Impulse zum Advent

Das Angelusgebet

Der Engel des Herrn brachte Maria die Botschaft, und sie empfing vom Heiligen Geist.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Maria sprach: Siehe, ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe nach deinem Wort.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Und das Wort ist Fleisch geworden und hat unter uns gewohnt.

Gegrüßet seist du, Maria, voll der Gnade, der Herr ist mit dir. Du bist gebenedeit unter den Frauen, und gebenedeit ist die Frucht deines Leibes, Jesus. Heilige Maria, Mutter Gottes, bitte für uns Sünder jetzt und in der Stunde unseres Todes.

Bitte für uns, heilige Gottesmutter, auf dass wir würdig werden der Verheißungen Christi.

Lasset uns beten. Allmächtiger Gott, gieße deine Gnade in unsere Herzen ein. Durch die Botschaft des Engels haben wir die Menschwerdung Christi, deines Sohnes, erkannt. Lass uns durch sein Leiden und Kreuz zur Herrlichkeit der Auferstehung gelangen. Darum bitten wir durch ihn, Christus, unseren Herrn. Amen.

(auch im GOTTESLOB Nr. 3,6)

 

Dreimal am Tag, morgens um 7 Uhr, mittags um 12 Uhr  und abends um 18 Uhr ruft die Glocke zum Gebet. Das sogenannte Aveläuten hat sich über Jahrhunderte entwickelt. Seit dem 16. Jahrhundert erinnert es, geformt aus biblischen Zitaten, an die Menschwerdung Christi. Das mag erstaunen. Sind nicht Kreuz und Auferstehung das Wichtigste? Warum dann das dreimalige Gedenken daran, dass Jesus auf diese Welt gekommen ist? – Weil es darum zuerst geht: die Tempel und Mythen der Religionen, die Philosophie der Griechen, die Gebete Israels, die Kathedralen Europas reden von dieser Sehnsucht, die die Geschichte der Menschheit seit ihrem Anfang durchzittert: zu Gott zu kommen, ihm nahe zu sein. Das Einzigartige des Christentums ist: nicht der Mensch kommt zu Gott, sondern Gott zum Menschen. Er wird Mensch.

Einladung zum Nachdenken:

  • Kann ich den Schwung nach oben, zu Gott, nachvollziehen oder habe ich mich im Leben schon so eingerichtet, dass ich keine große Sehnsucht mehr habe?
  • Was habe ich in meinem Leben zu erwarten?
  • Was sind meine Wünsche? Was ist aus meinen früheren Wünschen geworden? Erzählen Sie sie Gott.

Christus tritt mit diesem Anspruch auf: Ich bin die Erfüllung Deiner tiefsten Wünsche, die auf Antwort auf Deine Sehnsucht. „ Ich bin der Weg und die Wahrheit und das Leben.“ (Joh 14,6)  Das ist ziemlich kühn und eine steile These. Kein Produkt, dass Ihnen die Werbung anbietet, wäre so dreist,  mit diesem Anspruch aufzutreten.

Wir stehen vor der Wahl: Traue ich diesem Versprechen  Jesu oder nicht? Wenn ja, dann lohnt es sich, alles einzusetzen, um ihm näher zu kommen.

Erinnerung:

  • Wir hatten uns verständigt, wenn es uns irgendwie möglich ist, zumindest abends um 18 Uhr, egal wo wir sind, das Angelusgebet zu sprechen. Das verbindet unsere Gruppe im Gebet und mit Christen überall auf der Welt.
  • Legen sie sich Blatt und Papier bereit, damit Sie wichtige Gedanken und Erfahrungen, die Sie im Advent machen, aufschreiben können: Es ist Ihr Proviant auf dem Weg zu Gott.

 

Hl. Franz Xaver

In der Kölner Kirche St. Mariä Himmelfahrt befinden sich in einer wertvollen Silberbüste ein Knochenstück des hl. Franz Xaver, dessen Fest heute gefeiert wird, und sein Rosenkranz. Franz Xaver wurde 1506 in Spanien geboren, ging zum Studium nach Paris und war ein ziemlich eitler, karrierebewusster Mann. In Paris wohnte er eine zeitlang mit dem hl. Ignatius von Loyala, dem Gründer der Jesuiten, zusammen, der ihn zum Glauben führte. Begeistert vom Glauben, wird er nun zum größten Missionar der Kirchengeschichte. Er bricht nach Goa/ Indien auf und bekehrt dort sowohl die einheimische Bevölkerung wie auch die portugiesischen Kolonialbeamten. Er und von ihm ausgebildete einheimische Missionare führen Zigtausende Menschen zum Christentum. Weiter führt ihn sein Weg nach Japan. Die Geschichte hätte wahrscheinlich einen anderen Verlauf genommen, wäre ihm, wie es sein Wunsch gewesen ist, die Einreise nach China geglückt. Am 3. Dezember 1552 stirbt er. Seine Briefe, die in Europa veröffentlicht wurden, entfachten eine neue missionarische Begeisterung.

Advent bedeutet, Christus den Weg zu bereiten – nicht nur in mein Herz, sondern auch zu den Herzen der anderen Menschen. Wie das heute bei uns gehen kann, dafür gibt es kein Patentrezept. Aber wir können uns bei der Aufgabe der Glaubensweitergabe von den Haltungen des hl. Franz Xaver prägen lassen:

  • Mut: immer wieder mal davon sprechen, dass ich Christ bin, auch wenn das viele vorderhand ablehnen oder belächeln.
  • Optimismus: die christliche Botschaft ist die beste Botschaft, die es geben kann. Sie gibt dem Leben der Menschen Tiefe und Glanz.
  • Anpassungsfähigkeit: Wie kann ich nichtungläubigen Menschen so von meinem Glauben erzählen, dass sie begreifen können, worum es mir geht.

 Einladung zum Nachdenken:

  • Wer hat in Ihrem Leben dafür gesorgt, dass Christus bei Ihnen angekommen und Ihr Glaube gewachsen ist? Danken Sie für diese Menschen, indem Sie ein kurzes Gebet sprechen!
  • Stellen Sie sich einen ganz konkreten Menschen Ihrer Umgebung vor, der nichts mit dem Glauben anfangen kann. Auch bei ihm will Christus ankommen. Welche Antwort würden Sie ihm geben, wenn er fragen würde, warum Sie Christ sind? Vielleicht erzählen Sie ihm einfach davon, dass Sie dieses Jahr im Advent einen besonderen Weg gehen wollen. Beten Sie, besonders beim Engel des Herrn, im Advent für einen konkreten Menschen, dass Christus bei ihm ankommt.

Tagesgebet

Gott, du Heil aller Menschen, du hast durch das Wirken des heiligen Franz Xaver vielen Menschen den Weg zu Dir bereitet. Wecke auch in mir den Mut und den Wunsch, das Leben anderer Menschen zu fördern, indem ich von meinem Glauben erzähle. Gib mir das rechte Wort, schenke mir in schwierigen Situationen deinen hl. Geist und lass mich nie vergessen, dass du das Herz eines jeden Menschen berühren möchtest.

 

Sel. Adolph Kolping

Der Professor, bei dem ich in Bonn Dogmatik studierte und der auch vor drei Jahren die Predigt in der Suitbertus-Vesper hielt, sagte einmal: „Was im Christentum nicht greifbar wird, ist nicht begriffen worden.“

Er beschrieb damit die eigenartige Struktur unseres Glaubens: Während in manchen anderen Religionen und Philosophien das Greifbare und Sichtbare abgewertet und der Versuch unternommen wird, alles Fleischliche und Körperliche hinter sich zu lassen, um in irgendwelchen geistig-spirituellen Sphären Erlösung zu finden, geht das Christentum den umgekehrten Weg: Erlösung kommt durch den fleischgewordenen Sohn Gottes. Von daher lässt sich das Engagement von Christen für diese Welt verstehen: nicht an dieser Welt vorbei, sondern durch sie hindurch finden wir Gott.

Ein Priester, der das gut illustriert, ist der sel. Adolph Kolping, dessen Fest heute in der Erzdiözese gefeiert wird.

1813 geboren, wuchs er als jüngster Sohn eines armen Schäfers und Kleinbauern auf. Enger Zusammenhalt in der Familie und die religiöse Erziehung prägten ihn für sein Leben. Er erlernte das Schusterhandwerk und kam als Geselle nach Köln. Entsetzt über die menschenunwürdigen Lebensbedingungen in der Stadt beschloss er, Priester zu werden und zu helfen. Als Kaplan an der Laurentiuskirche und Religionslehrer in Elberfeld lernte er die soziale Not der Industriearbeiter kennen und packte an, um ihnen zu helfen.

1849, gerade als Vikar an den Dom in Köln versetzt, gründete Kolping den Kölner Gesellenverein, eine Selbsthilfeorganisation, die durch soziale Unterstützung sowie mit Freizeit- und Bildungsangeboten verhindern sollte, dass unselbständige Handwerker ins Proletariat abrutschen und sich dem Christentum entfremden. 1853 wurde neben der Minoritenkirche in Köln das erste Gesellenhaus eröffnet, um den wandernden Arbeitern eine ordentliche Unterkunft zu bieten.

