihr: Wir sehen. Darum bleibt eure Sünde.

 

Wir feiern heute den vierten Fastensonntag, der mit dem Wort Laetare – Freue Dich überschrieben ist. Aber kann es Vorfreude auf Ostern in diesem Jahr, in dem so viele Menschen unter der Coronakrise leiden und uns die öffentlichen Gottesdienste verwehrt sind, geben?

Das – lange – Evangelium des heutigen Sonntages erzählt uns von der Heilung eines Blinden. Blindsein ist erstmal natürlich nichts Gutes. Wie die Menschen damals, fragen wir nach den Ursachen und damit nach dem Sinn von Krankheit und Leid. Jesus antwortet: Weder er noch seine Eltern haben gesündigt, sondern das Wirken Gottes soll an ihm offenbar werden.

Das gilt auch heute: Corona ist ein Übel – das ist klar, und wir hoffen und beten, dass diese Epidemie bald von uns genommen wird. Aber Gott kann selbst noch durch ein Übel hindurchwirken. Denken Sie heute darüber nach, welchen Sinn die augenblickliche Situation in Ihrem Leben haben könnte. Was könnte das Wirken Gottes sein, das jetzt an Ihnen offenbar werden soll?

Der Blinde begegnet Jesus und wird von ihm geheilt; er wird sehend und sieht das Licht der Welt. Erst jetzt kann er sagen: Ich bin es, denn indem er Jesus sieht, kann er sich auch selbst und sein Leben richtig erkennen.

Corona greift nach unserem Leben und scheint alles zu überlagern; aber so erkennen wir uns und die Welt nicht richtig. Wir erkennen sie, wenn wir sehen: die Auferstehung Jesu ist in die Geschichte dieser Welt eingeschrieben und seit der Taufe in mein Leben. Wir gehen ins Licht. Nicht Krise, Corona, nicht Leid und Tod werden das letzte Wort behalten. Sollten wir das meinen, wären wir noch blind. Der Sonntag lädt uns ein, dass wir unser Leben, unsere Ängste und Sorgen sozusagen in der Auferstehung Jesu waschen. Feiern Sie diesen Tag (Wie könnten Sie das heute konkret tun?), lassen Sie das österliche Licht in Ihr Leben dringen. Die Auferstehung sei das Vorzeichen bei all Ihrem Denken und Handeln.

Einen gesegneten Sonntag wünscht Ihnen                                                                          Ihr Pastor O. Dregger

Das dritte Element der Fastenzeit ist das Gebet. Zweifelsohne werden in der gegenwärtigen Coronakrise viele Menschen mehr, manche überhaupt erst wieder beten. Das Aveläuten morgens, mittags und abends und das in der ganzen Erzdiözese angeordnete Gebetsläuten um 19.30 Uhr sollten wir, wenn irgend möglich, in dieser Zeit der Aussetzung öffentlicher Gottesdienste unbedingt wahrnehmen, als Gelegenheit der Verbundenheit im Gebet für Kranke, Sterbende, Helfer und uns alle in dieser schweren Zeit.

Ich möchte ich Sie einladen, heute über einen Punkt nachzudenken, der mich zurzeit sehr umtreibt. Mich hat es immer wieder berührt, in vielen englischen Herrenhäusern sog. priest holes zu sehen,  ein oft zwischen zwei Wänden befindliches winziges Gelass, in denen man während der Reformation und danach Priester versteckte, damit sie heimlich die Messe feiern konnten. Das war nicht nur für den Priester, sondern auch für die ganze ihn beherbergende Familie und alle Teilnehmer lebensgefährlich und viele, die man entdeckte, wurden auf grausame Weise hingerichtet. Dann denke ich an die frühen Christen, die, als man ihnen die Gottesdienste verbot und sie sich trotzdem zur Eucharistie versammelten, vor den Gerichten bekannten: sine dominico non possumus – ohne den Sonntag (=die Eucharistie) können wir nicht. Ich denke daran, unter welch schrecklichen und lebensbedrohlichen Umständen in KZs und an anderen menschenverachtenden Orten heimlich Messe gefeiert wurde und wie viele dafür gestorben sind. Und ich denke daran, wie Card. Meisner manchmal von Gruppen in der UDSSR berichtete, die, weil priesterlos, sich heimlich zum Gebet versammelten, am Beginn eine Stola über einen Tisch legten und bitterlich weinten, weil sie keinen Zugang zu den Sakramenten hatten. Können wir das in der gegenwärtigen Situation nachempfinden? Oder waren das in früheren Zeiten religiöse Spinner oder zwanghafte Fanatiker? Fehlte es ihnen an Aufgeklärtheit? Wäre ihnen mit einem Livestream zu helfen gewesen?

