Vesper und Lichterprozession Suitbertusfest 2020

An vergangenen Wochenende feierten wir das Fest des hl. Suitbertus, der nicht nur der Patron der Kaiserswerther Basilika, sondern für unsere ganz Gegend sozusagen der Vater im Glauben ist, denn er brachte als erster die Frohe Botschaft hierhin.

Anlässlich der abendlichen Vesper durften wir der Predigt von Pater Elmar Salmann folgen:

Suitbertusfest–  Welche Jahrhundertbögen öffnen sich, die Zeit Jesu, 700 – 1300 – 2020 …. Ungeheuer ist die Spannweite der Geschichte der christlichen Religion und des Lebens,  reich der Schatz an Symbolen, Orten, Metaphern und Riten. 5 Motive lasse ich erstehen vor unserem Auge:  Fluss, Wanderung, Widerstreit aller Dinge, Heimat, endlich Wandlung und Versöhnung.

  1. Vielleicht fängt deshalb alles an einem Fluss an, an Euphrat, Nil., Jordan oder Rhein. Alles fließt, sagt die antike Weisheit, ist zugleich stetig dasselbe  und sich wandelnd, nie zu fassen, trennend und verbindend, lebensspendend und zerstörend.- Spiegelbild der Seele, Bewussteinsstrom, Lebenslauf.  Jordan, ständig zu überschreitende Grenze von Mose bis heute,  sinnbildlich das Absteigende aus dem Gebirge zum tiefsten Einschnitt der Erde, 450m unter dem Meeresspiegel, dem Toten Meer, von Süßwasser zum Salzsee; Abstieg Jesu aus der Höhe, ins Bittere….ähnlich der Rhein bei Hölderlin Schicksalsfluss Ost-West, Größe und fallendes Leben.
  2. Wanderung, Jesus, Johannes, Paulus;  Wanderer, Aufbrechende, nie ganz zu Hause, struppig, nicht zu fassen; dann, stellen Sie sich vor, die deutsche, heute so spätbürgerlich-immobiliengesättigte Kirche wurde in unseren Breiten von wandernden Mönchen gegründet, erstaunlich in Zeiten des  Brexit, wir kommen aus England:  Bonifatius, Suitbert, Willbrord, Willehad, Elmar, Willibald, Ansgar,…  Zu denken gibt der Abenteuersinn, das Ungeschützte der Anfänge unserer Religion allemal – unabsehbar, wohin Kirche heute aufbrechen, neue Anfänge wagen, sich von Ausländern etwas gesagt sein lassen muss, darf, kann. Wohin übersetzen, in welche Sprache übersetzen.
  3. Gefasste Gegensätze- Leben besteht aus Widerstreit, Leben lebt vom Leben anderer: Johannes und Jesus, zwei rel. Genies, nie ganz zu versöhnen, zwei Anfänge, die einander brauchen, bestreiten, heben, verschatten. So auch  Willibrord und Suitbertus, Rom , England und Germanien, Franken und Sachsen, Ruhr und Rhein, staatliche und kirchliche Macht (Pfalz), Heidentum und Christentum, protestantische  (ganz in der Nähe finden wir das berühmte Diakonissenmutterhaus) und katholische Welten, sie alle mischen und überwerfen sich immer neu, bis heute, bis sie für- und miteinander da sind. Welche Kühnheit und Demut sind da nötig. „Lass es geschehen“, denn wir müssen die ganze Gerechtigkeit erfüllen, einander und Gott gerecht werden. Erster Satz Jesu bei Mt.
  4. Verlässlichkeit, Heimat. Jesus erweist sich als ganz in Gott gegründet und verlässlich für die Menschen da. Es entsteht die Kirche, die Wandermönche gründen Bistümer und Abteien, Disentis, St.Gallen, Reichenau bis Kaiserswerth, dann Werden und Corvey… Orte der Bildung, Herrschaft, Sicherung. Und der Schrein, was für ein Glanz, wo das Endliche der Asche, der Sterblichkeit, was wir heute entsorgen – gehütet wird , eine Würdigung des einmaligen Erdenlebens bis in Ewigkeit.
  5. Wie viel an Wandlungen, Brüchen Kontinuitäten, Sterben-Geburt, denn Leben verzehrt und versehrt Leben.. Es ist viel an Sterben in aller Geburt, viel an Geburt in allem Sterben. Es ist, als ob die heutige Gesellschaft, in den Finanz-, Migrations-, Klima und Pandemiekrisen und erst recht die Kirchen diese Grammatik des Christentum, des Kreuzes und der Taufe neu lernen müssten, im Leben   Spuren Gottes zu lesen. Welchen Gottes: der Freude ist an Freiheit, am Anfangen, sein Wesen ist Mitfreude und Mitleid mit einem jeden, da entsteht  ein Atemraum ,in dem alle Gegensätze, Quelle un Mündung, Glanz und Abgrund, Jesus und Johannes,  sich zueinander fügten. Ob uns heute davon eine Ahnung aufgeht?

 

Hier einige Bilder der Vesper und der anschließenden Lichterprozession auf dem Stiftsplatz.