Bei Adolph Kolpings Tod am 4. Dezember 1865 gab es fast 200 Gesellenvereine. Sein Werk ist heute weltweit in 60 Ländern vertreten und hat über 350.000 Mitglieder.

Kolping hatte erkannt: Wenn Christus mit Leib und Seele bei mir ankommen soll, dann nicht nur in mein Gefühl und in mein Denken, sondern auch in meine Glieder und in meinem Leib, dann muss ich anpacken und die Welt gestalten. Und umgekehrt: wenn Jesus wahrer Mensch war wie wir und auf dieser Erde gelebt und gearbeitet hat, kann ich ihn nicht nur im Gebet, sondern auch in meiner Arbeit finden. Wenn ich mein „normales“ Leben nicht mit meinem Glauben in Verbindung bringe, entfremde ich mich ihm.

 

Einladung zum Nachdenken:

  • Machen wir unsere Arbeit zu einem Ort für Christus, indem wir ihm -vielleicht kurz vor Beginn – sagen: „All die Mühe und den Stress der Arbeit schenke ich Dir.“ Mir hilft dabei ein kurzer Blick auf das Kreuz, das auf meinem Schreibtisch steht.
  • Machen wir unsere Arbeit zu einem Ort für Christus, indem wir sie mit Liebe, Geduld und Freude tun, auch wenn sie lästig ist.
  • Seien wir dankbar, dass Gott uns die Kraft gibt, mitzuwirken am Kommen seines Reiches und an der Neugestaltung der Welt.
  • Legen wir abends ganz bewusst, alles, was wir geschafft und auch das, was wir nicht geschafft haben, in seine Hände.

 

Tagesgebet

Gott, unser Vater, Du hast den seligen Adolph Kolping vom Handwerker zum Priester berufen, um durch ihn jungen Menschen in ihrer religiösen und sozialen Not zu helfen. Auf seine Fürsprache gib uns Einsicht in die Nöte unserer Zeit und schenke uns die Kraft, sie zu überwinden.

 

Hl. Anno

Wenn man in Kaiserswerth die Pfalz besichtigt, weist einen ein Schild auf den Heiligen des heutigen Tages hin, Anno II., Erzbischof von Köln, der in Kaiserswerth im Jahre 1062 den minderjährigen König Heinrich IV. in seine Gewalt brachte und fortan die Vormundschaft für ihn übernahm. Ein Ereignis, das den Zeitgenossen als weit weniger spektakulär erschien als in unserer Gegenwart. Anno, Hofkaplan des Kaisers, war den Kölnern als Bischof aufgezwungen worden. Er galt ihnen als nicht vornehm genug und Emporkömmling. Die Kölner Erzbischöfe waren in dieser Zeit nicht nur Hirten ihrer Diözese, sondern zugleich Landesherren des Erzstifts Köln und Reichsfürsten. Anno hat sich dieser doppelten Verantwortung gestellt. Nicht nur, dass er den Armen seine besondere Fürsorge zuwandte, intensiv die Sakramente spendete und wichtige Kirchen und Reformklöster gründete (wie z.B. die Abtei Siegburg, die er zu seiner Grablege bestimmte), er griff auch energisch in die Reichspolitik ein und versuchte – mal erfolgreich, mal unterlegen, das durchzusetzen, was ihn ihm gemäß seiner Verantwortung als das Richtige erschien. Dabei hat er sicher manchmal fehlgegriffen: Die von seiner Ritterschaft durchgeführte Strafaktion über die Stadt Köln hat z.B. sein Gewissen stark belastet.

Uns mag es heute seltsam erscheinen, das ein Bischof sich in die Politik einmischt, aber eines bleibt faszinierend an Anno: Er hat sich der Verantwortung gestellt, die sein Amt ihm aufbürdete, er hat entschieden und gehandelt, und er war auch bereit, Scheitern und Versagen einzugestehen und umzukehren. Card. Höffner schrieb über ihn: „Von verschiedener Seite wurde der Versuch gemacht, ihm alle liebenswürdigen Seiten abzusprechen. Dennoch werden heute die meisten Kenner eines zugeben: Was übrig bleibt, ist eine sehr markante, wahrhaft große Persönlichkeit. Bei allen Fehlern, die er selber zugibt, und die wie Schatten seine großen Charakterzüge begleiten, ist er gerade durch die enormen Schwierigkeiten und Rückschläge zu einem Heiligen herangereift.“

Oft wissen wir nicht genau, was Gott will; wir sind unsicher und schwanken. Aber wir sollen nicht unsere Talente vergraben und angstvoll vor der Verantwortung fliehen. Wir sollen handeln, uns entscheiden, weil wir wissen, dass Gott uns trägt, auch wenn sich im Nachhinein herausstellen sollte, dass wir besser einen anderen Weg gewählt hätten. Die Liebe Gottes lässt uns von unsrer Freiheit Gebrauch machen und sie lässt uns auch eingestehen, wenn wir in die falsche Richtung gegangen sind.

Glaube bleibt immer ein Wagnis. Dem Herrn den Weg zu bereiten, ist oft genug wie der Bau einer Brücke über einen Fluss, dessen jenseitiges Ufer man noch nicht sieht.

 

Einladung zum Nachdenken:

  • Wo habe ich in meinem Leben Scheitern erfahren? Kann ich dazu stehen, es zulassen, vor Gott aussprechen und mich damit versöhnen?
  • Gibt es Entscheidungen, die ich schon tausendmal hin und her erwogen habe und immer vor mir herschiebe aus Angst, das Falsche zu tun?
  • Wo drücke ich mich vor Verantwortung?
  • Glaube ich, dass Gott mein Leben in seinen guten Händen hält und selbst aus dem Scheitern gutes Wachsen lassen kann, wenn ich ihn darum bitte?
  • Freue ich mich darüber, dass Gott meine Freiheit will?

 

Hl. Nikolaus

Zu einem der beliebtesten Heiligen, der gerade die Zeit des Advents prägt, zählt der hl. Nikolaus. Um 280  in Kleinasien geboren, wirkte er um die Mitte des 4. Jahrhunderts in Myra, dem heutigen Demre/ Türkei. Kleinasien war damals eine blühende christliche Gegend. (Vielleicht können wir heute, wenn wir den Engel des Herrn beten, auch an die Christen in der Türkei denken, die nach wie vor unter Benachteiligung und Unterdrückung leiden.) Nikolaus verteilte sein ererbtes Vermögen an die Notleidenden und trat auf dem Konzil von Nizäa energisch für die Wahrheit des Glaubens gegen den Irrlehrer Arius ein. Im Rheinland ist seine Verehrung besonders durch die Nichte des oströmischen Kaisers Theophanu verbreitet worden, die als Frau des römisch-deutschen Kaisers Otto II. im 10. Jahrhundert an den Rhein kam, viel von ihrer Kultur mitbrachte und in St. Pantaleon in Köln begraben liegt.

Wahrscheinlich haben wir alle Erinnerungen aus unserer Kinderzeit an den hl. Nikolaus. Ich selbst kann mich gut an den nicht geringen Respekt erinnern, den ich vor dem hl. Mann hatte, der vielleicht noch etwas anders drauf war, als viele Nikoläuse heute, denn in seinem Buch waren nicht nur gute, sondern auch böse Taten verzeichnet, die offen gelegt wurden, was nicht immer angenehm war. Dennoch freute ich mich auf diesen Abend, der von dem großen Wohlwollen und den Geschenken geprägt war, die der Heilige brachte.

Wir alle hören natürlich lieber Lob als Kritik. In der Regel sind wir sehr höflich zueinander und haben gelernt, den anderen nicht mit unserer Kritik zu nerven. Wenn dann wirklich Kritik geäußert wird, ist diese manchmal vernichtend und nicht aufbauend.

In uns allen steckt die Sehnsucht nach Wahrheit und danach, dass einer die Wahrheit nicht als Keule gegen mich schwingt, sondern sie mir aus Liebe mutig sagt. Es ist zwar oft etwas schmerzhaft, aber vor allem heilsam, wenn Illusionen, die ich über mich habe, zerbrechen und ich mich etwas mehr so erkennen kann, wie ich bin.

Wer hält uns den Spiegel vor, in dem wir erkennen können, wer und wie wir wirklich sind?

Im Hebräerbrief heißt es: „Denn lebendig ist das Wort Gottes, wirksam und schärfer als jedes zweischneidige Schwert; es dringt durch bis zur Scheidung von Seele und Geist, von Gelenken und Mark; es richtet über die Regungen und Gedanken des Herzens.“

Wenn ich das Evangelium aufrichtig lese oder wenn ich Menschen begegne, die wie der hl. Nikolaus  Christus im Herzen tragen, dann wird mir der Spiegel vorgehalten, nicht unbarmherzig, sondern liebenswürdig.

Der Advent ist auch die Erwartung der Wiederkunft Christi, wenn er richten wird die Lebenden und die Toten. Gericht ist bestimmt nicht nur angenehm, aber dennoch befreiend, denn es führt mich ins Licht der Wahrheit, in Gottes Licht, das immer wahr und liebevoll zugleich ist.