Bitte verstehen Sie mich richtig! Ich will die gegenwärtig ergriffenen Maßnahmen in Bezug auf die Gottesdienste nicht kritisieren! Zu ermessen, was in der jetzigen Situation das Richtige ist, fehlt mir die Kompetenz, und wir wissen ja, dass wir uns hoffentlich bald wieder zur Eucharistie werden versammeln können und christliche Gemeinden zeitweise ohne die Eucharistie überleben konnten. Mir geht es nur darum, die Geisteshaltung zu verstehen und in sie hineinzuwachsen, die die Christen vergangener Jahrhunderte beseelt hat, und in die hineinzuwachsen wir jetzt vielleicht eine besondere Chance haben. Diese Christen wollten keine Helden sein, sondern sie hatten etwas erkannt. Sie haben begriffen, dass es beim Gebet und in unüberbietbarer, nicht zu ersetzender Weise bei der Eucharistie nicht nur um die Bearbeitung irdischer Probleme geht, sondern um die elevatio mentis in deum (Thomas von Aquin)– die Erhebung des Menschen in Gott und dass von diesem Punkt aus unser irdisches Leben überhaupt erst in rechter Weise zu bewältigen ist und dass, wenn wir diesen Punkt nicht suchen und finden, das ganze Leben seinen Sinn verliert. „Sucht zuerst das Reich Gottes und alles andere wird euch dazugegeben“, sagt Jesus.

Gebet

Guter Gott, lass mich Dich suchen und Dich finden; getrennt von Dir kann ich nichts vollbringen. Wecke und stärke in mir die Sehnsucht nach der Eucharistie, in der Deine Liebe unter uns brennt und in der Du mein Leben vergöttlichen willst. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

Ihr Pastor O. Dregger

 

Am Mittwoch habe ich versucht, das Fastenelement der Nächstenliebe für die gegenwärtige Situation auszulegen.

Auch den Verzicht erleben wir in der Coronakrise in besonderer Weise:

  • Verzicht auf gemeinsame Gottesdienste
  • Verzicht auf soziale Kontakte
  • Verzicht auf Freizeitbeschäftigungen
  • Verzicht auf Freiheit
  • Verzicht auf wirtschaftliche Prosperität
  • Was erleben Sie noch als Verzicht?

Die Fastenzeit sieht den Verzicht basierend auf der Hl. Schrift durchaus auch als eine Chance; aus der Glaubenserfahrung bieten sich folgende Möglichkeiten, den Verzicht fruchtbar zu machen.

  • Verzicht kann mich in eine größere Freiheit führen und mich aus falschen Abhängigkeiten lösen.
  • Verzicht schafft Raum für Wesentliches, für Gott.
  • Verzicht öffnet mein Herz, lässt mich andere besser verstehen, die unter Einschränkungen leiden.
  • Das durch einen Verzicht Eingesparte (Zeit, Geld etc.) kann ich anderswo und besser investieren. (Zeit zum Gebet; Mittel für Bedürftige)
  • Der zeitweilige Verzicht auf etwas Gutes lässt mich dessen Wert besser erkennen und weckt die Sehnsucht danach.
  • Verzicht lässt mich Prioritäten neu setzen und erkennen, worauf es im Leben wirklich ankommt.
  • Durch den Verzicht kann ich Christus besser verstehen, der alles hingegeben und verloren hat, am Ende sogar sein Leben. Ich kann in seine Lebenshaltung hineinwachsen.
  • Im Verzicht kann man mir das Geheimnis aufleuchten: Wer sein Leben verliert, wird es retten. Jedes wirkliche Leben entsteht nur aus Hingabe, Liebe also auch aus Opfer und Verzicht.
  • Der Verzicht kann eine Form der Buße sein für Sünden, die ich begangen habe.

Nicht jede Möglichkeit passt zu jeder Form des Verzichts. Der Verzicht auf gemeinsame Gottesdienste führt mich z.B. bestimmt nicht in eine größere Freiheit, aber er kann die Sehnsucht nach der Liturgie und den Sakramenten in mir wachsen lassen.

Denken Sie darüber nach, wie Sie Ihren Verzicht fruchtbar machen können, damit Sie wachsen und Ihr Leben an Fülle gewinnt.

Gebet

Gott, du Retter in jeder Not, so viele Menschen haben in diesen Tagen nicht nur Angst um ihre Gesundheit, sondern vor allem um ihre wirtschaftliche Existenz. Was sie mit viel Arbeit und oft über lange Zeit aufgebaut haben, wird zerstört, und die Zukunft scheint dunkel und ungewiss.

Gib uns nicht nur in der augenblicklichen Situation, sondern auch danach die Bereitschaft, die Lasten gemeinsam zu tragen. Lass uns nicht der Versuchung der Hoffnungslosigkeit nachgeben, sondern hilf uns, für andere ein mutmachendes Zeichen zu sein. Lenke Du unsere Zukunft, sei Du unsere Zukunft und schenke allen eine gute Zukunft. Darum bitten wir durch Christus, unseren Herrn.