 

Einladung zum Nachdenken:

  • Habe ich Freunde, die den Mut haben, mir die Wahrheit zu sagen?
  • Bin ich bereit, die Wahrheit zu erkennen, und kann ich mich an der Wahrheit freuen, auch wenn sie meine negativen Seiten aufdeckt?
  • Wem müsste ich in Liebe einmal die Wahrheit sagen?
  • Versuche ich, auf mein Leben und das Leben der anderen mit den Augen Jesu zu sehen?

 

Tagesgebet

Gott, du Spender alles Guten, hilf uns auf die Fürsprache des hl. Nikolaus in aller Not und steh uns bei in jeder Gefahr. Gib uns ein großmütiges Herz, damit wir anderen schenken, was wir empfangen, und die Wahrheit suchen und finden.

 

Hl. Ambrosius

Wenn Ihnen die Adventszeit viel zu kurz ist, dann können Sie im nächsten Jahr nach Mailand reisen: Dort gilt eine etwas andere Form der Liturgie und der Advent hat sechs Sonntage. Dieser sog. Ambrosianische Ritus beruft sich auf Ambrosius von Mailand, der in Trier geboren wurde und ungefähr zu gleicher Zeit wie der hl. Nikolaus lebte. Als Sohn eines römischen Beamten, macht er selbst bald Karriere im Staatsdienst. Obwohl noch Katechumene, also noch nicht getauft, wird er von den Mailändern zum Bischof gewählt, empfängt Taufe und Bischofsweihe und wird zu einem begnadeten Hirten seiner Diözese. Hinreißend in seiner Predigt, glühend für das Gebet und die Liturgie, hat er auch politisch einigen Einfluss auf die römischen Kaiser und setzt durch, dass die heidnischen Kulte nicht länger vom Staat gefördert werden. Man kann vielleicht sagen, dass seine Zeit eine adventliche war, in der der Glaube an Christus bei vielen angekommen ist. Ambrosius verdanken wir auch das älteste Adventslied, das wir kennen: „Veni, redemptor gentium“ („Komm Du Heiland aller Welt.“)

Nehmen Sie heute dieses Lied oder einen anderen Text des Ambrosius und meditieren Sie ihn für fünf Minuten.

  1. Komm, du Heiland aller Welt.
    Sohn der Jungfrau, mach dich kund.
    Darob staune, was da lebt:
    Also will Gott werden Mensch.
  2. Nicht nach eines Menschen Sinn
    Sondern durch des Geistes Hauch
    Kommt das Wort in unser Fleisch
    Und erblüht aus Mutterschoß
  3. Wie die Sonne sich erhebt
    und den Weg als Held durcheilt,
    so erscheint er in der Welt,
    wesenhaft ganz Gott und Mensch.
  4. Glanz strahlt von der Krippe auf,
    neues Licht entströmt der Nacht.
    Nun obsiegt kein Dunkel mehr,
    und der Glaube trägt das Licht.
  5. Gott dem Vater Ehr und Preis
    und dem Sohne Jesus Christ.
    Lob sei Gott dem heil’gen Geist
    jetzt und ewig. Amen.

 

„Diese Welt ist ein Spiegelbild des göttlichen Schaffens. Denn das Schauen des Werkes offenbart seinen Schöpfer. Es verhält sich da ähnlich wie mit den Künsten in dieser Welt. Diese sind teils praktischer Art: Sie beruhen auf der Bewegung des Körpers oder auf dem Ton der Stimme; endet die Bewegung oder der Ton, bleibt den Zuschauern oder Zuhörern nichts mehr zurück. Teils sind sie theoretischer Art: Als solche beanspruchen sie die Kraft des Geistes. Teils sind sie derart, dass das Werk als solches, wenn auch der Akt des Wirkens endet, doch das geschaffene Werk noch wahrnehmbar bleibt, wie z. B. ein Bauwerk und ein Gewebe. Schweigt auch der Künstler, geben diese doch Kunde von seinem Können, so dass das Werk den Meister lobt. Ähnlich ist auch diese Welt ein Zeichen der göttlichen Majestät, so tut sich durch sie Gottes Weisheit kund.“

„Christus ist für uns alles:
Willst du, dass deine Wunde heile: er ist der Arzt.
Glühst du vor Fieberhitze: er ist erfrischende Quelle.
Sinkst du zusammen unter der Ungerechtigkeit deiner Werke: er ist die Allmacht.
Fürchtest du den Tod: er ist das Leben.
Verlangst du nach dem Himmel: er ist der Weg.
Willst du die Finsternis fliehen: er ist das Licht.
Suchst du Speise: er ist das Brot des Lebens.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tagesgebet

Gott, du hast uns im hl. Bischof Ambrosius einen hervorragenden Lehrer des Glaubens und ein Beispiel des Mutes gegeben. Höre auf seine Fürsprache und berufe in Deiner Kirche Bischöfe, die Deinem Willen gehorsam sind und Dein Volk mit Kraft und Weisheit leiten.

Mariä Empfängnis

Am 8. Dezember, neun Monate vor Mariä Geburt, feiert die Kirche das Hochfest Mariä Empfängnis, das in vielen Ländern ein gesetzlicher Feiertag ist. Aufgrund der zeitlichen Nähe zu Weihnachten meinen selbst viele Katholiken, dass sein Inhalt die Empfängnis Jesu im Schoß seiner Mutter Maria sei. Es geht aber um etwas anderes: Maria selbst war vom ersten Augenblick ihres Daseins an von jeder Schuld und von der Erbschuld frei. Was soll das bedeuten?

Die ganze Schöpfung zielt auf den Traum Gottes für die Menschen, dass sie sein Volk sein mögen, mit ihm in Liebe verbunden. Schon ganz früh in der Geschichte der Menschheit kam ein Bruch in diesen Traum: die Menschen wandten sich von Gott ab, sie sündigten. Eigentlich hätten sie Stammeltern des Volkes Gottes werden sollen, stattdessen wurden ihre Kinder schon in den Zusammenhang der Schuld hineingeboren. Um es in einem Bild zu sagen: Wenn ich als Kind deutscher Eltern geboren werde, habe ich die deutsche Staatsangehörigkeit und bin damit in den Zusammenhang deutscher Geschichte hineingestellt. Als „Kinder Adams“ haben wir Teil an der Geschichte der Abwendung von Gott.

Christus ist ein neuer Anfang. Er ist der Mensch ohne Sünde, der aus der Beziehung zu Gott lebt. Wir gehören, obwohl auch wir sündigen, dem neuen Volk Gottes an, weil wir durch die Taufe Christus eingegliedert werden. Die Taufe ändert sozusagen unsere „Staatsangehörigkeit“.

Maria hatte bereits vom Augenblick ihrer Empfängnis im Schoss ihrer Mutter Anna an die richtige „Staatsangehörigkeit“. In Hinblick auf den Erlösertod Christi ist sie aus dem Zusammenhang der „Erbschuld“ gelöst. Während wir noch die Folgen unserer alten Zugehörigkeit zum Volk Adams weitertragen und trotz der Taufe immer noch sündigen, war Maria bereits von Anfang ihres Daseins an Glied des neuen Volkes Gottes.

In Blick auf Maria erkennen wir, wie wir einmal sein werden, wenn die Sünde keine Macht mehr über uns hat und sich unsere Zugehörigkeit zu Gottes Volk vollendet. Wir werden wie Maria sein: Offen für Gott, voller Glaube und Vertrauen und voll Liebe zu den Menschen. Maria ist Anfang der Kirche und Bild ihrer Vollendung.

Mit dem Ereignis des heutigen Festes setzte nach den Jahrtausenden, die seit der Abkehr der Menschen von Gott vergangen waren, etwas ganz Neues ein. Maria ist ein Zeichen der Hoffnung und ein Versprechen an uns: Freiheit von Schuld, Vollendung des Menschen sind keine Utopie, sondern in Maria schon Wirklichkeit.

Einladung zum Nachdenken:

  • Freuen Sie sich heute einmal ganz bewusst darüber, dass Sie zu Gottes Volk gehören.
  • Freuen Sie sich darüber, dass trotz der Brüchigkeit und Unvollkommenheit ein vollkommenes Leben auf Sie wartet.
  • Freuen Sie sich darüber, dass Sie seit der Taufe Sohn/ Tochter Gottes sind.
  • Freuen Sie sich darüber, dass in Ihrem Leben Gottes Gnade und Liebe viel wichtiger sind als das, was Sie selbst zu leisten vermögen.
  • Denken Sie heute beim Beten des Angelusgebet an unser Erzbistum, das heute sein Patronatsfest feiert.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tagesgebet

Großer und heiliger Gott, im Hinblick auf den Erlösertod Christi hast du die selige Jungfrau Maria schon im ersten Augenblick ihres Daseins von jeder Sünde bewahrt, um deinem Sohn eine würdige Wohnung zu bereiten. Höre auf ihre Fürsprache: Mache uns frei von Sünden und erhalte uns in deiner Gnade, damit wir mit reinem Herzen zu dir gelangen.

Jes 40, 1-11

Lesung aus dem Buch Jesaja

Tröstet, tröstet mein Volk, spricht euer Gott.

Redet Jerusalem zu Herzen und verkündet der Stadt, dass ihr Frondienst zu Ende geht, dass ihre Schuld beglichen ist; denn sie hat die volle Strafe erlitten von der Hand des Herrn für all ihre Sünden.

Eine Stimme ruft: Bahnt für den Herrn einen Weg durch die Wüste! Baut in der Steppe eine ebene Straße für unseren Gott!

Jedes Tal soll sich heben, jeder Berg und Hügel sich senken. Was krumm ist, soll gerade werden, und was hüglig ist, werde eben.

Dann offenbart sich die Herrlichkeit des Herrn, alle Sterblichen werden sie sehen. Ja, der Mund des Herrn hat gesprochen.

Eine Stimme sagte: Verkünde! Ich fragte: Was soll ich verkünden? Alles Sterbliche ist wie das Gras, und all seine Schönheit ist wie die Blume auf dem Feld.

Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, wenn der Atem des Herrn darüberweht. Wahrhaftig, Gras ist das Volk.

Das Gras verdorrt, die Blume verwelkt, doch das Wort unseres Gottes bleibt in Ewigkeit.

Steig auf einen hohen Berg, Zion, du Botin der Freude! Erheb deine Stimme mit Macht, Jerusalem, du Botin der Freude! Erheb deine Stimme, fürchte dich nicht! Sag den Städten in Juda: Seht, da ist euer Gott.

Seht, Gott, der Herr, kommt mit Macht, er herrscht mit starkem Arm. Seht, er bringt seinen Siegespreis mit: Alle, die er gewonnen hat, gehen vor ihm her.

Wie ein Hirt führt er seine Herde zur Weide, er sammelt sie mit starker Hand. Die Lämmer trägt er auf dem Arm, die Mutterschafe führt er behutsam.

 

Ich hoffe, Sie freuen sich auf Weihnachten! Viele werden mit ihren Familien zusammen sein und sich jetzt schon freuen auf die Gespräche, die besondere Stimmung und die festlichen Gottesdienste.

Dennoch beschleicht manchen zu Weihnachten auch ein mulmiges Gefühl: vielleicht wird der Verlust eines Menschen an diesen Tagen besonders fühlbar, Erinnerungen steigen hoch, eine Wehmut im Gedenken an früher. Mancher wird auch zu Weihnachten alleine sein. Andere schauen mit Bangigkeit auf die Feiertage: wird auch alles gelingen, mindestens so gut wie im Vorjahr? Werden sich die Gefühle einstellen, die ich erwarte? Wird alles harmonisch ablaufen?

In diese Situation ruft uns der Prophet Jesaja zu: fürchte dich nicht!

Und er gibt auch direkt die Begründung dafür: Seht, da ist euer Gott.

Den Kern des Festes müssen wir nicht machen, er ist uns bereits geschenkt worden: Gottes Sohn ist geboren. Er ist da. Das gibt den Vorbereitungen auf die Feiertage eine tröstliche Leichtigkeit: Ich muss Weihnachten nicht produzieren; das festliche Essen, Geschenke und alles andere sind schön, aber doch am Ende wie das sterbliche Gras. Egal wie Weihnachten in diesem Jahr ablaufen wird, Grund für unbändige Freude ist da, weil Gott da ist.

Das gilt auch für die Liturgie. Ich weiß, dass manche auch in den Gottesdiensten eine hohe Erwartung haben und gerne emotional berührt sein möchten und enttäuscht sind, wenn sich vielleicht nicht die erwartete Stimmung einstellt. Aber auf dem Altar vollzieht sich das Wunder von Bethlehem: Gleich, ob wir es subjektiv empfinden oder nicht, er ist da im Sakrament, und dass er da ist, darauf kommt es an.

Einladung zum Nachdenken:

  • Was für Erwartungen und Erinnerungen haben Sie an Weihnachten?
  • Was für Gedanken kommen ihnen angesichts des bevorstehenden Weihnachtsfestes 2019?
  • Überlegen Sie, warum die Geburt Christi für Sie ganz persönlich ein Grund für unbändige Freude ist!
  • Lassen Sie sich von Gott trösten, und folgen Sie seiner Aufforderung fürchte Dich nicht!

Tagesgebet

Gott des Erbarmens, du hast allen Völkern der Erde das Heil zugesagt. Lass uns voll Freude das Fest der Geburt Christi erwarten und das große Geheimnis seiner Menschwerdung feiern, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Mt 11, 28-30

In jener Zeit sprach Jesus:
Kommt alle zu mir, die ihr euch plagt und schwere Lasten zu tragen habt. Ich werde euch Ruhe verschaffen.
Nehmt mein Joch auf euch und lernt von mir; denn ich bin gütig und von Herzen demütig; so werdet ihr Ruhe finden für eure Seele.
Denn mein Joch drückt nicht, und meine Last ist leicht.

 

Das Evangelium des heutigen Tages spricht wahrscheinlich vielen von uns aus der Seele: Ruhe finden. Das wär`s, gerade jetzt in der stressigen Vorweihnachtszeit!

Jesus verbindet mit seinen Worten einen hohen Anspruch: Forderten jüdische Weisheitslehrer dazu auf, göttliche Weisheit zu suchen, um Ruhe zu finden, stellt sich Jesus mit Gott auf eine Stufe, indem er sich selbst als den Ort qualifiziert, an dem der Mensch zur Ruhe, zum Ziel seiner Sehnsucht kommt.

Aber viele Menschen empfinden den christlichen Glauben anders. Setzen die Forderungen der Bergpredigt den Menschen nicht unter Druck? Ist unser Glaube nicht manchmal auch eine Last mit seinen Ge- und Verboten?

Gewiss, der christliche Glaube ruft in die Veränderung und Gestaltung des Lebens hinein und wehrt damit einem Zurücksinken in Bequemlichkeit und Selbstgenügsamkeit. Nicht umsonst haben Christen so viel für unsere Kultur und Zivilisation geleistet.

Was ist also das Joch Jesu, das leicht sein soll? Was ist das, was man nur bei ihm lernen kann?

Es ist diese einzigartige Gottesbeziehung, die Jesus in das Wort „Abba“ fasst, das man vielleicht mit „lieber Vater, Papa“ übersetzen könnte. Es drückt grenzenloses kindliches (aber nicht kindisches) Vertrauen aus. Jesus lebt als der Sohn Gottes ganz aus dem innigen und intimen Vertrauen zu Gott, seinem Vater. Je mehr ich mit Christus verbunden in, desto mehr wachse auch ich in diese Beziehung zu Gott hinein, so dass „Abba“ auch zu der Grundhaltung meines Lebens werden kann: Gott hält Dich und Gott ist gut. Je mehr mir das gelingt, werde ich inmitten des Trubels, der Sorgen und der Anforderungen jene Ruhe finden, die man so oft an den Heiligen beobachten kann.

Wir werden nicht aus der Komplexität dieser Welt herauskommen, aber wir in ihr mit dem einfachen, demütigen Herz Jesu sein.

 

Einladung zum Nachdenken

  • In welchen Situationen verschafft Ihnen der Glaube Ruhe und wo drückt er Sie manchmal?
  • Ist das Gebet, das Bei-Jesus-Sein für Sie mehr Last oder mehr Erquickung?
  • Versuchen Sie einmal in einer Kirche nur schweigend vor IHM zu sein.
  • Lassen Sie gerade, wenn Sie im Stress sind, immer wieder das Stoßgebet „Gott, ich vertraue Dir.“ aus Ihrem Herzen aufsteigen.

 

 

Mt. 11, 7b. 11-15

In jener Zeit begann Jesus zu der Menge zu reden: Amen, ich sage euch: Unter den von einer Frau Geborenen ist kein Größerer aufgetreten als Johannes der Täufer; doch der Kleinste im Himmelreich ist größer als er. Seit den Tagen Johannes’ des Täufers bis heute wird dem Himmelreich Gewalt angetan und Gewalttätige reißen es an sich. Denn alle Propheten und das Gesetz bis zu Johannes haben prophetisch geredet. Und wenn ihr es annehmen wollt: Er ist Elíja, der wiederkommen soll. Wer Ohren hat, der höre!

 

Das Evangelium des heutigen Tages stellt uns Johannes den Täufer vor, der eine ganz beeindruckende Gestalt gewesen sein muss. Gekleidet mit einem Gewand aus Kamelhaar, sich von Heuschrecken und wildem Honig ernährend und wortgewaltig das kommende Gericht ankündigend, zog er die Leute scharenweise in die Wüste. Ein charismatischer Mensch. Was bedeutet es dann, wenn Jesus sagt: „Der Kleinste im Himmelreich ist größer als er.“! Es kann dabei nicht um äußere Fähigkeiten gehen, nicht um asketische Leistungen. Jesus will damit sagen: Wer in das Himmelreich, in das Leben Jesu eintritt, ist nicht einfach besser, sondern er lebt in einer anderen Dimension. Auch wenn er in seinen Fähigkeiten ganz klein ist, atmet er dennoch ein neues anderes Leben.

Von diesem Leben sagt Jesus, es werde ihm Gewalt angetan. Dies kann zweierlei heißen. Einmal bedeutet es, in der Welt gibt es ganz viele mächtige Faktoren, die uns das neue Leben rauben wollen. Es sind die Dynamiken der alten Welt.

Zum anderen kann es aber auch bedeuten, wir müssen um dieses neue Leben kämpfen, geradezu Gewalt (nicht körperliche natürlich)/ Kraft anwenden, um es zu erlangen, sonst werden wir es nicht erreichen.