 

Ihr Pastor O. Dregger

19. März – Hochfest des hl. Joseph

„Ite ad Joseph“ – Geht zu Joseph! – so konnte man früher in manchen Kirchen lesen. Joseph, der Nährvater Jesu, ist Patron für besondere Notlagen (weil er das Christuskind vor der Verfolgung des Herodes durch die Flucht nach Ägypten rettete), der Arbeiter (weil er selbst als Bauhandwerker tätig war), der Sterbenden (weil er nach kirchlicher Überlieferung im Beisein Christi und in den Armen Mariä starb) und der ganzen Kirche (denn er hat Jesus behütet, dessen Leib die Kirche ist).

Von Joseph, den nach dem Zeugnis der Bibel seine Gerechtigkeit und sein Gehorsam gegenüber Gott auszeichnete, ist kein einziges Wort überliefert. Schweigend und entschieden tut er das, was richtig ist.

Der hl. Joseph sagt uns in der gegenwärtigen Situation:

Lass Dich nicht verrückt machen, heize die Situation nicht durch Spekulationen und erschreckende Zukunftsszenarien auf, trage Deine Situation vor Gott und vertraue darauf, dass es immer einen Weg gibt, weil es Gott gibt.

Versuchen Sie heute, in die Haltung des hl. Joseph hineinzuwachsen, indem Sie sich in Ruhe die Texte aus der Hl. Schrift durchlesen, die unten angefügt sind. Legen Sie sich und alle Menschen, um die Sie Sorge tragen, dem Hl. Joseph in die Arme, besonders auch alle Sterbenden.

Meditieren Sie, dass neben den vielen Menschen, die hier auf der Erde versuchen zu helfen, es eine Fülle von Menschen gibt – die Heiligen -, denen wir nicht gleichgültig sind, die für uns beten und die uns gerade in dieser Situation nicht allein lassen. Zu welchem Heiligen haben Sie eine besondere Beziehung?

„Ite ad Joseph“ – heute ganz besonders.

Gebet

Allmächtiger Gott, du hast Jesus, unseren Heiland, und seine Mutter Maria der treuen Sorge des heiligen Josef anvertraut. Höre auf seine Fürsprache und hilf deiner Kirche, die Geheimnisse der Erlösung treu zu verwalten, bis das Werk des Heiles vollendet ist. Darum bitten wir durch Jesus Christus, deinen Sohn, unseren Herrn und Gott, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Ihr Pastor O. Dregger

Mt 1,18–25; 2,13-15.19-23

Mit der Geburt Jesu Christi war es so: Maria, seine Mutter, war mit Josef verlobt; noch bevor sie zusammengekommen waren, zeigte sich, dass sie ein Kind erwartete – durch das Wirken des Heiligen Geistes.

Josef, ihr Mann, der gerecht war und sie nicht bloßstellen wollte, beschloss, sich in aller Stille von ihr zu trennen.

Während er noch darüber nachdachte, siehe, da erschien ihm ein Engel des Herrn im Traum und sagte: Josef, Sohn Davids, fürchte dich nicht, Maria als deine Frau zu dir zu nehmen; denn das Kind, das sie erwartet, ist vom Heiligen Geist.

Sie wird einen Sohn gebären; ihm sollst du den Namen Jesus geben; denn er wird sein Volk von seinen Sünden erlösen.

Dies alles ist geschehen, damit sich erfüllte, was der Herr durch den Propheten gesagt hat:

Siehe: Die Jungfrau wird empfangen / und einen Sohn gebären / und sie werden ihm den Namen Immanuel geben, / das heißt übersetzt: Gott mit uns.

Als Josef erwachte, tat er, was der Engel des Herrn ihm befohlen hatte, und nahm seine Frau zu sich.

Er erkannte sie aber nicht, bis sie ihren Sohn gebar. Und er gab ihm den Namen Jesus.

Als die Sterndeuter wieder gegangen waren, siehe, da erschien dem Josef im Traum ein Engel des Herrn und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und flieh nach Ägypten; dort bleibe, bis ich dir etwas anderes auftrage; denn Herodes wird das Kind suchen, um es zu töten.

Da stand Josef auf und floh in der Nacht mit dem Kind und dessen Mutter nach Ägypten.

Dort blieb er bis zum Tod des Herodes. Denn es sollte sich erfüllen, was der Herr durch den Propheten gesagt hat: Aus Ägypten habe ich meinen Sohn gerufen.

Als Herodes gestorben war, siehe, da erschien dem Josef in Ägypten ein Engel des Herrn im Traum

und sagte: Steh auf, nimm das Kind und seine Mutter und zieh in das Land Israel; denn die Leute, die dem Kind nach dem Leben getrachtet haben, sind tot.

stand er auf und zog mit dem Kind und dessen Mutter in das Land Israel.

Als er aber hörte, dass in Judäa Archelaus anstelle seines Vaters Herodes regierte, fürchtete er sich, dorthin zu gehen. Und weil er im Traum einen Befehl erhalten hatte, zog er in das Gebiet von Galiläa

und ließ sich in einer Stadt namens Nazaret nieder. Denn es sollte sich erfüllen, was durch die Propheten gesagt worden ist: Er wird Nazoräer genannt werden.