Einladung zum Nachdenken

  • Habe ich schon einmal erfahren, dass mein Leben durch Christus nicht nur besser, sondern ganz anders, himmlisch wird?
  • Wieviel bin ich bereit für mein Wachstum im Glauben zu investieren? Wieviel meiner Kraft wende ich dafür auf? Bin ich bereit, dafür zu kämpfen, mein Leben von Christus und nicht von den Gesetzen der alten Welt bestimmen zu lassen?

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tagesgebet

Rüttle unsere Herzen auf, allmächtiger Gott,
damit wir deinem Sohn den Weg bereiten
und durch seine Ankunft fähig werden,
dir in aufrichtiger Gesinnung zu dienen.

 

 

 

 

Hl. Luzia

Am 13. Dezember ist der Gedenktag der hl. Luzia. In Schweden und anderen nordischen Ländern ist das Luziafest ein fester Bestandteil des adventlichen Brauchtums. Kinder in weißen Gewändern tragen einen Kerzenkranz auf ihrem Kopf durch die Dunkelheit und verweisen so auf die Heilige, deren Name „Die Leuchtende“ bedeutet.

Luzia lebte jedoch in einem ganz anderen Teil Europas. Sie wuchs im 3. Jahrhundert in Syrakus/ Sizilien auf. Dort erlitt sie in jungen Jahren unter Kaiser Diokletian das Martyrium. Schon bald wurde sie an vielen Orten verehrt; ihr Name ist fester Bestandteil des Römischen Messkanons, des 1. Hochgebetes der hl. Messe.

Faszinierend am Leben der hl. Luzia ist, dass in ihr das Geheimnis von Weihnachten aufleuchtet: Gott offenbart sich im Kleinen und Zerbrechlichen und Zarten. Die schwache Luzia lässt sich durch die Macht des Kaisers nicht schrecken; die Legende berichtet: obwohl man ihr die Augen aussticht, leuchtet in ihr ein Licht; als man sie in ein Bordell schleppen will, schafft es noch nicht einmal ein Ochsengespann, sie von der Stelle zu bewegen. Die Kleine und Schwache beschämt die Starken und Großen. Und wenn man Syrakus besucht, ist ihr die dortige Kathedrale geweiht: ein vormaliges Heiligtum der griechischen Kriegsgöttin Athene nun eine Kirche für ein kleines ermordetes Mädchen.

Was ist das für ein Gott, dem wir an Weihnachten in der Krippe begegnen, der seine Allmacht offenbart in einem Kind und dessen Herrlichkeit sich zeigt in seiner Verletzlichkeit?

 

Einladung zum Nachdenken

  • Was und wer ist für mich groß im Leben? Wer sind meine Vorbilder?
  • Wer würde von mir sagen, dass ich Licht in sein Leben bringe?
  • Ist auf dem Grunde meines Herzens Licht oder Finsternis?
  • Lassen Sie heute durch Jesus Ihr Leben hell machen, indem Sie an ihn und sein Leben denken!

 

Tagesgebet

Herr, unser Gott, wir feiern den Gedenktag der heiligen Jungfrau und Märtyrin Luzia, die du uns als Fürsprecherin gegeben hast. Gib, dass wir nach ihrem Beispiel als Kinder des Lichtes leben und einst in der Gemeinschaft der Heiligen den Glanz deiner Herrlichkeit schauen.

 

Der Prophet Elija

Sir 48,1–4.9–11

In jenen Tagen stand Elíja auf, ein Prophet wie Feuer, sein Wort brannte wie eine Fackel. Er ließ über sie eine Hungersnot hereinbrechen und verringerte sie mit seinem Eifer; durch das Wort des Herrn verschloss er den Himmel, ebenso ließ er dreimal Feuer herabfallen. Wie wurdest du verherrlicht, Elíja, durch deine Wunder! Wer wird sich gleich dir rühmen können? Der mit einem Wirbelsturm aus Feuer hinweggenommen wurde in einem Wagen mit feurigen Pferden; der aufgeschrieben ist für Zurechtweisungen für künftige Zeiten, um den Zorn vor dem Ausbruch zu besänftigen, um das Herz des Vaters dem Sohn zuzuwenden und um die Stämme Jakobs aufzurichten. Selig, die dich gesehen haben und die in Liebe entschlafen sind; denn auch wir werden gewiss leben.

 

In der Lesung des heutigen Tages und auch im Evangelium taucht der Prophet Elija auf. Er ist eine der beeindruckendsten Prophetengestalten des Alten Testaments. Im 9. Jahrhundert unter den Königen Ahab und Ahasja tritt er als Prophet im Nordreich Israel auf, um das Volk vom Götzendienst, dem Baalskult, abzubringen. Er kündigt eine Hungersnot an, die mehrere Jahre andauert und während der er am Bach Kerit und hernach bei der Witwe von Sarepta Zuflucht findet. Ahab meint, Elija sei durch seine Prophetie für die Dürre verantwortlich und will ihn töten. Auf dem Berg Karmel kommt es zu einer Entscheidung: auf der einen Seite 450 Baalspropheten, auf der anderen Elija. In einer dramatischen Szene versuchen die falschen Propheten vergeblich, ihren Gott dazu zu bringen, das aufgeschichtete Opfer in Brand zu setzen, während Elija dies durch ein Gebet bei Jahwe bewirkt. Er fordert das Volk, das nun die Lüge des Baalskultes erkannt hat, auf die falschen Propheten umzubringen. Er selbst flieht vor Ahab und seiner Frau Isebel in die Wüste. Er ist deprimiert und möchte gerne, dass sein Leben endet. Von Gott erneut gestärkt, wandert er zum Gottesberg Horeb. Dort begegnet ihm Gott: nicht, wie er erwartet hatte, im Feuer, Erdbeben oder Sturm, sondern in einem sanften Säuseln.

Elija bestimmt den Elischa zu seinem Nachfolger, prophezeit Ahab und Isebel ihren baldigen Tod und wird selbst in einem feurigen Wagen gen Himmel entrückt.

Im Volk Israel war der Glaube lebendig, dass Elija vor der Ankunft des Messias wiederkommen würde. Jesus, der selbst von machen als wiedergekommener Elija gedeutet wurde (wegen seiner Wunder, die denen des Elija entsprachen) weist Johannes den Täufer als wiedergekommenen Elija aus.

Was den Propheten Elija vor allem auszeichnete war seine Leidenschaft für den Glauben an den wahren Gott, die auch Johannes kennzeichnete.

Einladung zum Nachdenken

  • Viele Menschen suchen Gott als Helfer, sie glauben an seine Existenz, aber trifft ist es Ihre Gottesbeziehung, wenn man sie als leidenschaftlich beschriebe?
  • Gibt es, gab es Momente, in denen Sie für Gott glühen und nicht von irgendwelchen schönen Erlebnissen in der Kirche, sondern von Gott selbst begeistert sind?
  • Elija hat sich ganz auf Gott eingelassen. Unser verstorbener Erzbischof Card. Meisner erzählte einmal, er habe am Vorabend seiner Priesterweihe ein Blatt Papier genommen und Gott einen Blankoscheck ausgestellt, dass er mit ihm machen könne, was er wolle. Könnten Sie sich eine solche Lebensübergabe an Gott für sich vorstellen? Welche „Götzen“ hindern Sie daran.
  • Schüren Sie heute im Gebet die Glut Ihrer Leidenschaft für Gott, indem Sie an Ihre eigenen Gotteserfahrungen denken! Wenn das nicht gelingt, bitten Sie Gott, er möge Ihnen Leidenschaft für ihn und die Bereitschaft, ihm Ihr Leben zu übergeben schenken.

 

Tagesgebet

Allmächtiger Gott, lass Deine Herrlichkeit in unseren Herzen aufstrahlen und nimm den Todesschatten der Sünde von uns, damit wir bei der Ankunft deines Sohnes als Kinder des Lichtes offenbar werden.

 

 

 

 

Mt 21, 23-27

In jener Zeit, als Jesus in den Tempel ging und dort lehrte, kamen die Hohenpriester und die Ältesten des Volkes zu ihm und fragten: Mit welchem Recht tust du das alles? Wer hat dir dazu die Vollmacht gegeben?

Jesus antwortete ihnen: Auch ich will euch eine Frage stellen. Wenn ihr mir darauf antwortet, dann werde ich euch sagen, mit welchem Recht ich das tue.

Woher stammte die Taufe des Johannes? Vom Himmel oder von den Menschen? Da überlegten sie und sagten zueinander: Wenn wir antworten: Vom Himmel!, so wird er zu uns sagen: Warum habt ihr ihm dann nicht geglaubt?

Wenn wir aber antworten: Von den Menschen!, dann müssen wir uns vor den Leuten fürchten; denn alle halten Johannes für einen Propheten.

Darum antworteten sie Jesus: Wir wissen es nicht. Da erwiderte er: Dann sage auch ich euch nicht, mit welchem Recht ich das alles tue.

 

Uns Menschen von heute fällt es besonders schwer, Entscheidungen zu treffen. Unsere Welt ist so komplex, der Möglichkeiten sind so viele, dass viele meinen: Wenn ich mich nicht entscheide oder wenn ich mich nur so entscheide, dass ich jederzeit meine Entscheidung revidieren kann, dann fahre ich am besten, dann bleiben mir alle Türen offen, dann verpasse ich nichts.

Aber das ist ein Trug, denn: auch sich nicht entscheiden, ist ja eine Entscheidung! Wenn ich mir alle Türen offen lasse, werde ich nie wirklich durch eine hindurch gehen und sehen, was hinter ihr liegt.

Das Evangelium des heutigen Tages stellt uns die Hohenpriester und Ältesten des Volkes vor. Sie stellen eine scheinbar harmlose Frage, aber Jesus durchschaut sie. Er weiß, egal welche Antwort er geben wird, sie werden sofort versuchen, diese zu unterminieren, zu bekritteln, um sich nicht für ihn entscheiden zu müssen. So haben sie es bereits bei Johannes getan. Sie rücken nicht mit der Sprache heraus, sie positionieren sich nicht.

In unserem Glauben ist Entscheidung ganz wichtig! Denn von unserer Freiheit Gebrauch zu machen (= uns zu entscheiden), darin besteht im wesentlichen unsere Würde. Gott nimmt uns keine Entscheidungen ab; es gehört zu seinem Respekt vor uns, dass er auf unsere Entscheidung wartet. Aber ohne Entschiedenheit werden wir nicht auf ihn hin wachsen.

Nur wer sich entscheidet, ist wirklich frei. Wer sich nicht entscheidet, gleicht jenem, der zwar die Fähigkeit zum Sehen besitzt, sie aber nicht anwendet und die Augen schließt.

Einladung zum Nachdenken

  • Gibt es Entscheidungen, die Sie schon lange vor sich herschieben, obwohl doch keine neuen Gesichtspunkte für die Entscheidungsfindung zu erwarten sind?
  • Wo leben Sie Entscheidungen nur halb, d.h., immer mit dem Gedanken, sie jederzeit rückgängig machen zu können, obwohl Sie sie ganz leben sollten?
  • Entscheiden Sie sich direkt am Morgen für Gott, indem Sie kurz sprechen: Gott, heute will ich Deinen Willen tun!
  • Beginnen Sie Ihr Gebet mit dem kurzen Vorsatz: Diese Zeit jetzt will ich Dir schenken. Wenn Sie unkonzentriert sind, kommen Sie immer wieder auf diese Entscheidung zurück.
  • Wo schieben Sie etwas im Glauben vor sich her, z.B.: „Irgendwann sollte ich ja auch mal beichten gehen.“? Nehmen Sie sich konkret vor, wann Sie es tun!
  • Haben Sie keine Angst, sich falsch zu entscheiden, nachdem Sie alles überdacht und erwogen haben. Gott kann auch aus falschen Entscheidungen Gutes wachsen lassen.

 

Tagesgebet

Gütiger Gott, neige dein Ohr und erhöre unsere Bitten. Erleuchte die Finsternis unseres Herzens durch die Ankunft deines Sohnes, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und herrscht in alle Ewigkeit.

Der Stammbaum Jesu
Mt 1, 1-17

Stammbaum Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams:

Abraham war der Vater von Isaak, Isaak von Jakob, Jakob von Juda und seinen Brüdern.

Juda war der Vater von Perez und Serach; ihre Mutter war Tamar. Perez war der Vater von Hezron, Hezron von Aram,

Aram von Amminadab, Amminadab von Nachschon, Nachschon von Salmon.

Salmon war der Vater von Boas; dessen Mutter war Rahab. Boas war der Vater von Obed; dessen Mutter war Rut. Obed war der Vater von Isai,

Isai der Vater des Königs David. David war der Vater von Salomo, dessen Mutter die Frau des Urija war.

Salomo war der Vater von Rehabeam, Rehabeam von Abija, Abija von Asa,

Asa von Joschafat, Joschafat von Joram, Joram von Usija.

Usija war der Vater von Jotam, Jotam von Ahas, Ahas von Hiskija,

Hiskija von Manasse, Manasse von Amos, Amos von Joschija.

Joschija war der Vater von Jojachin und seinen Brüdern; das war zur Zeit der Babylonischen Gefangenschaft.

Nach der Babylonischen Gefangenschaft war Jojachin der Vater von Schealtiël, Schealtiël von Serubbabel,

Serubbabel von Abihud, Abihud von Eljakim, Eljakim von Azor.

Azor war der Vater von Zadok, Zadok von Achim, Achim von Eliud,

Eliud von Eleasar, Eleasar von Mattan, Mattan von Jakob.

Jakob war der Vater von Josef, dem Mann Marias; von ihr wurde Jesus geboren, der der Christus (der Messias) genannt wird.

Im ganzen sind es also von Abraham bis David vierzehn Generationen, von David bis zur Babylonischen Gefangenschaft vierzehn Generationen und von der Babylonischen Gefangenschaft bis zu Christus vierzehn Generationen.

 

Das heutige Evangelium kann einen schon ärgerlich machen: Die Fülle von Namen, von denen uns die meisten wohl nicht viel sagen werden. Aber Matthäus geht es in seinem Evangelium um die Frage, wer dieser Jesus eigentlich ist. Auch wir werden, um uns zu verstehen, auf unsere Vorfahren und ihre Geschichte zurückschauen. Wenn Kinder ihren Vater oder ihre Mutter nicht kennen, ist das für viele von ihnen ein nicht unerhebliches Problem.

Im Stammbaum Jesu sind zwei Gestalten von besonderer Bedeutung. Da ist zunächst Abraham, mit dem nach der Zerstreuung der Menschheit nach dem Turmbau zu Babel die Zeit der Verheißung beginnt: Durch ihn sollen alle Geschlechter der Erde Segen erlangen. In den Bund, den Gott mit Abraham schließt, sollen alle Menschen mit hineingenommen und so die Schöpfung zum Ziel geführt werden: Ihr sollt mein Volk sein, und ich werde euer Gott sein. Schon am Anfang der Familiengeschichte Jesu ist so schon präsent, was sich in Jesus dann erfüllen wird: er lädt alle Menschen zu sich ein. In ihm steht die Tür für alle offen, Söhne und Töchter Gottes zu werden. Die vier Frauen, die im Stammbaum genannt werden, sind Heidinnen und bringen so schon die Völker der Welt in den Stammbaum Jesu hinein.

Aber noch wichtiger ist David. Ihm war verheißen, dass sein Königtum auf ewig Bestand haben werde. Der ganze Stammbaum läuft in 14 (= Zahlenwert der hebräischen Buchstaben des Namens) auf David zu, fällt dann mit den nächsten 14 Generationen wieder bis zum Babylonischen Exil ab und strebt dann mit den nächsten 14 Generationen seiner Höhe zu: Christus, dessen Königtum ewig Bestand hat und dessen Thron das Kreuz ist. Dort hat er den Tod besiegt. Einen größeren Feind gibt es nicht. Deshalb hat sein Königtum kein Ende.

Am Ende steht Maria, nicht mehr ein Mann, sondern eine Frau sichert die Kontinuität des Stammbaums. Mit ihr beginnt etwas ganz Neues, sie ist die neue Eva. Gott setzt ganz neu ein. Jesus ist nicht nur eingewoben in die Geschichte Israels; er ist Gottes Sohn.

Einladung zum Nachdenken

  • Was haben Sie positiv, was negativ von Ihren Vorfahren auf Ihren Lebensweg mitbekommen?
  • Trauen Sie es Gott zu, dass Sie weder nur das Produkt Ihrer eigenen Lebensgeschichte, noch der Ihrer Vorfahren sind, sondern dass Gott in Ihnen Neues bewirken kann?
  • Freuen Sie sich heute einmal darüber, dass Sie in der Zeit leben dürfen, auf die Abraham und David und so viele über Jahrhunderte gewartet haben: die Zeit des Messias, die Zeit, die erfüllt ist von Gottes Liebe, die bis zum äußersten geht.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tagesgebet

Gott, unser Schöpfer und Erlöser,
dein ewiges Wort ist Fleisch geworden
aus Maria, der allzeit jungfräulichen Mutter.
Dein Sohn,
der unsere menschliche Natur angenommen hat,
schenke uns Anteil an seinem göttlichen Leben.

 

Die O-Antiphonen

O Adonai,
Herr und Führer des Hauses Israel –
im flammenden Dornbusch bist du dem Mose erschienen
und hast ihm auf dem Berg das Gesetz gegeben:
o komm und befreie uns
mit deinem starken Arm!

Die Tage vom 17. – 23. Dezember sind in der Liturgie geprägt durch die sogenannten O-Antiphonen, die jeweils mit einem O beginnen, sich aus Schriftzitaten zusammensetzen und seit dem 7. Jahrhundert in der Liturgie bekannt sind.

Für heute ist die Antiphon O Adonai vorgesehen. Gott offenbarte sich dem Mose als der Ich-bin und als der Adonai, der Herr (Ex 6,2).

Der Gottestitel „Herr“ wird heute im persönlichen Gebet vielleicht nur von wenigen verwendet. „Herr“ wird als distanzierend empfunden; einen Herrn zu haben, kränkt unseren Wunsch nach Autonomie.

Madeleine Delbrel, die 1904 in Südfrankreich geboren schon früh jeden Glauben verlor, bekannte bei ihrer Bekehrung zum Glauben: Endlich habe ich jemanden gefunden, vor dem ich in die Knie gehen kann. Fortan entdeckte sie als ihre Sendung, in der Großstadtwüste unter den Arbeitern zu leben und Gott dorthin zu tragen.

Wir alle tragen den Wunsch in uns, uns ganz mit jemanden identifizieren zu können. Wir möchten einen Herrn, der uns den rechten Weg weist, uns das Gesetz gibt und herausreißt aus Unfreiheit und  Not. Einem solchen Herrn sein Leben zu schenken, ihm zu dienen, macht mich nicht zum Sklaven, sondern frei.

Wenn wir irgendwelche Menschen, selbst die Liebsten, Aufgaben, Dinge oder Ideen zu unseren Herren machen, führt uns das auf Dauer in die Unfreiheit. Total sollen wir uns nur mit Gott identifizieren. Er ist der Adonai, der Herr; wer sich ihm unterwirft, findet zum Leben.

Einladung zum Nachdenken

  • Welche Menschen, Ideen, Dinge spielen sich in Ihrem Leben zum Herrn auf? Wen oder was müssten Sie in die Schranken weisen?
  • Verwenden Sie in Ihrem Gebet einmal den Gottestitel „Herr“. Was löst die Vorstellung in Ihnen aus, dass sie Gott dienen sollen? „Wir danken Dir, dass Du uns berufen hast, vor Dir zu stehen und Dir zu dienen.“ (Zweites Hochgebet der hl. Messe)
  • Welchen Platz haben in Ihrer Spiritualität Formen der Anbetung? Wie drücken Sie aus, dass Gott für Ihr Herr ist? Mit Worten, Gesten, Körperhaltungen beim Gebet?
  • Wir haben unser Leben nicht in der Hand, wir können uns nicht selbst erlösen. Wie dankbar kann ich sein, dass ich mein Leben in die Hände des Herrn legen darf, der es gut mit mir meint.

 

Tagesgebet

Allmächtiger Gott,
noch lastet die alte Knechtschaft auf uns,
noch drückt uns das Joch der Sünde.
Schenke uns die wahre Freiheit
und mach uns neu durch die Geburt deines Sohnes,
auf die wir gläubig warten.

Lk 1, 5-25

Zur Zeit des Herodes, des Königs von Judäa, lebte ein Priester namens Zacharias, der zur Priesterklasse Abija gehörte. Seine Frau stammte aus dem Geschlecht Aarons; sie hieß Elisabet.

Beide lebten so, wie es in den Augen Gottes recht ist, und hielten sich in allem streng an die Gebote und Vorschriften des Herrn.

Sie hatten keine Kinder, denn Elisabet war unfruchtbar, und beide waren schon in vorgerücktem Alter.

Eines Tages, als seine Priesterklasse wieder an der Reihe war und er beim Gottesdienst mitzuwirken hatte,

wurde, wie nach der Priesterordnung üblich, das Los geworfen, und Zacharias fiel die Aufgabe zu, im Tempel des Herrn das Rauchopfer darzubringen.

Während er nun zur festgelegten Zeit das Opfer darbrachte, stand das ganze Volk draußen und betete.

Da erschien dem Zacharias ein Engel des Herrn; er stand auf der rechten Seite des Rauchopferaltars.

Als Zacharias ihn sah, erschrak er, und es befiel ihn Furcht.

Der Engel aber sagte zu ihm: Fürchte dich nicht, Zacharias! Dein Gebet ist erhört worden. Deine Frau Elisabet wird dir einen Sohn gebären; dem sollst du den Namen Johannes geben.

Große Freude wird dich erfüllen, und auch viele andere werden sich über seine Geburt freuen.

Denn er wird groß sein vor dem Herrn. Wein und andere berauschende Getränke wird er nicht trinken, und schon im Mutterleib wird er vom Heiligen Geist erfüllt sein.

Viele Israeliten wird er zum Herrn, ihrem Gott, bekehren.

Er wird mit dem Geist und mit der Kraft des Elija dem Herrn vorangehen, um das Herz der Väter wieder den Kindern zuzuwenden und die Ungehorsamen zur Gerechtigkeit zu führen und so das Volk für den Herrn bereit zu machen.

Zacharías sagte zu dem Engel: Woran soll ich erkennen, dass das wahr ist? Ich bin ein alter Mann, und auch meine Frau ist in vorgerücktem Alter.

Der Engel erwiderte ihm: Ich bin Gabriel, der vor Gott steht, und ich bin gesandt worden, um mit dir zu reden und dir diese frohe Botschaft zu bringen.

Aber weil du meinen Worten nicht geglaubt hast, die in Erfüllung gehen, wenn die Zeit dafür da ist, sollst du stumm sein und nicht mehr reden können, bis zu dem Tag, an dem all das eintrifft.

Inzwischen wartete das Volk auf Zacharias und wunderte sich, dass er so lange im Tempel blieb.

Als er dann herauskam, konnte er nicht mit ihnen sprechen. Da merkten sie, dass er im Tempel eine Erscheinung gehabt hatte. Er gab ihnen nur Zeichen mit der Hand und blieb stumm.

Als die Tage seines Dienstes (im Tempel) zu Ende waren, kehrte er nach Hause zurück.

Bald darauf empfing seine Frau Elisabet einen Sohn und lebte fünf Monate lang zurückgezogen. Sie sagte:

Der Herr hat mir geholfen; er hat in diesen Tagen gnädig auf mich geschaut und mich von der Schande befreit, mit der ich in den Augen der Menschen beladen war.

 

Im Evangelium des heutigen Tages berichtet Lukas von der Ankündigung der Geburt Johannes` des Täufers. Kinderlosigkeit war in jüdischem Denken etwas sehr Schlimmes, vor allem für die Frauen. Zacharias und Elisabet werden als gottesfürchtige Menschen vorgestellt. Oft werden sie um Kinder gebetet haben. Und jetzt geschieht das Eigenartige: Zacharias reagiert auf die Ankündigung, dass sein Gebet erhört worden sei, mit Skepsis und Zweifel. Er, dessen Aufgabe es ist, als Priester den Dienst vor Gott zu tun, glaubt nicht, dass Gott wirklich und überraschend in sein Leben eingreift. Er legt auf die Verheißung Gottes direkt seine Denkkategorien: Kann es sein, dass Gott mir persönlich eine Botschaft schickt? Wie sollen wir in hohem Alter noch Eltern werden?

Zacharias wird stumm. Seine Worte, seine Art zu denken, sollen schweigen, damit Raum wird für Gottes Wort und Verheißung.

Das Schweigen und das Hören sind in der christlichen Spiritualität ganz wichtig. Die Gefahr ist ja, dass wir z.B. auf eine Bibelstelle sofort unsere Gedanken legen, sie in unser System einordnen und das, was wir vorerst nicht verstehen, beiseite schieben. Dann meinen wir, wir hätten etwas von Gott erfahren, aber in Wirklichkeit kreisen wir nur um den Götzen, den wir uns selbst zurechtgedacht haben, bleiben im Gefängnis unserer Subjektivität.

Aber der christliche Glaube ist eine Offenbarungsreligion: die wirklich wichtige Botschaft für mich ist nicht das, was ich mir mit meiner eigenen Klugheit selbst ausdenke. Das wirklich Wichtige in meinem Leben muss mir von Gott gesagt werden. „Schenke mir ein hörendes Herz“ betet König Salomo.

Der Glaubende versucht, sich nicht etwas auszudenken, sondern die Botschaft nach-zudenken.

Einladung zum Nachdenken

  • Bitten Sie, wenn Sie z.B. die Bibel lesen, zuvor, dass Gott Ihnen ein hörendes Herz schenken möge.
  • Halten Sie es aus, dass Ihnen manches im Glauben oder in der Heiligen Schrift schwer verständlich erscheint. Oft sind gerade dies die Punkte, durch die mir Gott etwas Neues zeigen will.
  • Versuchen Sie, auch wenn es schwer fällt, Zeiten des Schweigens auszuhalten; sie öffnen Sie für Gott.
  • Seien Sie gewiss, dass Gott Sie persönlich ansprechen und aufsuchen möchte.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Tagesgebet

Ewiger Gott, durch die Geburt deines Sohnes aus der Jungfrau Maria
hast du vor der Welt deine Herrlichkeit offenbar gemacht.
Lass uns das unfassbare Geheimnis der Menschwerdung
in unverfälschtem Glauben bewahren und in liebender Hingabe feiern.

Lk 1, 26-38

In jener Zeit wurde der Engel Gabriel von Gott in eine Stadt in Galiläa namens Nazareth zu einer Jungfrau gesandt. Sie war mit einem Mann namens Josef verlobt, der aus dem Haus David stammte. Der Name der Jungfrau war Maria.

Der Engel trat bei ihr ein und sagte: Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mit dir. Sie erschrak über die Anrede und überlegte, was dieser Gruß zu bedeuten habe. Da sagte der Engel zu ihr: Fürchte dich nicht, Maria; denn du hast bei Gott Gnade gefunden. Du wirst ein Kind empfangen, einen Sohn wirst du gebären: dem sollst du den Namen Jesus geben. Er wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Gott, der Herr, wird ihm den Thron seines Vaters David geben. Er wird über das Haus Jakob in Ewigkeit herrschen und seine Herrschaft wird kein Ende haben.

Maria sagte zu dem Engel: Wie soll das geschehen, da ich keinen Mann erkenne?

Der Engel antwortete ihr: Der Heilige Geist wird über dich kommen, und die Kraft des Höchsten wird dich überschatten. Deshalb wird auch das Kind heilig und Sohn Gottes genannt werden. Auch Elisabet, deine Verwandte, hat noch in ihrem Alter einen Sohn empfangen; obwohl sie als unfruchtbar galt, ist sie jetzt schon im sechsten Monat. Denn für Gott ist nichts unmöglich.

Da sagte Maria: Ich bin die Magd des Herrn; mir geschehe, wie du es gesagt hast. Danach verließ sie der Engel.

 

Was trauen wir Gott eigentlich zu? Im Evangelium des heutigen Tages sagt der Erzengel Gabriel zu Maria: Denn für Gott ist nichts unmöglich. Doch oft scheint es mir bei Christen so zu sein, dass sie meinen, aus Höflichkeit nicht zu viel von Gott erwarten zu sollen. Hinter der Höflichkeit steckt dann aber doch oft auch ein Zweifel an den Möglichkeiten, die Gott hat. Alles läuft dann darauf hinaus, dass ich Gott darum bitte, mir Kraft zu geben, damit ich mein Leben verändere; mit anderen Worten: mein eigenes Leben ist letztlich nur Produkt MEINES Tuns.

Im Gegensatz zu Zacharias glaubt Maria dem Wort des Engels, sie glaubt an die Möglichkeiten Gottes. Dass Gott diese Möglichkeiten ganz anders ausschöpft, als wir uns zunächst wünschen, ist eher ein Beleg für seine Größe als für seine Begrenzung.

Ein Gott, der nicht fähig ist, mir aus den Sackgassen des Lebens heraus neue Möglichkeiten echten Lebens zu schaffen, könnte mir gestohlen bleiben. Ein Gott, der nur schulterzuckend und mitleidig auf mein Leben schaut, hätte auch nie das Wunder der Menschwerdung bewirkt.

Egal, wie verfahren unser Leben bisweilen sein mag: es gibt immer einen Weg, nicht will wir so schlau sind, sondern weil es Gott gibt.

Ein alter Priester sagte unlängst zu mir: Eigentlich ist fast alles in der Welt und der Kirche anders gekommen, als wir es uns vor unserer Priesterweihe gedacht haben.

Trauen wir nicht einfach dem, was wir vorausberechnen und für die Zukunft voraussagen zu können meinen, sondern sagen wir wie Maria Ja zu den Möglichkeiten Gottes, die wir zwar heute noch gar nicht konkret kennen, von denen wir aber wissen, dass sie uns zu einem Leben führen, dass schon hier und jetzt diesen Namen wirklich verdient.

 

Einladung zum Nachdenken

  • Schauen Sie auf Ihr Leben zurück: Gab es Wendepunkte, die so von Ihnen gar nicht geplant waren?
  • Können Sie erkennen, dass Gott besser für Ihr Leben geplant hat, als es Ihnen selbst möglich war?
  • Haben Sie schon einmal die Erfahrung gemacht, dass gerade aus problematischen Situationen heraus etwas Neues, Gutes und Besseres entstanden ist?
  • Freuen Sie sich heute ganz besonders daran, dass Gottes Möglichkeiten viel größer sind, als wir uns ausdenken können, und schenken Sie ihm, dass Sie ihm das glauben.

 

Tagesgebet

Vater im Himmel, du hast die selige, ohne Sünde empfangene Jungfrau Maria
dazu erwählt, dein ewiges Wort aufzunehmen.
Du hast sie zur Wohnstatt Gottes gemacht und mit dem Licht des Heiligen Geistes erfüllt.
Gib uns die Gnade, gleich deiner demütigen Magd stets deinem Willen zu gehorchen.

Lk 1, 39-45

 

Nach einigen Tagen machte sich Maria auf den Weg und eilte in eine Stadt im Bergland von Judäa.
Sie ging in das Haus des Zacharias und begrüßte Elisabet.
Als Elisabet den Gruß Marias hörte, hüpfte das Kind in ihrem Leib. Da wurde Elisabet vom Heiligen Geist erfüllt
und rief mit lauter Stimme: Gesegnet bist du mehr als alle anderen Frauen, und gesegnet ist die Frucht deines Leibes.
Wer bin ich, dass die Mutter meines Herrn zu mir kommt?
In dem Augenblick, als ich deinen Gruß hörte, hüpfte das Kind vor Freude in meinem Leib.
Selig ist die, die geglaubt hat, dass sich erfüllt, was der Herr ihr sagen ließ.

 

Heute kommt der Impuls am Abend. Das Evangelium des 21. Dezembers schildert uns die Begegnung von zwei Frauen: Maria und Elisabeth. Altes (Elisabeth/ Johannes der Täufer) und Neues (Maria/ Jesus) Testament begegnen sich hier. Johannes der Täufer und mit ihm Elisabeth erkennt, dass Maria Gott selbst zu ihnen bringt.

Seit der Menschwerdung Gottes gilt noch mehr, was der Religionsphilosoph Martin Buber so formulierte: „Jedes geeinzelte Du ist ein Durchblick zu ihm“ (= zum ewigen Du/ zu Gott). Die menschliche Würde gründet darin, dass in jedem Menschen das Geheimnis Gottes anwest. Der Respekt, mit dem Elisabeth Maria begrüßt, gilt im Grunde jedem Menschen. Ja, ich muss ihn mir sogar selbst entgegenbringen, denn wir sind – wie Paulus sagt – der Tempel Gottes. Und wie ein großes Gotteshaus mir einen erhabenen Schauder über den Rücken jagen kann, so kann ich immer nur staunen über die Komplexität, das Geheimnis der Person und Tiefe, die mir in einem anderen Menschen gegenübertritt. Schon bei einem Neugeborenen spürt man sofort: er ist mehr als das Produkt von Ei- und Samenzelle, er ist Person und damit Durchblick auf Gott.

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Einladung zum Nachdenken

  • Denke ich über andere Menschen nach oder meine ich, sie längst durchschaut und verstanden zu haben?
  • In Schillers „Braut von Messina“ steht der Satz: Mit Wonne entdeck ich, dass sie ehren, was sie lieben. Was für eine Rolle spielt der Respekt in meinen Beziehungen zu anderen? Bin ich mir bewusst, dass auch in Bezug auf den anderen Menschen das Wort Gottes an Mose in der Geschichte vom brennenden Dornbusch gilt: „Der Ort, den Du betrittst, ist heiliger Boden.“?
  • Ist mir bewusst, dass ich den anderen nie als Mittel, sondern nur als Zweck ansehen darf?
  • Wie gehe ich mit meiner eigenen Würde um? Achte ich auf mich? Drückt meine Lebensweise einen Respekt vor mir selbst als Geschöpf Gottes aus?

 

Tagesgebet

Gnädiger Gott,
du erfüllst uns mit Freude
über das Kommen deines Sohnes in unserem Fleisch.
Schenke uns bei seinem Kommen in Herrlichkeit
das ewige Leben, das du uns verheißen hast.

Nach Hause kommen

Schon jetzt vor Weihnachten ist auf den Straßen, an den Flughäfen und Bahnhöfen viel Betrieb. Menschen brechen nicht nur in den Urlaub auf, sondern viele kommen nach Hause, in das Elternhaus, zur Familie.

Weihnachten hat viel mit Nach-Hause-Kommen zu tun. Erlebnisse der Kindheit steigen in unserem Herzen auf.

Christus sagt im Evangelium, dass Füchse ihre Höhlen und Vögel ihre Nester haben, er selbst jedoch habe keinen Ort, wo er sein Haupt hinlegen könne. Denn: sein Zuhause ist der Vater.

In vielen Krippendarstellungen breitet Jesus die Arme weit aus, um uns in sie zu schließen. Durch ihn will Gott die Menschen nach Hause heimholen. Aber was ist das Zuhause? Es ist die Erfahrung, dass mich der, der mein Innerstes versteht und durchschaut, gleichzeitig bedingungslos liebt, es ist die Erfahrung der Gnade.

Die Hirten und die Dreikönige haben nicht nur etwas entdeckt, sondern sie haben ihn gefunden. Jesus ist für uns das Zuhause, dessen Vorgeschmack menschliche Gemeinschaft und Orte sind und das wir bewusst oder unbewusst immer schon suchen.

Diese Erfahrung wünsche ich Ihnen zu Weihnachten von Herzen und bedanke mich, dass Sie diesen Weg durch den Advent mitgegangen sind.

Herzlich lade ich Sie ein, sich vielleicht spontan noch von Jesus im Bußsakrament in die Arme schließen zu lassen und so Weihnachten ganz tief zu erfahren. Gelegenheit dazu ist z.B. heute Nachmittag im Franziskanerkloster, Oststraße, von 16 – 18 Uhr oder morgen in der Basilika von 10 – 12 Uhr.